Re: Kommunikation
Hallo Jan-Gerd,
Das klingt nach den klassischen Kommunikationsasymmetrien, die es zwischen
Männern und Frauen leider immer gibt. Da würde mehr Wissen über die
geschlechtsspezifischen Kommunikationsstile uns allen helfen.
Das Wissen allein hilft noch nicht weiter. Bsp.: Den Text eines Kollegen
redigiere ich in 5 Minuten incl. Erklärung, warum ich was nicht gutfinde.
Ganz ohne Angst, das man mir was übel nimmt, denn eine kritische Betrachtung
ist ja schließlich gewünscht.
Die Texte von Kolleginnen redigiere ich nur noch ungern, das dauert ewig,
ihnen ganz vorsichtig rüberzubringen, was ich verbesserungswürdig finde und
am Ende sind sie noch beleidigt anstatt dankbar zu sein, daß ich mir die Zeit
nehme, ihnen zu helfen.
Ich habe doch das starke Gefühl, Du hast Dich mit den unterschiedlichen
Kommunikationsstilen von Männern und Frauen noch nicht beschäftigt, sonst
würdest Du nicht leugnen, dass dieses Wissen weiterhelfen würde. Ich kann
dazu das Buch "Du kannst mich einfach nicht verstehen" von Deborah Tannen
empfehlen. Sie legt die verschiedenen Stile dar, ohne einen zu bevorzugen
oder als den besseren herauszustellen. Im Gegenteil, sie macht sehr schön
deutlich, dass Männer und Frauen, um die gleichen Ziele zu erreichen,
grundverschiedene Mittel nutzen, die aber zumindest "geschlechtsintern"
gleichermaßen erfolgreich sind - nur an der "Schnittstelle" zwischen
den Geschlechtern kommt es eben genau zu solchen Mißverständnissen, wie
Du sie schilderst.
Männer organisieren ihre soziale Welt in Hierarchien, in denen die
Rangordnung die Hauptrolle spielt, Frauen dagegen in Netzwerken, in
denen die Nähe und Gemeinschaftlichkeit die Hauptrolle spielt. Wenn
Du einem Mann also gegenübertrittst und deine Korrekturen vorträgst,
akzeptiert er Dich in dieser Situation als den Höherstehenden und
nimmt deshalb Deine Kritik als gerechtfertigt hin.
Eine Frau sieht solch direkte Kritik und das Sich-Höherstellen, das
der Kritisierende ausübt, in ihrer "Netzwerksicht" als Distanzierung
und somit als Vertrauensentzug. Wenn die gleiche Kritik nur in anderem
Ton vorgetragen wird, etwa in Form von Vorschlägen anstatt von
Anweisungen, und die Gesprächsatmosphäre die kollegiale Gemeinsamkeit
unterstreicht, statt hierarchische Unterschiede, wird die Frau in der
gleichen kurzen Zeit die gleiche Kritik auch an sich heranlassen und
nicht als persönlichen Angriff sehen.
Würdest Du hingegen einem Mann mit einem solchen Vorschlagsstil und
gemeinschaftlicher Atmosphäre kommen, dann würde er Deine Kritikpunkte
möglicherweise nicht ernst nehmen, weil sie ja nicht als Anweisungen
eines Höherstehenden verpackt waren und er denkt, er kann ganz nach
seinem Gusto verfahren.
Frauen fehlt es eben an Sozialkompetenz und Kritikfähigkeit. Männer sind
dreimal pflegeleichter und letztlich viel produktiver.
Nimm mal Deine Scheuklappen ab... ich persönlich finde die konsensorientierte
"weibliche" Kommunikation viel stressfreier und fühle mich im allgemeinen
auch unter Frauen sehr viel wohler.
Gruß,
Marc