Re: Geschlechtsidentität

MAS, Tuesday, 05.03.2002, 16:14 (vor 8791 Tagen) @ Miguelito

Hallo Namensvetter,

Hallo!

diesen Satz habe ich irgendwie nicht verstanden: "Und wenn Frauen ihnen die männlichen kulturellen Spezifika, z.B. Hosen, streitig machen, mögen diese
das ger nicht, während es Frauen nichts ausmacht, wenn Männer
zu Röcken greifen, da sich Frauen nicht über den Rock definieren."
Könntest du das bitte etwas erklären. Ich dachte immer, dass sich Frauen recht freizügig aus dem Kleiderschrank der Männer bedienen können. Und das mache den Männern nichts aus. Den Frauen erst recht nicht.

Du gehts vom heutigen Status quo aus. Aber bis Frauen so weit waren, ganz selbstverständlich Hosen zu tragen, mußten sie viele, vor allem männliche Widerstände überwinden. Und immer noch gibt es Bereiche, in denen behoste Frauen ausgegrenzt werden.

Ich habe eine andere Theorie: Als männlich geltende Tätigkeiten werden von Frauen und auch von vielen Männern mit mehr Prestige bewertet. Frauen fühl(t)en unterpriviliert und tun dies zum Teil noch heute. Daher streben sie nach eben diesen Symbolen mit mehr Prestige. In der Arbeit und der Gesellschaft.
Das drücken sie auch durch die Kleidung aus. Sie empfinden Männerkleidung als passend. Im Übrigen, schau dir mal das an, was bei Frauen unter Businness-Outfit läuft. Grautöne, schlichte Schnitte, kaum Accessoires - genau wie ihre männlichen Kollegen. Dazu kommt, dass Frauen heute mehr Geld und mehr Aufstiegschancen im Beruf haben. Sich auch mehr leisten können.
Zitat:"Als die Frauen gleiche Rechte in Ausbildung, Beruf und Bezahlung verlangten, mussten sie beweisen, dass ihre Leistung ihren Forderungen entsprach. Um nicht aufzufallen, schlüpften sie in die Outfits ihrer Konkurrenten." (aus Eleonore Mueller Stindl; Mode Macher Märkte; Frankfurt am Main 1998)
Weibliche Tätigkeiten gelten als weniger imageträchtig, darum sind sich für das Gros der Männer auch nicht so attraktiv. Ebenso wenig die Kleidung mit der eher eine gesellschaftlich niedrigere Position verbunden ist.

Das widerspricht dem gar nicht, sondern ergänzt es.

Wenn die Gleichungen:
Frau = trägt Rock = steht in der Hierarchie niedriger
und
Mann = trägt Hose = steht in der Hierarchie höher
stimmt (in vielen Köpfen stimt sie so),
dann ist es verständlich, warum Frauen lieber Hsoen tragen wollen und Männer in Röcken begrüßen, da diese ja auf ihre Stufe "herunter" kommen, Männer aber hosentragende Frauen nicht mögen, da diese sich einen gesellschaftlichen Aufstieg anmaßen und eine neue Konkurrenz darstellen.

Fazit: Wir müssen an zwei Projekten arbeiten und zwei Doppelgleichungen für ungültig erklären, nämlich
1. Frau = Rock und Mann = Hose
aber auch
2. Frau = in der Hierarchie niedriger und Mann = in der Hierarchie höher.

Dann fällt auch die Gleichung:
Rock = in der Hiererachie niedriger und Hose = in der Hierarchie höher ganz von selbst.
Die letzt genannte Gleichung gilt leider slebt dort, wo Männer traditionellerweise Röcke tragen, in Südostasien:
Sarong = billiges einheimisches Kleidungsstück = in der Hiearchie niedriger
und
Hose = teures importiertes Kleidungsstück = in der Hierarchie höher.

Ich möchte den Slogan auf den neuen Misereor-Plakaten "Frieden is TATsache" hier anwenden. Tun wir was, und träumen nicht nur, denn auch Rocktragen ist TATsache!

MrG
Michael

Das dazu.
Viele Grüße
Miguelito


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