Wer ist das "starke" Geschlecht?

Ferdi, Friday, 18.02.2000, 09:11 (vor 9531 Tagen)

Hallo zusammen, folgendes fand ich im Strumpfhosenforum:

Frau kann das, sie kann Mode personalisieren, weil sie Selbstsicher ist.
Da ist die modische Freiheit der Frau Fakt, denn außerhalb jedes Perversions-Verdachts genießt sie alle Freiheiten und Stile.
Der Mann personalisiert gar nichts, noch nicht einmal seine eigene Erscheinung.
Das männliche Individuum ist verklemmter Winzig-Teil der Massenerscheinung „Mann", nur dann Selbstbewusst, wenn er den Macho spielen kann. Eine Rolle, die er so lange geprobt hat, bis er sie primitiv aber sicher beherrscht..

Diese Sätze stammen von teka. Er beschreibt damit einen für uns Männer beschämenden Zustand, der schleunigst geändert werden sollte. Angesichts dieser Sätze muss man sich doch wirklich fragen, wer das "starke" Geschlecht repräsentiert.
Ich weiss, dass diese Sätze auf etliche von uns zum Glück nicht zutreffen, aber wir sind immer noch (leider) eine verschwindend geringe Minderheit. Es gibt viel zu tun, packen wir`s an!

Gruss Ferdi

Re: Wer ist das "starke" Geschlecht?

Klaus K., Friday, 18.02.2000, 18:03 (vor 9531 Tagen) @ Ferdi

Hallo zusammen, folgendes fand ich im Strumpfhosenforum:
Frau kann das, sie kann Mode personalisieren, weil sie Selbstsicher ist.
Da ist die modische Freiheit der Frau Fakt, denn außerhalb jedes Perversions-Verdachts genießt sie alle Freiheiten und Stile.
Der Mann personalisiert gar nichts, noch nicht einmal seine eigene Erscheinung.
Das männliche Individuum ist verklemmter Winzig-Teil der Massenerscheinung „Mann", nur dann Selbstbewusst, wenn er den Macho spielen kann. Eine Rolle, die er so lange geprobt hat, bis er sie primitiv aber sicher beherrscht..

Diese Sätze stammen von teka. Er beschreibt damit einen für uns Männer beschämenden Zustand, der schleunigst geändert werden sollte. Angesichts dieser Sätze muss man sich doch wirklich fragen, wer das "starke" Geschlecht repräsentiert.
Ich weiss, dass diese Sätze auf etliche von uns zum Glück nicht zutreffen, aber wir sind immer noch (leider) eine verschwindend geringe Minderheit. Es gibt viel zu tun, packen wir`s an!
Gruss Ferdi

Hallo Ferdi !

deine letzten zwei Sätze muß ich leider korriegieren.
Sie sollten oder müßen wohl heißen:

Es gibt viele Röcke. Ziehen wir sie an.

Ansonsten müßten wir an deiner Selbstsicherheit zweifeln :-))

" Rockin all over the World "

Gruß Klaus

Nun mal langsam!

Ferdi, Friday, 18.02.2000, 21:29 (vor 9531 Tagen) @ Klaus K.

Hallo Klaus!

>>Ich weiss, dass diese Sätze auf etliche von uns zum Glück nicht zutreffen,

Da zähle ich mich doch zu, oder bezweifelst Du das?

Es gibt viel zu tun, packen wir`s an!

Das soll bedeuten, dass es noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten gibt. Röcke tragen ist für mich selbstverständlich, da braucht MICH keiner zu auffordern!

Ansonsten müßten wir an deiner Selbstsicherheit zweifeln

Jetzt bin ich aber enttäuscht von Dir! Aber letztlich kann jeder das glauben, was er für richtig hält. Ist auch egal. Ich weiss es besser.

Gruss,
Ferdi

So einfach ist es nun auch wieder nicht!

SIRe, Friday, 18.02.2000, 20:11 (vor 9531 Tagen) @ Ferdi

Hallo Ihr Lieben!

Frau kann das, sie kann Mode personalisieren, weil sie Selbstsicher ist.
Da ist die modische Freiheit der Frau Fakt, denn außerhalb jedes Perversions-Verdachts genießt sie alle Freiheiten und Stile.
Der Mann personalisiert gar nichts, noch nicht einmal seine eigene Erscheinung.
Das männliche Individuum ist verklemmter Winzig-Teil der Massenerscheinung „Mann", nur dann Selbstbewusst, wenn er den Macho spielen kann. Eine Rolle, die er so lange geprobt hat, bis er sie primitiv aber sicher beherrscht..

Also, ich kann das nicht so unkommentiert stehen lassen. Dieser Beitrag klassifiziert meiner Meinung nach viel zu sehr in schwarz und weiß. Aber so einfach ist es nicht.

Die Frau als selbstbewußtes, modisches Individuum - da sträuben sich mir die Nackenhaare, denn ich kann davon nicht viel entdecken. Sicher, der männliche Kleiderschrank offenbart weitaus weniger Möglichkeiten als der weibliche. Aber wenn man mal genau hinschaut: Auch die Frauen unterliegen einem engen Zwang - ich habe eben nicht alle Freiheiten, denn wenn ich als Lehrerin mit einem Minirock in die Schule gehe... Ich denke, Ihr könnt euch vorstellen, was da los ist.

Schaut euch doch mal die Frauen an - welche hat denn wirklich einen ganz eigenen, nicht zu verwechselnden Stil??? Das ist doch auch eine Ausnahme, genauso wie ihr mit euren Röcken. Alle tragen sie im Büro Kostüme, unauffällige Jeans, unauffällige Schuhe, einen schlichten Pullover ohne viel Schnickschnack. Das soll Freiheit und Selbstbewußtsein sein? Darüber kann ich leider nur traurig den Kopf schütteln. Der auf den ersten Blick soooo große Unterschied zwischen Frauen und Männern in Bezug auf ihre Kleidungsmöglichkeiten ist bei genauer Betrachtung nämlich so groß nun auch wieder nicht.

Nun zu der Behauptung, der Mann sei in der Regel nur ein "verklemmter Winzig-Teil der Massenerscheinung „Mann", nur dann Selbstbewusst, wenn er den Macho spielen kann."

Das ist doch eine Position, von der ihr alle, die ihr den Mut habt, Röcke zu tragen, weg wollt. Ihr wollt nicht aufgrund eurer Kleidung sofort in eine Schublade gesteckt werden, sondern als Individuum wahrgenommen werden. (Wobei ich natürlich nicht abstreiten kann, dass die Kleidung dabei auch eine Rolle spielt.)

Ich kenne durchaus Männer, die wenig Wert auf ihre Freiheit in der Wahl der Kleidung legen, auf den ersten Blick also "farblos" erscheinen. Aber sie sind es nicht. Sie sind auch keine Machos, die so Selbstbewußtsein vortäuschen wollen. Es sind ganz prima Menschen, die sich aber nun mal nicht viel aus Kleidung machen, aber ansonsten vor Selbstbewußtsein strotzen - dies allerdings nicht nur Machogehabe zur Schau tragen.


Angesichts dieser Sätze muss man sich doch wirklich fragen, wer das "starke" Geschlecht repräsentiert.

Aber Ferdi, so ganz unrecht hast du mit dieser Aussage nun auch wieder nicht. Allerdings sehe ich die Stärke nicht unbedingt im Bereich der Mode.

Gruß

SIRe

Re: So einfach ist es nun auch wieder nicht!

Milain, Saturday, 19.02.2000, 01:20 (vor 9531 Tagen) @ SIRe

Hallo SIRe,

Auch die Frauen unterliegen einem engen Zwang - ich habe eben nicht alle Freiheiten, denn wenn ich als Lehrerin mit einem Minirock in die Schule gehe... Ich denke, Ihr könnt euch vorstellen, was da los ist.

Natürlich hast Du recht, dass es auch Konventionen für Damenbekleidung gibt, deren Bruch Reaktionen verursacht.
Nur, und das ist der entscheidende Unterschied: Die Wahl der Bekleidung wird bei Frauen irgendwo im Bereich zwischen ungeschickt und ausgeflippt empfunden, niemals wird, wie es bei Männern schon durch einen leichten Verstoss gegen die Norm möglich ist, die Person als in irgendeiner Form abartig angesehen.
Das ist es meiner Ansicht nach auch, was es Männern deutlich schwerer macht sich zu unüblichen Kleidungsstücken durchzuringen.

Milain

Re: So einfach ist es nun auch wieder nicht!

SIRe, Saturday, 19.02.2000, 10:07 (vor 9530 Tagen) @ Milain

Hallo Milain!

Natürlich hast Du recht, dass es auch Konventionen für Damenbekleidung gibt, deren Bruch Reaktionen verursacht.

Nicht nur Reaktionen, sondern auch Sanktionen. Es ist wirklich nur scheinbar so, dass frau viele Freiheiten hat. Du glaubst gar nicht, wie komisch viele Leute gucken, wenn ich nur eine etwas schrillere Farbe trage. Die Konventionen sind enger als viele Männer vermuten.

Nur, und das ist der entscheidende Unterschied: Die Wahl der Bekleidung wird bei Frauen irgendwo im Bereich zwischen ungeschickt und ausgeflippt empfunden, niemals wird, wie es bei Männern schon durch einen leichten Verstoss gegen die Norm möglich ist, die Person als in irgendeiner Form abartig angesehen.

Natürlich hast du schon irgendwie recht, aber auch als Frau wird man irgendwie als komisch (wenn auch nicht "abartig") angesehen.

Um es noch einmal deutlich zu machen: Mir ist natürlich bewusst, dass ein Mann im Rock wesentlich mehr gegen Konventionen verstößt als eine Lehrerin im Mini. Dennoch möchte ich darauf hinweisen, dass es auch für Frauen solche Situationen gibt, die durchaus vergleichbar sind. Wenn auch nicht ganz so heftig. Aber ein Mann im Rock ist nicht der einzige, der sich mit den scheiß Konventionen auseinandersetzen muss.

SIRe

Re: So einfach ist es nun auch wieder nicht!

MAS, Saturday, 19.02.2000, 11:36 (vor 9530 Tagen) @ SIRe

Hallo Silke, hallo Männer

könnte der Unterschied Konventionsbruchtoleranzschwelle vielleicht darin liegen, daß männliche Kleidung oft die Funktion der Statusrepräsentanz hat? Ein dunkler Anzug (von dem meine Frau sagt, daß so einer sexy auf sie wirke) zeigt den Mann als Kämpfer. Und tatsächlich befinden wir uns in einer Wettbewerbsgesellschaft, in der jeder Wettbewerber ständig den eigenen Status verteidigen oder die Machtsphäre ausbauen muß. Frauen, die da mitmachen und in die männlichen Machtdomänen in Wirtschaft und Politik einsteigen wollen, passen sich da an. Bunte Farben wirken zu fröhlich für die Machtkämpfe (im Barock war das anders, da galt: je bunter desto mächtiger).
Da diese Machtkämpfe aber normalerweise mehr von Männern gefochten werden, sind Frauen oft in die Position des schmückenden Anhängsels dekradiert. Männer kämpfen in dunklen Anzügen und zeigen stolz ihre Eroberungen: die neue erworbene Firma, die Aktien, die Wählerstimmen und das schmucke Weibchen im hübschen Kleidchen. Während Frauen schön sein wollen, wollen Männer seriös wirken. Beide Geschlechter müssen sich da den Wettbewerbsspielregeln anpassen, wenn sie in ihren Kreisen anerkannt werden wollen.
Wir Männer in Röcken sind dagegen eher Freigeister. Ein Mann im Rock symbolisiert einen anderen Status, nämlich den des fröhlichen Freidenkers. Das ist vielleicht ein Unterschied zu den Frauen, die vor einigen Jahrzehnten anfingen, Hosen zu tragen. Sie wollten sich eher den Einstieg in die Wettbewerbswelt ermöglichen, wir uns eher den Ausstieg aus selbiger. Es ist also ein bißchen wie bei den Hippies. Bei Frauen und Männern es eines gleich: ist die öffentliche Meinung ihr Maßstab, müssen sie sich anpassen, ist ihr eigener Geschmack und ihre eigene Wertvorstellung ihr Maßstab, können und wollen sie eigene Akzente setzen. Es ist also die Frage, ob man in einer vorgegebenen Hierarchie nach oben kommen möchte oder sich von dieser Vorgabe unabhängig machen möchte. Das sind zwei Idealtypen, und irgendwo dazwischen bewegen sich die meisten von uns.

Ich möchte diese Gedanken mal zur Diskussion stellen und bin auch (nicht nur!) besonders an Frauenmeinungen dazu interessiert.

Gott zum Gruß,

Michael

<ul><li>mein Arbeitsplatz</ul>

Re: Bingo

Marc, Saturday, 19.02.2000, 13:19 (vor 9530 Tagen) @ MAS

Hallo MAS,

ich denke, Du hast den Nagel ziemlich auf den Kopf getroffen. Die "Erfolgswelt"
ist nach wie vor eine fast reine Männerwelt in unserem Land, und die Frauen,
die da eindringen können, passen sich den Männern an, sowohl im Äußeren
("Business Look" = Hosenanzüge in schlichten Farben) als auch im Verhalten.

Ein dunkler Anzug (von dem meine Frau sagt, daß so einer sexy auf sie wirke)
zeigt den Mann als Kämpfer.

Wie in dieser Werbung für die Wirtschaftswoche... ("Was Kämpfer tragen" und
darunter zwei Tarnanzug-Stoffmuster und ein Nadelstreifen-Stoffmuster)

Bunte Farben wirken zu fröhlich für die Machtkämpfe

Ich würde sogar sagen: zu unseriös. Wer heutzutage eine Sache, ein Produkt,
eine Firma (re-)präsentieren möchte (oder muß), muß selbst in den Hintergrund
treten, daher uniformartige Kleidung in gedeckten Farben. Anscheinend können
viele Leute immer noch nicht zwischen dem Äußeren eines Menschen und den
Inhalten, die er vermittelt, trennen. Traurig.

Da diese Machtkämpfe aber normalerweise mehr von Männern gefochten werden,
sind Frauen oft in die Position des schmückenden Anhängsels dekradiert.
Männer kämpfen in dunklen Anzügen und zeigen stolz ihre Eroberungen: die neue
erworbene Firma, die Aktien, die Wählerstimmen und das schmucke Weibchen im
hübschen Kleidchen.

Ganz genauso läuft´s. Eins meiner Lieblingsbücher, Mythos Schönheit von Naomi
Wolf, behandelt dieses Thema auch, zumindest am Rande.

Wir Männer in Röcken sind dagegen eher Freigeister. Ein Mann im Rock
symbolisiert einen anderen Status, nämlich den des fröhlichen Freidenkers.
Das ist vielleicht ein Unterschied zu den Frauen, die vor einigen Jahrzehnten
anfingen, Hosen zu tragen. Sie wollten sich eher den Einstieg in die
Wettbewerbswelt ermöglichen, wir uns eher den Ausstieg aus selbiger.

Jein. Es ist, glaube ich, weniger ein Ausstieg als vielmehr ein Versuch, die
starren Regeln etwas aufzuweichen. Durch das aktiv vorgelebte Beispiel zeigen,
daß die Regeln eigentlich unsinnig sind.

Zumindest sehe ich das so. Gut, ich bin auf Karriere nicht scharf, auch nicht
auf Führungspositionen, noch nicht mal Projektleitung. Aber ich habe Know-How
und mache gute Arbeit, egal was ich anhabe. Nein, eigentlich ist es so: ich
arbeite effizienter und produktiver, wenn ich etwas tragen kann, worin ich mich
wohlfühle.

Gruß,

Marc


<ul><li>Marc's Homepage</ul>

Re: Bingo

MAS, Sunday, 20.02.2000, 14:58 (vor 9529 Tagen) @ Marc

Hallo Leute,

ich finde beide Texte von Micha und Marc sehr gut.

Ohne jetzt auf Einzelheiten einzugehen, möchte ich nur noch sagen, daß ich auch eingentlich kein Aussteiger bin, sondern sogar noch auf ein wenig Karriere in der Religionswissenschaft hoffe und auch sehr viel öffentlich arbeite mit Menschen aus verschiedenen Religionen, Kulturen usw.. In diesem beruflichen Rahmen bevorzuge ich auch noch (!) die Hosen. Aber es ist auch bei mir so, daß meine Arbeitsleistung größer ist, wenn ich mich körperlich wohlfühle. Deshalb trage ich prinzpiell keine Krawatten, da ich einen freien Hals brauche. Meine Frau kann auch besser arbeiten, wenn es nirgendwo kneift, egal ob in Hose oder Rock. Kurze enge Röcke sind ihr da eher unangenehm.

Im Bonner Genaralanzeiger stand letzte Woche ein Artikel über eine Bundestagsabgeordnete, die 1970 in einem Hosenanzug im Bundestag eine Rede hielt und dafür von konservativen Männern sehr angegriffen und beleidigt wurde. Das war lange, bevor die Grünen etwas Farbe in den Bundestag brachten.

Noch was zum Ausstieg: Ich bin kein Kämpfer. D.h. ich strenge mich schon an, gute Arbeit zu leisten und kämpfe für Ideale wie z.B. den interreligiösen Dialog oder die Freiheit in Kleidungsfragen. Nur wehre ich mich dagegen, in Mitmenschen zuerst Konkurrenten zu sehen. So würde ich schon gerne aus Wettbewerbssituationen aussteigen, solange sie nach diesen menschenverachtenden neoliberalen Spielregelen ablaufen. Aber noch lieber, als da auszusteigen, würde ich die Spielregeln ändern!!!

So, jetzt wollen wir noch was spazieren gehen und nachher muß ich noch was für meine Magisterarbeit tun.

Servus!

Michael.

<ul><li>eine freigeistige Studentenzeitschrift</ul>

Lebensfreude

Ferdi, Sunday, 20.02.2000, 22:49 (vor 9529 Tagen) @ MAS

Hallo zusammen,

von Hannover wieder zuhause angekommen nehme ich diese sehr interessante Diskussion zur Kenntnis.
Ohne jetzt auf einzelne Äusserungen detailliert einzugehen möchte ich sagen: Irgendwie hat jeder, der sich hier geäussert hat, in dem einen oder anderen Punkt recht.

Was aber garnicht erwähnt wurde, und was ich für so wichtig erachte, ist Lebensfreude und Lebensqualität. Mir vermittelt das Tragen von Röcken Lebensqualität, die ich geniesse, und auf die ich nicht verzichten möchte. Es ist eine richtige Leidenschaft geworden, die mir Freude macht. Das tut mir mehr gut als alle Anpasserei und Fassadenmalerei nach aussen, davon habe ich nichts.
Und deshalb frage ich auch niemanden, ich lebe meine Leidenschaft einfach aus und lasse mich nicht daran hindern. Denn "Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps", und wenn "Schnaps" angesagt ist, bestimme ich ganz alleine, was ich tue.

Ich betone ausdrücklich, dass das meine ganz persönliche Meinung ist.

Viele Grüsse,
Ferdi

Re: Lebensfreude

Wolfgang, Sunday, 20.02.2000, 23:20 (vor 9529 Tagen) @ Ferdi

Was aber garnicht erwähnt wurde, und was ich für so wichtig erachte, ist Lebensfreude und Lebensqualität. Mir vermittelt das Tragen von Röcken Lebensqualität, die ich geniesse, und auf die ich nicht verzichten möchte. Es ist eine richtige Leidenschaft geworden, die mir Freude macht. Das tut mir mehr gut als alle Anpasserei und Fassadenmalerei nach aussen, davon habe ich nichts.
Und deshalb frage ich auch niemanden, ich lebe meine Leidenschaft einfach aus und lasse mich nicht daran hindern. Denn "Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps", und wenn "Schnaps" angesagt ist, bestimme ich ganz alleine, was ich tue.
Ich betone ausdrücklich, dass das meine ganz persönliche Meinung ist.
Viele Grüsse,
Ferdi

Richtig, Ferdi,

das ist auch das, was andere schon in anderem Zusammenhang erwähnt haben:

Man fühlt sich wohl. Und wer sich wohlfühlt ist ein besserer Mensch, privat wie auch im Dienst. Deshalb kann es nur förderlich sein, wenn man sich selbst ein wenig wichtiger nimmt. Denn was haben die anderen davon, wenn Du mißmutig Deine Arbeit tust? Je mehr Freude Du an Dir hast, desto bessere Arbeit bist Du auch imstande zu leisten ("Du" ist allgemein gemeint).

Dies gilt in allen Lebensbereichen. Mag sein, daß die Karrierehürde mit dem Makel "Rock" für einen Mann derzeit noch schwerer zu nehmen ist, doch sollten wir daran arbeiten, dies ein klein wenig zu ändern. Das Ziel sollte sein, es TROTZDEM zu schaffen.

Auf dem Weg hin zu diesem Ziel ist der private, der Freizeitbereich. Trägt niemand Rock in der Freizeit, wird es auch keine Röcke bei der Arbeit geben.

Aber wir sind dabei, das ansatzweise zu ändern - und das nicht nur in der "Subkultur" dieses Forums - und es wird sich ändern. Vielleicht sogar schneller als wir alle denken.

Gruß,
Wolfgang

Re: Lebensfreude

Marc, Monday, 21.02.2000, 15:28 (vor 9528 Tagen) @ Wolfgang

Hallo Wolfgang,

Man fühlt sich wohl. Und wer sich wohlfühlt ist ein besserer Mensch, privat
wie auch im Dienst. Deshalb kann es nur förderlich sein, wenn man sich selbst
ein wenig wichtiger nimmt. Denn was haben die anderen davon, wenn Du mißmutig
Deine Arbeit tust? Je mehr Freude Du an Dir hast, desto bessere Arbeit bist
Du auch imstande zu leisten ("Du" ist allgemein gemeint).

Ganz genau so sehe ich das auch. Wohlgefühl bringt generell Lebensqualität
und ausserdem auch noch Motivation, Energie, Kreativität.

Dies gilt in allen Lebensbereichen. Mag sein, daß die Karrierehürde mit dem
"Makel" Rock für einen Mann derzeit noch schwerer zu nehmen ist, doch sollten
wir daran arbeiten, dies ein klein wenig zu ändern. Das Ziel sollte sein, es
TROTZDEM zu schaffen.

Sehe ich auch so. (Ich habe die Anführungsstriche um ein Wort verschoben,
Ferdi hat nämlich recht - der Rock ist kein Makel, deswegen gehört der Makel
in Anführungsstriche und nicht der Rock.)

Viele Grüsse,

Marc

Re: So einfach ist es nun auch wieder nicht!

teka, Monday, 21.02.2000, 09:03 (vor 9528 Tagen) @ SIRe

Hallo Silke,

etwas ungewöhnlich, dass ich mich hier auf fremden Terrain in die Diskussionen einmische, da ich kein Rockträger bin, aber in diesem Fall geht es um einen adoptierten Beitrag von mir und da glaube ich, etwas dazu beitragen zu können.

Dieser Beitrag klassifiziert meiner Meinung nach viel zu sehr in schwarz und weiß. Aber so einfach ist es nicht.

Richtig, ganz so einfach ist das natürlich nicht. Das Schwarz-Weiss Muster kommt aber vor allem dadurch, das es sich hier nur um einen kleinen Ausschnitt handelt. Es ist das, zugegeben etwas scharf formulierte, Ergebnis intensiver Beobachtungen der Geschlechtsgenossen im Hinblick auf Ihrer eigene Darstellung.

Die Frau als selbstbewusstes, modisches Individuum - da sträuben sich mir die Nackenhaare, denn ich kann davon nicht viel entdecken.

Diese "Behauptung" stammt aus einer Wolford-Werbung. Ich hatte sie übernommen und einen Beitrag darauf aufgebaut. Wenn man sich auf Wolford-Produkte beschränkt stimmt das auch. 1997 war jeder 4. Wolford-Kunde ein Mann - erstaunlicherweise begegnen mir ständig Frauen, die von Wolford-Artikeln schwärmen, Männer jedoch nie (wenn man mal von einschlägigen Foren absieht).

Sicher, der männliche Kleiderschrank offenbart weitaus weniger Möglichkeiten als der weibliche.

Und über die Zusammensetzung des Kleiderschranks entscheidet die Frau wesentlich autonomer als der Mann.

Aber wenn man mal genau hinschaut: Auch die Frauen unterliegen einem engen Zwang - ich habe eben nicht alle Freiheiten, denn wenn ich als Lehrerin mit einem Minirock in die Schule gehe... Ich denke, Ihr könnt euch vorstellen, was da los ist.

Das kann ich, nur ist das ein gewaltiger Unterschied.
O.K. - Frau wird damit in gewisser Weise Probleme damit haben.
Aber wenn Du mal überlegst, wie viele Frauen seit ca. 30 Jahren als Lehrerin in der Schule irgendwann einmal einen Minirock getragen haben, dann ist das verglichen mit den Männern immer noch unendlich viel mehr, denn bei den Männern würde ich da mal 0 ansetzen.
Männliche Lehrer tagen in Schulen keine Miniröcke.
Und der Grund dafür ist klar:
Sie würden als pervers abgestempelt, und selbst wenn die Kollegen Toleranz beweisen, die Eltern würden massiven Druck machen und es gäbe entsprechende Konsequenzen.

Schaut euch doch mal die Frauen an - welche hat denn wirklich einen ganz eigenen, nicht zu verwechselnden Stil???

Bein genauen Hinsehen, kann ich da viele entdecken (deutlich mehr als bei Männern jedenfalls). Mode ist natürlich auch in gewisser Weise immer Anpassung und auch Distanzierung von den Angepassten. Es würde jetzt den Rahmen dieses Beitrags sprengen, würde ich versuchen eine soziologische Betrachtung dieser Vorgänge loszulassen.
Aber soviel ist für mich klar: Die weibliche Mode wird eher durch Vielfalt geprägt, die männliche mehr durch Einfalt.

Das ist doch auch eine Ausnahme, genauso wie ihr mit euren Röcken. Alle tragen sie im Büro Kostüme, unauffällige Jeans, unauffällige Schuhe, einen schlichten Pullover ohne viel Schnickschnack. Das soll Freiheit und Selbstbewusstsein sein? Darüber kann ich leider nur traurig den Kopf schütteln. Der auf den ersten Blick soooo große Unterschied zwischen Frauen und Männern in Bezug auf ihre Kleidungsmöglichkeiten ist bei genauer Betrachtung nämlich so groß nun auch wieder nicht.

Die Möglichkeiten unterscheiden sich nicht im Extremfall nicht besonders, da hast Du Recht, aber die Taten schon. Und genau das ist das Absurde. Alles ist für alle verfügbar, nur bei den Männern gibt es eine ganz ganz kleine Zahl von Extremisten, die es für sich nutzen. Das ist eben die Frage von Mut und Selbstbewusstsein, und da sind die Frauen besser drauf.

Nun zu der Behauptung, der Mann sei in der Regel nur ein "verklemmter Winzig-Teil der Massenerscheinung „Mann", nur dann Selbstbewusst, wenn er den Macho spielen kann."

Diese Behauptung ist im Original von mir, und das sehe ich auch exakt so. Du solltest Dich mal als Mann verkleiden und Dich eine Umkleidekabine eines Sportcenters begeben. Hier sind sie dann unter sich, die ganzen Kerle dieser Welt. Keine Frau stört nun Ihre Selbstdarstellung, hier sind sie ganz Mann. Am stärksten fühlen sich hier jene Gockel, die meinen, das Machobild am besten zu förden. Wenn sie schon nicht die dicksten Muskeln haben, dann wenigstens die besten Sprüche, das bringt immer Punkte in der Gruppenhierarchie, genau wie das Niedermachen derer, die nicht ins Bild passen. Erwischt man dann mal solche Typen alleine, ohne Podium, machen sie ganz schnell den Rückzieher - ein Winzigteil eben, nur Stark als Teil einer Massenerscheinung. Ich glaube, dass Du als Frau eher den Einzelmann erlebst, da muss der natürlich eine andere Rolle spielen um zu punkten.
Ich werde demnächst mal ausführlicher über meine Beobachtungen in diesen Lokalitäten berichten. Nur so viel noch: Mir ist da schon einige Male übel geworden, bei so viel Männlichkeit.

Das ist doch eine Position, von der ihr alle, die ihr den Mut habt, Röcke zu tragen, weg wollt. Ihr wollt nicht aufgrund eurer Kleidung sofort in eine Schublade gesteckt werden, sondern als Individuum wahrgenommen werden. (Wobei ich natürlich nicht abstreiten kann, dass die Kleidung dabei auch eine Rolle spielt.)

Nicht nur, wenn "Mann" Röcke trägt. Die Kleidung auf der der Massenmann besonders stolz ist, ist einfach ekelig. Als Beispiele kann man hier mal den Bollonseidenanzug der Deutschen Fußballnationalmannschaft nennen, passend dazu die Adiletten (ist ja so bequem). Oder die Stone-Washed-Jeans mit den Cowboy-Stiefeln- auch das einfach so getragen, weil es cool aussieht, Marlboro inclusive. Bis hin zur Schiesser-Feinripp-Unterwäsche, da angeblich ein Leben lang hält (fragt sich nur was). Das sind keine Klischees sondern erlebter Alltag.

Ich kenne durchaus Männer, die wenig Wert auf ihre Freiheit in der Wahl der Kleidung legen, auf den ersten Blick also "farblos" erscheinen. Aber sie sind es nicht. Sie sind auch keine Machos, die so Selbstbewusstsein vortäuschen wollen.

Es sind Männer, die in Ordnung sind. Es war eben nicht schwarz-weiß gemeint.
Jeder hat das Recht darauf zu tragen, was er möchte. Aber leider gibt es nachweislich Situationen, in den Männer nicht das tragen, was ihnen gefällt oder sie sich gut darin fühlen, nur weil sie Angst haben, oder ihre soziale Stellung in Gefahr sehen, wenn sie auffällig abweichen. Und genau das ist nicht gut.
Es gibt Kleidung, die Gefühle vermittelt, die für bestimmte Menschen großartig sind. Sie verstecken sich, weil sie sich nicht trauen. Und dieses Verstecken ist das eigentliche Problem.
Das haben Frauen nicht nötig.

Es sind ganz prima Menschen, die sich aber nun mal nicht viel aus Kleidung machen, aber ansonsten vor Selbstbewusstsein strotzen - dies allerdings nicht nur Machogehabe zur Schau tragen.

Sie machen sich nichts daraus, wie sich ihre Kleidung anfühlt ?
Sie machen sich nichts daraus, wie sich ihre Kleidung trägt ?
Sie machen sich nichts daraus, wie sie in ihrer Kleidung aussehen ?
Sie kennen nicht den Kick edler Stoffe ?

Diese Männer haben offensichtlich in ihrem Leben etwas verpasst. Leider nicht aus Mangel an Gelegenheiten, sonders aus freiwilligem Selbstverzicht.
Sie haben nicht den Mut, es zu erleben, das ist alles, aber das ist eben das Traurige.

Grüße
teka

Re: So einfach ist es nun auch wieder nicht!

SIRE, Wednesday, 23.02.2000, 19:12 (vor 9526 Tagen) @ teka

Hallo teka!

Um nicht missverstanden zu werden, möchte ich eines klarstellen: Es ist mir natürlich völlig klar, dass ihr Männer nicht so viele Freiheiten habt wie wir Frauen. Ohne Zweifel. Aber ich wollte mit meinem Beitrag sensibilisieren - es ist eben auch für uns Frauen manchmal mit der Kleidung gar nicht so einfach, man stößt schnell auf Grenzen,etc...

Ich weiss natürlich, dass es elende Machos gibt, bei denen einem nur schlecht werden kann. Und natürlich ist es was Anderes, wenn ich im Minirock in die Schule geht oder einer vom starken Geschlecht zieht einen Rock an.

Ich wehre mich nur entschieden gegen Schwarz-Weiß-Denken. Die Gefahr sehe ich hier im Forum des öfteren gegeben und diesmal konnte ich nicht umhin, mich einzumischen.

Naja, und dass diese Zitate aus dem Zusammenhang gerissen sind, habe ich mir schon fast gedacht

Gruß

SIRe

Ich habe meine Freiheit!

Ferdi, Wednesday, 23.02.2000, 21:13 (vor 9526 Tagen) @ SIRE

Es ist mir natürlich völlig klar, dass ihr Männer nicht so viele Freiheiten habt wie wir Frauen.

Von wegen! Diese Freiheiten habe ich mir schon längst genommen, und keiner kann sie mir mehr nehmen!!!

Gruss,
Ferdi


<ul><li>Emanzipation ist keine Einbahnstrasse</ul>

Nachtrag: Nochmal Freiheit

Ferdi, Wednesday, 23.02.2000, 23:46 (vor 9526 Tagen) @ SIRE

Hallo zusammen,

also das lässt mir einfach keine Ruhe:

Es ist mir natürlich völlig klar, dass ihr Männer nicht so viele Freiheiten habt wie wir Frauen.

Das stimmt nicht! Natürlich haben wir genau dieselben Freiheiten wie die Frauen, dazu gehört auch die Wahl der Kleidung. Diese Freiheiten sind durch das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland ausdrücklich jedem Menschen zugestanden. Dass diese Freiheiten von sehr vielen Menschen tatsächlich nicht genutzt werden, steht doch auf einem ganz anderen Blatt. Dafür mag es tausend triftige oder weniger triftige Gründe geben, die ich auch teilweise nachvollziehen kann. Aber deswegen existieren diese Freiheiten trotzdem, es ist der Entscheidung eines jeden einzelnen überlassen, sie in Anspruch zu nehmen oder nicht. Ich jedenfalls nehme sie in Anspruch!

Gruss,
Ferdi

Re: Nachtrag: Nochmal Freiheit

SIRe, Thursday, 24.02.2000, 20:33 (vor 9525 Tagen) @ Ferdi

Hallo Ferdi!

Du weisst doch ganz genau, was ich meine: in der Praxis ist es mit den verbrieften Rechten doch nicht immer so einfach. Natürlich hast du das Recht zu tragen, was du willst. Aber du weisst auch, dass du als Mann mit mehr Sanktionen zu rechnen hast als eine Frau.

Gruß

SIRe

Sanktionen kenne ich nicht.

Ferdi, Thursday, 24.02.2000, 22:02 (vor 9525 Tagen) @ SIRe

Hallo Silke!

Aber du weisst auch, dass du als Mann mit mehr Sanktionen zu rechnen hast als eine Frau.

Nein, Silke, ich rechne mit keinen Sanktionen und habe auch noch nie welche erlebt, ganz im Gegenteil. Und derjenige, der gegen mich Sanktionen verhängt, der muss erst noch geboren werden!

Gruss,
Ferdi

Re: Sanktionen kenne ich nicht.

SIRe, Saturday, 26.02.2000, 14:36 (vor 9523 Tagen) @ Ferdi

Hallo Ferdi!

Ja,ja, ich kenne Deine Meinung doch... Aber es ist nicht jeder so stark und selbstbewusst wie du. Das weisst Du doch auch, dass nicht jeder so gute Erfahrungen wie Du gemacht hat.

Gruß

SIRe

teka`s Originalbeitrag

Ferdi, Monday, 21.02.2000, 09:50 (vor 9528 Tagen) @ Ferdi

Hallo Freunde,

ich möchte auf den Originalbeitrag von teka hinweisen, was ich eigentlich schon direkt in meinem ersten Posting hätte tun sollen (sorry, teka!)

Ich wüsste nicht, wie man diese Gedankengänge besser rüberbringen könnte. Folgt bitte dem Link! Lesenswert!!!

Gruss Ferdi

<ul><li>teka`s Originalbeitrag</ul>