Re: Rockertreffen

JürgenB, Monday, 24.02.2003, 10:48 (vor 8452 Tagen) @ Beobachter

Hallo Beobachter,

schön, daß sich wieder einer mehr mit dem Gedanken des Rocktragens auseinandersetzt. Schade, daß auch Du Dich von einzelnen "Negativbeispielen" scheinbar aus dem Konzept bringen läßt und dabei zu Verallgemeinerungen niegst, obwohl Du selber sagst daß dies nur einzelne sind, während andere sich nach Deinem Geschmack kleideten!

Diese "Mode" bietet viele Möglichkeiten, und damit auch leider viele Möglichkeiten zu stilistischen Fehlgriffen. Du selber schreibst: "nackte weis leuchtende Beine unter einem kurzen Rock, im Winter bei deutlich unter null – eine Frau die sich so unter diesen Umständen kleidet hat entweder ein Problem, oder will gewaltsam auffallen". Damit sagst Du auch, daß es diese Frauen gibt. Klar, die gibt es seltener, und das liegt ganz einfach daran daß die Frauen schon viel mehr Zeit hatten zu experimentieren und ihren Stil zu finden. Und es liegt sicher auch daran, daß Männer die jetzt Rock tragen grundsätzlich bereit sind aufzufallen - eine Frau kann heute Rock tragen ohne aufzufallen.

Hab' bitte Nachsicht mit denen die unbedingt auffallen wollen, die gibt es auch unter Nicht-Rockern, und nimm Dir den Deinen Augen gefallenden Rocker als Vorbild Deinen eigenen Stil zu entwickeln. Ziel ist schließlich nicht eine neue Vorgabe, was Mann anzuziehen hat, sondern die Modefreiheit! Was gefällt, das empfindet jede/r anders.

- Eine Lackhose ist für mich schon kein alltagstaugliches Kleidungsstück – ein Lackrock an einem Mann noch dazu sehr eng – bitte gerne, im SM oder Fetischclub, aber mit normal hat das nichts zu tun.

Geschmackssache!

- An anderer Stelle frage ich mich geht es nur um pures Auffallen oder hat man einfach überhaupt kein Gefühl für das Erscheinungsbild.

Beides kommt vor, ist aber nicht verbindlich wenn Du Rock tragen möchtest!

- Andere kommen zwar in Hose, ich habe sie aber trotzdem im ersten Moment für eine Frau gehalten – ist ja auch ok, bestätigt aber nicht das Bild vom normalen Mann.

Ich weiß zwar nicht welche(s) Detail(s) diesen Eidruck bei Dir hervorriefen? Dieser Eindruck entsteht meines Erachtens durch ein gewohntes Bild, und Gewohnheiten ändern sich schnell! Davon abgesehen: was ist normal? Ohrringe am Mann? Lange Haare? Rock? Hochhackige Schuhe? ...?

- Ganz schräg: man zieht sich während des Abends mehrmals um – man will ja auch nur genau so selbstverständlich Röcke tragen wie Frauen – die ziehen sich ja auch immer auf der Toilette um.

In einem Computerclub zeigt man sich bei Treffen die neueste Software, die Rollerfreunde, bei denen ich eine Zeit lang aktiv war, gehen beim monatlichen Treffen raus und zeigen sich gegenseitig das neueste Zubehör, und eine Gemeinschaft mit dem gemeinsamen Interesse Rock zeigt sich die neuesten Röcke - ja und? Bei diesen Treffen ist halt eben auch hin und wieder der Rock das Thema, und es gibt immer welche die gerne zeigen was sie haben. Ist das schlimm?

- Gut, ein paar wirken wirklich normal und sind stilvoll, teilweise echt elegant gekleidet, oder wirken als hätten sie nichts mit dem Rest zu tun – tauchen dann auf den Beweisfotos im Forum auch nicht auf (?).

Das mag an dem liegen der fotografiert, dies von der Beurteilung des Treffens einer Gruppe als Standardaussage zu werten ist wohl etwas weit hergeholt!

- Ganz interessant: die Gespräche an den anderen Tischen, wenn der seltsame Haufen die Lokalität verlassen hat: Transsexuellenselbsthilfegruppe? Treffen vor dem eigentlichen Faschingsball? Ein Horde Spinner?

Nach dem Treffen ist die Zeit wo DSN2330/1,5 (Deutsche Stammtischnorm, 23.30 Uhr, 1,5 Promille) in Kraft tritt. Ganz nüchtern sind sie nicht mehr, Frauen sind selten, und jeder glaubt sich beweisen zu müssen. Das geht immer am besten, wenn man über Abwesende lästern kann!

- Eigentlich waren alle Kommentare auch zwischen den Tischen (!) von Toleranz aber auch von völliger Verständnislosigkeit geprägt. Das Wort „schwul“ konnte ich zu meinem Erstaunen nie aufschnappen.

Sorry, aber diese Aussage, erst recht zur genannten zeit, werte ich schon als kleinen Fortschritt!

- Also, ihr seid schon ein seltsamer Haufen, macht was ihr für richtig haltet, aber erwartet nicht, dass man euch für normal hält und euer Tun als Reklame für den Männerrock betrachtet wird – eher als Abschreckung

Für Dich mag das (leider) zutreffen, lag vielleicht auch an den Personen die Du gesehen hast? Viele andere haben durch solche Treffen Mut gefunden und sind jetzt frei von geistigen Zwängen.


Ich selber trage seit 3 Jahren Rock, und habe auch alle Phasen durchgemacht: anfängliche ängstliche Versuche mit wirklich "normalen" Röcken, danach etliche Versuche und sicher auch etliche stilistische Fehlgriffe, und glaube jetzt meinen Stil gefunden zu haben, obwohl der sich sicher auch noch wandeln wird. Parallel dazu die Änderung der Einstellung: von "ich will das zwar, aber da tue ich etwas Verbotenes" bis hin zur heutigen Einstellung "Die eigene Freiheit endet da wo sie die Freiheit der anderen einschränkt. Es muß mir schließlich nicht gefallen, was ich an anderen sehe. >Weiblich< ist lediglich der BH!"

Gruß
JürgenB


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