Re: Männlich weiblich?
Guten Morgen Christian!
Auch die Frage nach der Kleidung muß man so angehen, da wir ja neulich erst eine Diskussion hier hatten das ein Kilt kein Rock sein kann, weil er dann ja eine Damenbekleidung wäre.
Ich hatte vor längere Zeit mal eine interessante Diskussion darüber mit Schorsch. Er meinte, ein Kilt wäre kein Rock sondern ein Kilt. Eben was ganz Besonderes. Das ist dadurch begründet, dass der Kilt ein nationales Symbol für die Schotten ist. Er ist - zusammen mit anderen Kleidungsstücken - eine nationale Tracht der Schotten. Diese Hervorhebung der Bezeichnung "Kilt" wird aber nicht gemacht, um dieses Kleidungsstück von den "Frauenkleidungsstücken" abzugrenzen.
Und ein echter Mann dürfe keine Damenkleidung tragen.
Genau das ist der hanebüchene Unsinn, gegen den ich seit nunmehr vier Jahren ankämpfe. Ein Rock ist keine "Damenkleidung", sondern einfach Kleidung. Röcke sind allerdings bisher hier bei uns in Mitteleuropa vorwiegend für Frauen vorgesehen, oder anders ausgedrückt, es ist bisher üblich, dass Frauen Röcke tragen, und es ist bisher üblich, dass Männer Hosen tragen. Aber es geht doch auch keiner her und bezeichnet eine Hose deswegen als "Männerkleidungsstück". Demnach trügen also gut 90% der Frauen Männerkleidung und wären "Transvestiten". Das ist also Mumpitz. Ausserdem definiert sich ein "echter" Mann doch nicht über die Fassade der Kleidung. Ein Mann ist ein Mann, egal ob er nackt ist, eine Hose oder einen Rock oder sonst was anhat. Eine Frau ist und bleibt ja auch eine Frau, egal was sie anhat (oder nicht anhat
).
Da es glaube ich keine echten Unterscheidungskriterien für einen Herren oder Damenrock gibt, (ausser vielleicht im Preis) bezeichne ich jeden Rock den ein Mann für sich gekauft hat und trägt und der ihm auch noch passt ( wobei wir wieder beim Workshop wären)nach meiner Definition zum Herrenrock wird.
Dieser Meinung bin ich auch! Einziges Unterscheidungskriterium wäre vielleicht noch der Schnitt, der bei einem Herrenrock besser auf die etwas andere Körpersilhouette des Mannes abgestimmt ist. Ich stosse oft auf Röcke, die mir im Hüftbereich zu weit sind. Weil sie mir gefallen habe ich sie trotzdem gekauft und sie vom Änderungsschneider ändern lassen. Das ist für einen guten Schneider überhaupt kein Problem. Dieser Unterschied ist aber rein bekleidungstechnischer Natur. Das Gleiche gilt auch für Hosen. Für mich ist ein Rock einfach ein einröhriges Beinkleid. Ich habe es auch nicht nötig, einen Rock, den ich irgendwo kaufe, jetzt als "Männerrock" zu etikettieren. Wie Wolfgang schon schreibt, wir brauchen diese Attribute nicht als Rechtfertigung, wir brauchen uns überhaupt nicht und vor niemandem zu rechtfertigen, welche Kleidung wir tragen. Die Frauen haben das seinerzeit auch nicht gemacht, als sie anfingen Hosen zu tragen. Sie hatten das nicht nötig. Wir haben das auch nicht nötig.
Noch kurz etwas zu diesem Ausdruck "Transen". Dieser abwertende Ausdruck bezeichnet einen Eindruck, den jemand von einem anderen Menschen hat. Ob jemand "tuntig" oder wie eine "Transe" wirkt, hängt nämlich nicht davon ab, ob er einen Rock oder eine Hose an den Beinen hat, sondern vom Gesamteindruck, vom Stil und Zusammenspiel der gesamten Kleidung, ergänzt von seiner Art, sich zu bewegen. Diesen Eindruck kann ein Mensch auch ohne einen Rock auf andere machen.
Freundliche Grüsse,
Ferdi