Im Rock auf der Arbeit

Collantix, Tuesday, 27.08.2002, 19:07 (vor 8617 Tagen)

Servus beinand,

ja, ich habe es endlich gestern gewagt. Nach drei Wochen Urlaub bin ich im Rock zur Arbeit.
Ich trug einen langen blauen Jeansrock, ein blaues Hemd, eine schwarze Lederweste und blaue Schuhe - ich habe mich für die dezente Variante entschieden.

Die Kinder (ich arbeite in einem Kindergarten) nahmen es teilweise - nach außen hin - nicht zur Kenntnis. Einige guckten etwas verduzt und stelleten Fragen ("Warum... ?), einer meinte, Röcke dürften nur Mamas tragen. Na ja, also nix, was man nicht lösen könnte.
Eine meiner Kolleginnen meinte, ob das so gut sei, als sie mich erblickte. Das sei mir wurscht, meinte ich.

Einige Mütter sprachen mich auch darauf an, aber nicht negativ ("Ungewohnt" ,"Nicht schlecht").

Doch heute stürmte die Elternbeiratsvorsitzende (die mich nicht im Rock sah, weil ihr Kind gestern nicht da war) mittags auf mich zu, ob ich denn eine Minute unter vier Augen für sie Zeit hätte.
Ich dachte, es ginge um den alltäglichen Ärger, der uns im Kindergarten beschäftigt, aber weit gefehlt.

"Du hast doch gestern einen Rock angehabt, oder?" Ich bejahte dies und kapierte zunächst immer noch nicht.
Einige Mütter haben sich aufs Massivste bei hr beschwert, weil ich einen Rock anhatte.
Ich wurde daraufhin ziemlich sauer, aber nicht weil die Mütter sich darüber beklagten, sondern weil sie das gespräch nicht mit mir suchten.
Der Elternbeiratsvorsitzenden ist es nach eigenen Angaben wurscht (das nehme ich ihr auch so ab).
Nein Einigen paßt es überhaupt nicht, weil ich u.a eine öffentlche Person in der Gemeinde (ich leite den Kindergarten) sei, und wir hätten schon genug Probleme (das ist in der Tat so, deswegen schaffen die Mütter sich noch ein Problem).
Natürlich sagte ich ihr auch, daß ich keiner Frau das Recht abspräche, Hosen zu tragenLetztlich legte man mir nahe, doch keinen Rock mehr anzuziehen.
Ich war mittlerweile innerlich auf 180 und erklärte ihr, daß das ein ziemlicher Eingriff in meine Persönlichkeitsrechte sei, und ich nicht bereit sei, darauf einzugehen.
Außerdem sollten diese 3 Mütter das persönliche Gespräch mit mir suchen, weil es doch ziemlich feige sei, mal eben den Elternbeirat vorzuschicken. Dem konnte sie nicht großartig widersprechen, aber sie muß darauf reagieren (das ist leider in der Tat so...).
Das einzige Argument, auf das ich mich (im nachhinein) fälschlicherweise einließ, war, daß es mommentan andere Probleme zu lösen gelte.
Daß ich mich darauf eingelassen habe, ärgert mich dann doch ziemlich, und ich binn mittlerweile nicht gewillt, diese Sache auf sich beruhen zu lassen.

Das war das erste Mal, daß ich so eine negative Rückmeldung auf mein Äußeres bekommen habe.

Was tun?

Gruß

Collantix,
der nicht nur deswegen einen ziemlichen Zorn vor sich herschiebt (aber doch größtenteils wegen der Arbeit) und deswegen viel Zuspruch braucht.


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