Re: Freiwillige vor!
Hallo Emma,
vielen Dank für Deine Ausführungen. Du hast Dir ja ein ähnliches Studienthema ausgesucht wie seinerzeit SIRe und Solveig, die beide auch hier gepostet haben, und denen wir die gewünschen Informationen gaben.
Ich werde jetzt einen Katalog von Bildern von mir zusammenstellen und Dir zusammen mit erklärenden Texten per e-Mail zukommen lassen. Deine Ansichten über die Benachteiligung von Männern bei der Bekleidung finde ich super und ich bin genau derselben Meinung. Allerdings werden die Männer von niemandem benachteiligt, denn das Recht, zu tragen was sie wollen, haben sie - wie die Frauen - ja auch. Sie benachteiligen sich aber selber, indem sie einfach Röcke als Kleidungsstücke für sich selbst kaum in Anspruch nehmen. Das liegt an der Selbstblockade in den Köpfen der Männer und diese ist die Folge jahrhundertelanger falscher Sozialisation und die Auswirkung des "Schubladendenkens" in der sogenannten "Gesellschaft". Dieses Schubladendenken ordnet röcketragende Männer automatisch ohne weitere Hinterfragung in die Kategorien: schwul, weibisch, Weicheier, Transvestiten, Crossdresser, Tunten, Transsexuelle und dergleichen ein. Davor haben die meisten Männer Angst. Diese Angst halte ich für unbegründet und ich habe sie auch nicht. Denn ich weiss, dass das alles nicht stimmt und ich lasse mich auch von diesem Schubladendenken nicht davon abhalten, das zu tragen, was ich will. Dabei habe ich die Feststellung gemacht, dass die Öffentlichkeit ganz anders reagiert als aufgrund besagten Schubladendenkens zu befürchten ist. Die Reaktionen sind weitaus überwiegend positiv, ganz besonders bei Frauen. Männer verhalten sich zurückhaltender, man spürt, dass sie angesichts eines rocktragenden Geschlechtsgenossen Probleme haben, damit umzugehen. Viele sehen das als einen Angriff auf den "männlichen Gesellschaftsstatus". Was mich immer richtig in Rage bringt ist die Tatsache, dass hosentragende Frauen diesen Schubladen-Denkweisen überhaupt nicht ausgesetzt sind. Darin sehe ich eine Benachteiligung auf Grund des Geschlechts, das ich mir ja nicht aussuchen konnte und die auch grundgesetzlich nicht zulässig ist (Art.3 Abs.3 GG).
Um als Mann seine legitimen Rechte auch wahrzunehmen und auch Röcke zu tragen, braucht es aus obigen Gründen eine gehörige Portion Selbstbewusstsein und eine gewisse Dickhäutigkeit gegenüber abwertenden Äusserungen der beschriebenen Art. Damit bin ich zum Glück in reichlichem Masse ausgestattet. Allerdings kann man sich das auch antrainieren, und auf diese Weise haben auch schon viele anfangs zaghafte Männer zum Rock gefunden. Belohnt wird man - so habe ich es persönlich jedenfalls empfunden - durch die Eröffnung völlig neuer, bislang noch nie erfahrener Dimensionen von Lebensqualität. Ich fühle mich, seitdem ich ausschliesslich nur noch Röcke trage (Hosen nur noch bei der Arbeit, aus praktischen Gründen), richtig frei, unabhängig, emanzipiert, und ich geniesse gerne die Aufmerksamkeit, die mir entgegengebracht wird, da diese in nahezu allen Fällen als Zustimmung geäussert wird. Seltene negative oder abwertende Äusserungen kann ich souverän und locker wegstecken, ohne dass sie meine positive Stimmung, meine Gefühle und meine gute Laune beeinträchtigen.
Auf meiner Homepage findest Du einige Texte zum Thema, die Du gerne unter Quellenangabe auswerten kannst. Vielleicht kannst Du das eine oder andere gebrauchen. Näheres zu meinem persönlichen Weg in die Röcke lasse ich Dir zusammen mit Bildern per e-Mail in den nächsten Tagen zukommen.
Ich sehe Deine Arbeit und die geplante Ausstellung als eine gute Möglichkeit, für den Mann im Rock zu werben und wünsche Dir viel Erfolg dabei.
Gruss,
Ferdi