Re: Männlich weiblich?

MAS, Monday, 28.04.2003, 14:33 (vor 8385 Tagen) @ Kerstin

Hallo miteinander,

meines Erachtens genügt es nicht, männlich und weiblich rein auf Zeugungs- oder Gebärfähigkeit zu reduzieren. Schon bei den meisten Tierarten sind mit dem Geschlecarten sind mit dem Geschlecht eindeutig auch Verhaltensweisen verbunden, die genetisch angelegt sind, also nicht sozilaisiert. Aber auch da gibt es Tierarten, bei denen es anders als "normal" ist, z.B. beim Odinshünchen, wo die Weibchen bunt sind und um die Männchen kämpfen, die dann die von Weibchen gelegten Eier ausbrüten und die Kücken groß ziehen. So gibt es auch bei uns Menschen angeborene Verhaltensweisen, die aber je nach Sozialisation gefördert oder gehemmt werden.

So ist es in einem Volk in der Sahelzone üblich, dass sich die Männer schmücken und anmalen und vor den Frauen einen Tanz aufführen, wonach die Parterwahl Sache der Damen ist.

Menschen sind ungemein komplizierter als die meisten anderen Tiere, und die in der Primär- und Sekundärsozialisation erworbenen Verhaltensweisen und Weltbilder sind bei vielen Menschen unaufgebbare Teile der eigenen Identität.

Travestie, Transvestisums, Crossdressing sind auch kulturell geprägt, spiegeln gewissermaßen eine Sehnsucht nach dem Anderen wieder.
Transsexualität ist mir zu kompliziert, um dazu was zu schreiben. Es ist ein faszinieendes Phänomen und die Betroffenen sind nicht zu beneiden, denke ich.
Jedenfalls scheinen Transsexuelle einen Unterschied zwischen seelischer und körperlicher Geschlechtszugehörigkeit wahrzunehmen. Sollte da tatsächlich ein Unterschied bestehen und dieser nicht nur sozilisationsbedingt sein, dann gibt es eben eine seelische Geschlechtszugehörigkeit. Und wenn es diese gibt, dann gibt es auch Attribute, die sie näher bestimmen. Evtl. aber gibt es zwar eine seelische Geschlechtszugehörigkeit, die sozialisationsunabhängig ist, aber die Attribute sind sozialisationsbedingt.

Ich sag's ja, wir Menschen sind komplizierte Wesen.

Ich muss sagen, dass ich im Rock ein ursprünglich geschlechtsneutrales, menschliches Kleidungsstück sehe, aber durch meine Sozialisation im Rock zugleich auch ein Symbol für Weiblichkeit sehe. Beides ist der Fall, und es hängt von der Perspektive ab, welche Seite des Rockes einem wichtiger ist. Nun ist es aber so, dass viele Zeitgenossen nur die eine (die zweite) Perspektive kennen und es unsere Aufgabe ist, ihnen die andere (die erste) ins Bewusstsein zu bringen. Es stellt dann sozuagen eine interkulturelle Kompetenz da, zwischen beiden Perspektiven hin und her springen zu können, so wie eine Frau die Hosen trägt, aber in der Hose auch zugleich ein Symbol für Männlichkeit sieht, so wie es inder Beschreibung einer sehr fruchtbaren Frau zum Ausdruck kommt: "Die braucht nur eine Hose zu sehen, schon wird sie schwanger."

Das männliche Pendant zu diesem Spruch: "Der ist hinter jedem Rock her."

Beste Grüße,

Michael


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