Re: Männlich weiblich
Hallo Christian!
Im Grossen und Ganzen möchte ich Dir beipflichten, vor allem da, wo Du von den Tätigkeiten wie Kochen usw. sprichst. Was die Kleidung betrifft, da dürfte meine Einstellung ja hinlänglich bekannt sein, da stelle ich mich buchstabengetreu auf Deinen Standpunkt.
Zwei wichtige Gedanken möchte ich hervorheben:
1) Ich bin der Meinung, dass sich die Attribute "männlich" und "weiblich" wirklich ausschliesslich auf die biologischen Körperfunktionen beschränken sollten. Alles andere darüber hinausgehende ist "menschlich". "Männlich" sagt also aus, dass der betreffende Mensch Kinder zeugen kann. "Weiblich" sagt demnach aus, dass der betreffende Mensch Kinder gebären kann. Somit bestimmt also unsere Körperlichkeit ob wir ein männlicher Mensch oder ein weiblicher Mensch sind.
2) Im Gegensatz zu Deiner Meinung bin ich der Auffassung, dass jeder werdende Mensch im äussersten Frühstadium, also unmittelbar nach der Befruchtung, beide Anlagen in sich vereinigt. Aber nur eine dieser Anlagen wird im Zuge der embryonalen Entwicklung getriggert, sich zu entwickeln. Die andere wird nicht getriggert aber auch nicht beseitigt. Ein guter Beweis ist die Tatsache, dass wir Männer Brustwarzen haben, aber kein Milchgewebe wie in den Brüsten einer Frau. Wären bei der Befruchtung unsere weiblichen Anlagen angetriggert worden, so wären uns unter den Brustwarzen Brüste mit Milchdrüsen gewachsen. Ich behaupte also, dass auch in uns erwachsenen Männern alle "Grundbausteine" vorhanden sind, die uns auch zu einer Frau hätten werden lassen können, wenn eben nur im entscheidenden Moment der passende Triggerimpuls gekommen wäre. An dieser Theorie der weiblichen Anteile ist also was dran.
So weit so gut.
Alles andere, was sich daraus in Richtung Rollenverhalten männlich/weiblich ableiten lässt, ist nicht mehr biologisch bedingt, sondern sozialisationsbedingt. Es handelt sich um aufgepfropfte Rollenspiele, die mit der Biologie der Körper nichts mehr zu tun haben. Die unterschiedlichen Hormonhaushalte erklären noch die erhöhte Aggressivität und Risikobereitschaft. Mehr aber auch nicht. Ansonsten ist der Mann so wie die Frau auch ein Mensch und hat dieselben Gefühle, wie Freude, Trauer, Schmerz, Glück und was auch immer. Aber auch der Mann hat das Recht, diese Gefühle und Gemütsbewegungen auch auszuleben. Die verkorkste künstliche Sozialisation, das Drehbuch der Geschlechterrollenspiele ist es nämlich, die von Männern verlangen, diese völlig natürlichen Gemütsbewegungen und Gefühle zu unterdrücken. Ich persönlich sehe das nicht ein. Das macht auf die Dauer krank, denn die Natur hat uns diese Regungen mitgegeben damit wir sie als Ventil benutzen können, wenn uns die Lebensumstände in bedrängliche Situationen bringen. Sie dienen dazu, den bei Problemlösungen aufgebauten Stress zu neutralisieren. Unterdrückt man das, weil das angeblich "unmännlich" ist (Scheisswort!!!), dann führt das auf die Dauer eines Menschenlebens zu erhöhtem Verschleiss. Meiner Ansicht nach einer der Hauptgründe warum Männer rund 7 Lebensjahre weniger haben.
Wie oben gesagt bin ich bezüglich der Röcke einer Meinung mit Dir. Der Rock ist ein Kleidungsstück und sonst nichts. Durch den Erwerb und die Benutzung durch einen Mann wird er automatisch ein Männerkleidungsstück, da er zu einem Mann gehört. Nur ein Mann, der einer Frau einen Rock klaut und ihn trägt, trägt dann ein Frauenkleidungsstück. Und wer tut das schon? Ich kenne jedenfalls keinen.
Schöne Grüsse,
Ferdi