Re: Verkäuferin in der Identitätskrise
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Schubladen-Denken... Nun ja, es ist ja so schön einfach: Kein Nachdenken-Müssen, was ja anspruchsvollere mentale Arbeit bedeuten würde! Was mich persönlich am meisten stört, ist jedoch, wenn dieses Denken zu Diskriminierungen jeglicher Art führt! Von mir aus sollen mich die Leute doch für schwul oder sonstwas halten; damit schätzen sie mich zwar völlig falsch ein, was ich schade finde (Das kommt denn halt vom Schubladen-Denken, ätsch!) - aber jedem seine Meinung...
Ich persönlich finde es ebenfalls nervig, wenn man ständig versucht, hinter meiner Kleidung irgendeine Absicht zu suchen. Ich ziehe halt einfach an, wonach mir gerade ist und worin ich mich wohlfühle; das dies oft nicht dem gewohnten Erscheinungsbild entspricht, mache ich mir nicht zum Vorwurf! Ich persönlich höre auch oft, dass man / frau anziehen soll, was einem beliebt - ja natürlich, aber bitte nicht auffallen! (*brechreizbekomm*) Das ist für mich widersprüchlich: Wenn ich nun mal das mag, was - momentan! - noch als auffällig gilt, und ich das wiederum nicht anziehen soll, dann scheint es Kleidungsfreiheit ja nicht wirklich zu geben! Aus diesem Wirrwarr sol einer schlau werden! Also das anziehen, was einem gefällt. Schluss. Punkt.
Was religiöse Gruppierungen angeht, so muss ich hier Folgendes loswerden:
ich hatte im April einer Predigt einer christlichen Gemeinde beigewohnt, welche ich - obwohl ich kein überzeugter Christ bin - sehr eindrucksvoll fand, weil sie richtig lebendig und nicht so langweilig wie die mir bekannten Kirchen-Predigten war.
Nachdem nun alles vorbei war, kam ich mit Christinnen ins Gespräch, denen mein Outfit auffiel (Ich trug zwar keinen Rock, dafür Seidenstrümpfe, flache, als "weiblich" eingestufte Schuhe sowie lange Ohrringe.) Was mich extrem störte, war, dass sie mir einzureden versuchten, was für ein großes Problem (Minderwertigkeitskomplex)ich doch haben müsste und dass ich doch sehr leiden müsste! Ich fragte darauf naiv-tuend: "Wie kommst du denn da drauf?" Christin: "Du fällst doch auf!" Ich: "Ich fühle mich aber wohl, so wie ich gerade angezogen bin!" Christin: "Aber es fällt doch auf!" - Nun ja, so ging das dann noch eine Zeit lang. Dass es Menschen gibt, die sich einfach nur so kleiden, wie sie es möchten - unabhängig von irgenwelchen Moden, Normen etc. (die ja sehr einengend sein können); schien sie nicht einsehen zu wollen.
Der Hammer aber war dieser Kommentar: "Lass Jesus in dein Herz, dann nimmst du auch die Ohrringe raus." - Was soll ich dazu sagen? Ich hätte am liebsten lauthals losgelacht; aber um des lieben Friedens willen habe ich es dann - leider - doch nicht getan!
Einige Tage später habe ich mich mit einer Religionsstudentin eingehender unter-halten und ihr von meinem obigen Erlebnis erzählt. Daraufhin hat sie nur mit dem Kopf geschüttelt und gemeint, dass Jesus in der Bibel mit keinem Wort gesagt hat, welchen Kleidungsstil Mann / Frau haben soll... und das es schon gar keine Sünde wäre, wenn Mann im Rock, in Feinstrümpfen usw. herumliefe; denn dann wären ja nahezu auch alle Frauen Sünderinnen, welche sich die früher als ausschließlich "maskulines" Kleidungsstück geltende Hose zu ihren alltäglichen Kleidungsgewohnheiten gemacht haben.
Die Studentin fand es überdies bedauerlich, dass Religionen so oft falsch oder nach sehr persönlichen (!) Vorstellungen ausgelegt werden, um dadurch sogar Diskrimierungen zu rechtfertigen (eben auch Kleidungsnormen rechtfertigen); dies wäre schade, weil dadurch Religionen, wie z. B. das Christentum, einen abschreckenden Beigeschmack bekommen...Gruß, Dirkkleid
Hi,
ich sprach auch ganz bewußt nicht von Kirchen. Mir ist schon klar, daß es dort Prägungen verschiedenster bauarten gibt, die (vielleicht) jede ihre berechtigung hat und deren Normen und Werte sehr unterschiedlich sein können, z.B. Jesusfreaks (www.jesusfreaks.de).
Wenn man vom Christentum spricht, kann man eigentlich nichts und alles sagen. Die Beziehung zu Jesus hat in erster Instanz zutiefst etwas mit Deiner persönlichen Beziehung zu tun und nichts mit Kirchen. Das ist ein Mißverständnis, was mir immer wieder begegnet.
Wenn die Bibel von Christsein spricht, so meint sie immer diese persönliche Beziehung; deshalb sage ich auch gerne im Zusammenhang mit solchen "menschlichen Schwächen und Beurteilungen", daß ich mich nicht vor Menschen zu rechtfertigen habe, sondern allein nur vor Gott
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