Der Blick von der anderen Seite des Zauns

B.J., Tuesday, 22.10.2002, 16:02 (vor 8565 Tagen) @ Ferdi

Hi Ferdi,

ich finde, dass die Aussagen hinter dem Link gar nicht so off-topic sind. Da schreibt eine Frau, dass es für sie selbstverständlich ist, sich der Männerbekleidung zu bedienen: Hemden, Westen, Hosen, Schuhe.

Das bringt mich wieder zurück zu dem, was ich schon mal weiter unten zum Thema Forumsinhalt geschrieben habe:

Hier gibt es eine Menge Leute, die im Rockforum offen posten, dass sie sich auf breiter Basis in der Damenabteilung bedienen. Sie machen im Prinzip das Gleiche, was die Frau hinter Deinem Link auch tut - nur eben "von der anderen Seite" des Zaunes aus.

Den Hinweis von Mark fand ich gut, dass sich das Forum ja mit Röcken und alternativer Herrenmode beschäftigt.

Aber wenn ich mir so manche Äußerungen im Forum anschaue, dann bin ich über einiges echt frustriert:

- Für viele Frauen ist es ganz normal, sich in der Herrenabteilung zu bedienen. Hier haben viele Rocker aber noch echte Probleme damit. Warum eigentlich?

- Immer wieder finden sich Rechtfertigungsversuche nach dem Motto: "Die machen das so, also mache ich es so..." Warum eigentlich? Wieso muss immer alles begründet werden?

- Halb wahnsinnig macht mich die Doppelmoral: "Wenn wir einen Link mit TV-Verdacht haben, dann könnten wir in die Schublade rutschen". Das erinnert mich daran, dass ich eine christliche Gemeinde kenne, in deren Gemeindehaus keinerlei Alkohol geduldet wird. Mit der Begründung: Es könnte sich ein anderer ein schlechtes Beispiel daran nehmen und süchtig werden.

Wenn man sich die sogenannten gesellschaftlichen Normen anschaut, dann werden Männer mit weiblicher Kleidung i.a. als TVs eingestuft. Punkt. (Interessanterweise kennt kaum einer die Umkehrung ;-)

Das heisst aber doch auch: Rockers, macht was Ihr wollt, für die meisten seid Ihr doch eh schon in der TV-Schublade, da Ihr mindestens ein als weiblich empfundenes Element (den Rock, die FSH) offen zur Schau tragt.

Setzen wir aber noch eines drauf: in etlichen Studien kann man nachlesen, dass viele Schwule sich ein betont männliches Erscheinungsbild und Auftreten geben, um nicht als solche erkannt zu werden. Nehmen wir das einfach mal als Fakt und völlig ohne Wertung hin.

Dann frage ich mich: was sollen diese krampfhaften "Distanzierungsversuche" nach dem Motto "mir kann im Rock / mit FSH nix passieren, weil ich ja einen Bart trage". Oder: "Ich trage ja 'nur' einen Rock und schminke mich nicht, da bin ich schon anders."

Leute, warum lebt Ihr nicht einfach Modefreiheit und baut statt dessen immer wieder neue Barrieren in Euren Köpfen auf? Die Frauen machen es doch vor? Steht dazu, dass Euch Klamotten aus der sog. Damenabteilung gefallen, aus welchen Gründen auch immer.

Wozu eine falsche Scheinheiligkeit aufbauen?

Seien wir mal ehrlich: Wieviel von den sogenannte Beweggründen und Argumenten für das Tragen "weiblicher" Kleidungsstücke (also Rock, FSH) sind:
- als Rechtfertigung gegenüber Dritten,
- als Rechtfertigung vor dem eigenen Gewissen?

Ich vermute, dass vieles in die zweite Kategorie fällt, auch wenn mancher es nicht wahrhaben will
Sorry für die Deutlichkeit, aber irgendwie ist mir in letzter Zeit bei manchen Postings die Hutschnur ziemlich hochgegangen.

B.J.


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