Re: Freiheit der Mode

Ferdi, Thursday, 21.11.2002, 23:24 (vor 8551 Tagen) @ PeterG

Hallo Peter!

Mag sein dass er eventuell mit Emotionen behaftet ist.

Das mag nicht nur so sein, das ist schon so. Ich will versuchen, das zu erklären.

Ich selbst, das wisst Ihr alle, habe mein Ziel erreicht. Ich trage Röcke als Alltagskleidung und habe erreicht, dass meine gesamte menschliche Umgebung, mit der ich in Kontakt komme, meine Röcke als normale Standardkleidung betrachtet. Egal, wo ich mich auch immer aufhalte, es ist so.

Ich gehe davon aus, dass die Männer, die hier lesen und posten, auch Röcke tragen wollen, sonst wären sie nicht hier. Was mich trotz meines persönlichen Erfolges etwas traurig stimmt ist die Tatsache, dass es die meisten nicht schaffen, sich dieser blödsinnigen Angst vor den anderen Menschen zu entledigen. Bin ich denn wirklich so viel stärker als Ihr alle? Ich kann das einfach nicht glauben. Aber der Frust bei mir kommt eigentlich erst deswegen auf, weil ich sehe, dass Frauen sich damit überhaupt keinen Kopf schwer machen, Hosen, die Männerkleidung schlechthin, zu tragen. Und diese Tatsache macht mir klar, dass ich in Wirklichkeit dem schwachen Geschlecht angehöre. Dieser Frust, das gebe ich zu, fliesst regelmässig immer wieder in meine Texte ein. Es frustet auch, dass es mir keiner abkauft, dass am Röcketragen nichts, aber auch wirklich nichts Negatives dran ist, obwohl ich (und etliche andere auch) es täglich aktiv vorlebe. Ich habe gerade wieder in Schorschs Forum gelesen. Mir rollen sich regelrecht die Zehennägel auf wenn ich lese, welch ein enormer Leidensdruck sich bei vielen Männern nur wegen dieser saublöden, durch nichts zu rechtfertigenden und nur durch unverantwortliche "Gehirnwäsche" entstandenen Angst vor angeblich "weiblichen" Kleidungsstücken aufbaut. Und was mich richtig sauer macht ist eben die Tatsache, dass Frauen von diesen ganzen Phobien überhaupt nicht erfasst sind, dass aber gerade Partnerinnen und Ehefrauen diejenigen sind, die ihren Männern damit das Leben schwer machen. Das empfinde ich als eklatante Ungerechtigkeit den Männern gegenüber. Ein Riesenlob dagegen den Kindern, die gehen damit wirklich ganz natürlich und locker um, das habe ich schon sehr oft draussen erlebt.

Als Ergänzung nicht nur zum Text sondern für unser Bestreben überlege ich mir schon seit einiger Zeit zB die Frauenbeauftragte anzuschreiben. Sie könnte ja auch mal in umgekehrter Richtung aktiv werden und einen entsprechenden Passus für das Grundgesetz erwirken.

Lass das lieber bleiben. Das wäre ja fast schon so, als ob man einen Feuerwehrmann auffordern würde, Feuer zu legen. Ausgerechnet Frauenbeauftragte! Um Gottes Willen! Haben wir das nötig, uns von denen die Kastanien aus dem Feuer holen zu lassen? Können wir das Problem nicht selber lösen? Schaffen wir es wirklich nicht, das zu tun, was uns Freude bereitet und was nicht verboten ist? Sei mir bitte nicht böse wegen meiner Worte, aber das wäre eine Blamage erster Klasse! Das sollten wir uns auf keinen Fall leisten.

Wir brauchen keinen Gesetzestext, denn der Art 3 Abs 3 GG verbietet ja eine Diskriminierung wegen des Geschlechtes. Das muss genügen, wir haben jedwede Freiheit, das zu tun, was wir wollen, auch und gerade in Bezug auf unserer Kleidung. Wir müssen es nur auch tun, wenn wir es so wollen, das ist alles!

Wir sollten uns schleunigst von der Vorstellung befreien, dass es unbedingt nötig sei, dass möglichst viele Männer Röcke tragen. Nein, es genügt vollkommen, dass diejenigen, die das wirklich wollen, dass die es dann auch tun. Darauf kommt es an und nicht auf die Anzahl derjenigen, die es tun.

Viele Grüsse,
Ferdi


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