so, so - ertappt :-)

B.J., Monday, 24.02.2003, 14:27 (vor 8456 Tagen) @ Beobachter

Moin, moin,

dann hat mich meine Beobachtungsgabe doch nicht getäuscht, dass da jemand sehr interessiert beobachtet und über uns diskutiert hat :-)

Ein paar Punkte möchte ich, da es sich hier ja offenbar um das München-Treffen handelt, auch noch beisteuern.

Zunächst möchte ich mich kurz vorstellen: ich bin vermutlich die "Frau" aus dem Freitags-Club. Und damit bin ich auch schon mitten im Thema. Ihr findet mich nicht auf Karlis Foto, da die 3 Hosenträger nicht "repräsentativ" für einen Rockerstammtisch waren ;-)

Wie wird man nun vom Mann zur Frau? Ganz einfach:

1.) Suche lange in der Herrenabteilung, bis Du mal eine Jacke und ein Oberhemd findest, die nicht die Standardfarben schwarz, braun oder dunkelblau haben.

2.) Lass Dir lange Haare stehen. Und wenn die dann noch solche Naturlocken haben, dass Dich die Frauen reihenweise drum beneiden und Dich dauernd darauf ansprechen, dann hast Du es fast geschafft.

3.) Wenn Du es perfekt machen willst, dann nimmst Du noch einen Haarschmuck dazu. (War übrigens ein Geschenk von einer Frau.)

4.) Rock ist völlig überflüssig. Eine schwarze Herrenhose tut es auch.

Fertig ist die Geschlechtsumwandlung. Bisher dachte ich immer, dass das viel schwieriger wäre
An der Mail unseres Beobachters (er könnte übrigens auf einem von Karlis nicht-veröffentlichten Fotos drauf sein, da er schräg hinter mir sass) sehen wir doch sehr deutlich das klassische Denkmodell:

a) Der Mensch sieht nur das, was er sehen will.

b) Über Geschmack läßt sich streiten.

c) Männer sind dann elegant, wenn sie sich in das klassische Muster (dunkle Farbe, bloss nichts "Weibisches") einfügen.

d) Bei Frauen ist alles erlaubt - bei Männern nichts.

Und das von einem "Modeexperten". Mann, so können wir niemals aus unserer grauen Langweiligkeit herauskommen!!! (Ferdi, mich wundert, dass Du dieses Mal so sehr konform gehst - bist Du krank??? ;-)

Mal eine Gegenbeobachtung von mir, ist ca. 10 Tage alt. Ich habe im Flieger neben 2 Redakteurinnen einer grossen Modezeitschrift gesessen, die auf dem Weg zu einem Foto-Shooting waren. Die hatten nun eine ganz andere Einstellung: Sie würden es sehr begrüssen, wenn manche Ansätze aus dem Damenoberbekleidung für Herren übernommen würden. Also z.B. Schnitte und Farben. Sie fanden übrigens Dries van Noten echt toll - der (s.o.) ja in dem neulich auch hier verlinkten Artikel der Süddeutschen absolut runtergemacht wurde. Ihr Fazit war nach dem Motto, dass sie absolut froh sind, Damenoberbekleidung zu machen, weil das Herrenzeugs zumeist einfach nur langweilig ist.

Und dann war da noch die Sache mit den Dingen, die dem "normalen" (was auch immer das sein mag) Mann so wichtig sind:

i) vielleicht "Feuer, Pfeife, Tabak" ?

ii) ein tolles Auto ?

iii) ein Schnurrbart, da man damit so toll männlich wirkt und immer dran spielen kann?

iv) Handy mit Wechselschalen, usw.

Ich sage nur: jedem seinen FETISCH
Nur schade, dass die "Normalo"-Fetische toleriert sind, die nicht ganz so offensichtlichen aber leider nicht. Und wenn man dann noch mehrere seiner Fetische vorführt, dann wird es problematisch. Stimmt schon, wenn ich 3 tolle Handies auf den Tisch lege (Motto: "mein Haus, mein Auto, mein Boot"), dann fällt das nicht so auf und ist wohl mainstream-konform. Ich könnte natürlich auch alle mit raus in meine Garage nehmen, wo meine tolle Schlitten stehen
Schade eigentlich, dass speziell Männer immer noch soviel Angst davor haben, dass ihnen ein Stückchen ihrer Männlichkeit verloren geht, wenn sie einen "Tick Weiblichkeit" (was auch immer das sein mag) an sich haben oder sich mit Händen und Füssen davon distanzieren, wenn sie das bei anderen sehen.

Ich hoffe, Euch mal wieder etwas zum Nachdenken angeregt zu haben ;-)

Eure (bin ja nun offenbar "gewandelt") B.J.


P.S.: Eigenltich sollte die Geschichte jedem gezeigt haben, dass man nur dann etwas verändert, wenn man mal den ausgetretenen Pfad verlässt.


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