Re: Ich bin ein Mann im Rock. Basta. Ich auch!

Ferdi, Friday, 25.07.2003, 16:38 (vor 8291 Tagen) @ Frank

Hallo Frank!

Dein Beitrag (und was ich sonst von Dir hier lese) ist mir sympathisch.

Danke Dir. Das freut mich.

Doch meine Frage bleibt: ich als eindeutig heterosexueller Mann gebe doch im Tragen von Röcken nicht meine geschlechtliche Zuordnung auf, oder?

Keineswegs! Ich habe schon immer die These vertreten, dass der Mann (der Mensch überhaupt) das bleibt, was er immer war, egal was er für Kleidung trägt.

Die von Dir beschriebenen Freiräume, die ich mit grosser Lust erobere und geniesse, ändern doch nichts an meiner Position. Röcke anzuziehen ist für mich eine Frage von Lebensgefühl, von Befreiung von Konventionen und, und das ist mir als 51-jährigem Mann auch wichtig, von Infragestellen von dem, was ist, weil es so ist oder immer (?) schon war.

Vollkommen richtig, das gilt auch für mich. Die Freiräume zwischen den Geschlechtern sind ja da. Wir nutzen sie einfach. Die Konventionen, von denen wir uns befreit haben, sind die starren althergebrachten Geschlechterbilder, die Männern ein Verhalten aufzwingen, das wir nicht wollen.

"Metrosexuell" bedeutet für mich eine von aussen und damit gegen meinen Willen vorgenommenene Definition meiner geschlechtlichen Identität. Nehme ich ernst, dass Röcke keine genuine Weiberkleidung sind, so macht mich das Tragen selbiger auch nicht metrosexuell.

Also zunächst handelt es sich dabei nur um ein Modewort, das ein amerikanischer Journalist erfunden hat. Es wird auch keine geschlechtliche Identität damit definiert, sondern eine Verhaltensweise. Ich bin davon überzeugt dass dieses Wort eine Eintagsfliege ist und dass in einigen Monaten kein Mensch mehr darüber redet. Röcke sind in meinen Augen Unisexkleidung, genau wie Hosen, und wenn ein Mann einen Rock kauft und trägt, dann ist das die Kleidung eines Mannes und damit ein Männerrock. Es gibt Menschen, die sind da anderer Auffassung, aber das ist ihr gutes Recht. "Metrosexuell" beschreibt nach meiner Meinung Leute, die bereit und fähig sind, die von ihnen erwarteten geschlechtsbezogenen Verhaltens- und Erscheinungsweisen abzulegen und sie durch etwas Individuelles zu ersetzen. Das heisst nicht, dass sie ihr Geschlecht verleugen oder hassen. Das heisst nur, dass sie die an dieses Geschlecht von der Gesellschaft geknüpften Verhaltenserwartungen ignorieren und ihre ureigenen, individuellen Verhaltensweisen an ihre Stelle setzen und entsprechend leben. Aus diesem Grunde finde ich den Ausdruck auch nicht schädlich oder gar diskriminierend.

Schöne Grüsse,

Ferdi (im Jeansminirock noch am Arbeitsplatz)


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