Re: Freiwillige vor!
Hallo!
Ich arbeite gerade an einem ästhetisch-didaktischen Erfahrungsprojekt zum Thema Männer in Röcken und suche freiwillige Männer, die mir (meinetwegen auch anonym) Fotos von sich im Rock schicken und/oder mir erzählen, warum sie Röcke tragen, wie sie dazu gekommen sind und wie sie sich in Röcken fühlen! Bin durch Zufall auf dieses Forum gestoßen und würde mich freuen, wenn jemand Lust hat, mich zu unterstützen!!!
Bis dann, Emma
Hallo Emma,
direkt vorweg: mangels geeigneten Fotomaterials und auch geeigneter Ausstattung kann ich Dir zur Zeit keine entsprechenden Bilder zur Verfügung stellen. Auch muß ich mich Ferdi's Aussage anschließen, daß dazu ein gewisses Vertrauen gehört, das ich so blind nach meinen Erfahrungen im Internet niemandem schenke! Dennoch, warum und wie ich zum Rock kam kann ich Dir gerne schreiben, und auch warum ich ihn weiterhin trage(n werde).
Zuerst einmal zur Person: ich bin 36 Jahre, 180 cm groß, und habe eine normal schlanke Figur. Seit 12 Jahren bin ich mit meiner Frau zusammen, seit 5 Jahren verheiratet, und das erste Kind kommt (hoffentlich) im September.
Da meine Eltern beide Schneider gelernt hatten und zu Hause auch eine kleine Schneiderei betrieben, hatte ich schon von dieser Seite einen engen Bezug zur Bekleidung. Modenschauen haben mich seit jeher interessiert. Gehört von Herrenröcken habe ich zwar schon durch die ersten Vorstöße Gaultier's in den 70ern, aber diese damals noch nicht ernst genommen - obwohl, gereizt hatte mich die Idee einmal einen Rock zu probieren schon!
Aber erst nachdem zu Anfang des Jahres 2000 sowohl Andreas Türck als auch Thomas Gottschalk in ihrer Sendung mit Rock auftraten, dachte ich mir "Was die können, kannst Du auch!". Also ab in die Geschäfte zur Suche nach einem entsprechenden Stück, gesehen, gefallen, gekauft. Gedacht hatte ich mir diesen Rock, einen langen schwarzen von Freeman T. Porter, als etwas flippiges Outfit für die Disco oder ähnliche Gelegenheiten. Beim Tragen ist mir dann allerdings aufgefallen, wie angenehm dieses Kleidungsstück ist, und daraus entstand dann die Frage, warum nur für die Disco?
Vom Tragekomfort hat der Rock für den Mann eindeutige Vorteile, lediglich bei praktischen Aspekten kann die Hose hier und da sich in den Vordergrund drängen. Mittlerweile trage ich daher in meiner Freizeit überwiegend Rock. Meine hier und da gemachten Äußerungen wie "Hosen für den Mann sind Fehlkostruktionen: Die haben alle nur zwei Beine, ich jedoch 3! Wohin damit in der Hose?" oder "Wem das 3. Bein fehlt (Frauen), kann Hosen tragen" klingen zwar vielleicht scherzhaft, sind aber meiner Meinung nach durchaus ernst zu nehmen. Dazu gesellt sich der Aspekt des besseren Klimaausgleichs im Rock: mit Rock komme ich im Schritt einfach nicht so (unangenehm) ins Schwitzen.
Zur Optik und damit zu meinem subjektiven Geschmack: Natürlich war auch für mich mein Spiegelbild zu Anfang sehr ungewohnt. Allerdings bin ich offen für Neues und habe mir damit einhergehend die Frage gestellt "ungewohnt und schlecht oder ungewohnt und gut?". Diese Frage konnte ich für mich eindeutig mit der zweiten Variante beantworten. Offensichtlich nicht nur ich selbst, denn Menschen (überwiegend Frauen) die offen für Mode sind äußern sich durchweg positiv. Negative Äußerungen will ich zwar nicht verschweigen, diese gehen jedoch nicht gegen das Erscheinungsbild als solches, sondern ganz eindeutig gegen die Tatsache "Mann im Rock", und gründen fast ausnahmslos darin, daß der geistige Horizont dieser Mitmenschen nicht über die sexuelle Ebene hinausgeht. (Meine Aussage: Du denkst wohl nicht weiter als Dein Schwanz lang ist; und das kann nicht viel sein, sonst würde er nicht in DIE Hose passen!)
Mein Fazit aus diesen Fakten: Ich fühle mich wohl im Rock und ich gefalle mir im Rock. Da die positiven Reaktionen eindeutig überwiegen und diese zudem noch von den Menschen kommen, die mir "wertvoller" erscheinen (schlechtes Wort, ich weiß, aber mir fällt gerade nichts passenderes ein), sehe ich mich in meiner Meinung auch bestätigt.
Ich wünsche mir für die Zukunft, daß die Männer etwas weniger verklemmt und voreingenommen sind. Bestimmt will ich niemanden in den Rock zwingen! Aber erst dann, wenn jeder Mann seine Erfahrungen mit Rock gesammelt hat, kann auch jeder für sich die Entscheidung Hose oder Rock halbwegs neutral treffen.
Gruß
JürgenB