Re: Frage

triks, Sunday, 17.08.2003, 22:25 (vor 8270 Tagen) @ Franz

Hallo,

> Ich bin durch Zufall auf diese Seite gestoßen

Ich interessiere mich sehr für das Tragen von Röcken, habe aber bisher
nur auf Karneval den Mut dazu gehabt.

so zufällig wird es wohl doch nicht gewesen sein, wenn Du Dich für das Tragen von Röcken interessierst ;-)

Wie und womit fängt man zuhause damit an, und was sagt man seiner Frau
und den Kindern, wenn diese anfangen Fragen zu stellen?

Wie Du anfängst hängt im wesentlichen von Dir und Deinen Lebensumständen ab. Ich habe zuerst mit meiner Frau über meinen Wunsch gesprochen, einen Rock zu tragen. In meinem Fall musste ich keine Wiederstände bei meiner Frau überwinden. Sie teilt meine Begeisterung für Röcke nicht und findet diese eher unpraktisch. Aber sie lässt mich gewähren und hat kein Problem damit, sich mit mir in der Öffentlichkeit zu zeigen, wenn ich eine Rock anhabe. Das gilt auch für meine Kinder, was sicher dadurch begünstigt wird, dass sie noch jung sind.

Ich weiß von anderen Männern, die ihre Familie einfach mit einem Rock konfrontiert haben und damit gleich akzeptiert wurden. Andere haben mit dieser Methode Schiffbruch erlitten. Mit Ehefrauen, älteren Kindern oder einflussreichen Verwandten, die dem Ansehen der Familie besondere Bedeutung beimessen, kann es durchaus ernste Auseinandersetzungen geben. Eine ?sichere? Methode gibt es nicht.

Vielleicht kannst Du eine Situation herbeiführen, die eine unverfängliche Diskussion über Rock tragende Männer erlaubt, indem Du Dir beispielsweise am Strand oder Badezimmer ein Handtuch um die Hüften wickelst oder beim Grillen eine Bistroschürze umbindest. Du kannst dabei ja mal sagen, das Du dich wohl damit fühlst und Du Dir vorstellen könntest, einen Rock zu tragen, und dann Fragen, wie die Familie darüber denkt.

Auch die Art des Rocks, den Du vorschlägst bzw. beim ersten mal anziehst kann den Erfolg Deines Anliegens beeinflussen. Moderne Kilts (Utilikilt, Amerikilt, NeoKilt) oder echte Herrenröcke (menintime) werden, soweit ich das verschiedenen Erfahrungsberichten entnehmen konnte, dabei eher akzeptiert, als Stück aus der Damenabteilung. Wichtig vor allem ist, daß Du Dich in Deinem Rock wohl fühlst. Dann strahlt Du Selbstsicherheit aus. Dann ist das nicht Karneval oder Travestie. Dann bist Du das, bist ein Kerl und trägst halt einen Kilt bzw. Rock.

Mich erstaunt selbst, wie feige wir Männer sind. Wir sind zu Feige, mit unseren Frauen über unsere Wünsche zu reden, haben Angst vor dem Gerede der Nachbarn oder Arbeitskollegen. Was mich dabei immer noch am meisten erstaunt, ist das weitgehende Ausbleiben von bemerkenswerten Reaktionen auf mich im Rock. Mehr als scheue Blicke, gaffen, schmunzeln gibt es nicht. Dennoch habe auch ich in bestimmten Alltagssituationen ein mulmiges Gefühl. Komme ich heile an dieser Gruppe von Halbwüchsigen vorbei? Gibt es Probleme in der Straßenbahn? Aber welches Vorbild soll ich meinen Kindern zeigen? Einen ängstlichen Papa, der sich seine harmlosen Bekleidungswünsche versagt, oder einen Papa, der zu seinen Wünsche steht und sich mutig die Freiheit nimmt, die jedem hierzulande gegeben ist?

Kann ich es meinen Kindern zumuten, im Rock herum zu laufen? Väter, die tagein, tagaus im Anzug und Krawatte herum laufen, die in ihrer Freizeit Ritter, Cowboys, Indianer, Schützen oder Narren sind oder in alten Trachten marschieren. Vätern, denen der Bierbauch aus dem Hemd quillt und über die sackartigen Shorts hängt. Wer fragt nach dem seelischen Befinden der Kinder dieser Väter? Unser Erziehungsauftrag ist, mündige Bürger heranziehen, nicht angepaßte Mitläufer. Ich denke, in diesem Sinn ist ein Papa im Rock Kindern durchaus zuzumuten.

Schöne Grüße

triks


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