Metrosexualität

Ferdi, Wednesday, 23.07.2003, 10:41 (vor 8294 Tagen)

Hallo Freunde!

in letzter Zeit ist ja die Neuschöpfung "metrosexuell" aktuell geworden. Ich habe heute im Bonner General-Anzeiger einen sehr interessanten Artikel gelesen, den ich gut geschrieben fand. Insbesondere deswegen, weil herausgestellt wird, dass ein metrosexueller Mann kein "Weichling" ist, sondern als ein heterosexueller Mann dargestellt wird. So heisst es an einer Stelle in dem Artikel: "Der metrosexuelle Mann lebt in punkto Kleidung, Körperpflege und Lebensart seine weibliche Seite aus; seine sexuellen Präferenzen jedoch gelten dem weiblichen Geschlecht."

Das ganze kann uns erheblich weiterhelfen, weil nun in wichtigen Massenmedien der seriösen Art endlich mal klargestellt wird, dass das Verlassen des althergebrachten und sich so hartnäckig haltenden Rollenklischees nichts mit der sexuellen Ausrichtung des betreffenden Menschen zu tun hat. Daher habe ich auch nichts dagegen, wenn ich als männlicher Rockträger als "metrosexueller" Mann bezeichnet werde. Irgend einen Namen, irgend eine Bezeichnung muss ja jedes Ding haben. Da ist es mir schon lieber, als "metrosexuell" im Sinne dieses Artikels bezeichnet zu werden als ständig in die schwule und fetischistische Schublade gesteckt zu werden, was bei mir sowieso nicht funktioniert. Aber propagandistisch ist das neue Modewort sicher nicht schlecht für uns.

Hier der Artikel des Bonner General-Anzeigers. In der Papierausgabe lautet der Titel: Der neue Mann ist "metrosexuell". Untertitel: Was Frauen wollen, ist in der Trendsetter-Metropole New York schon Legion: Heterosexuelle mit dem guten Benehmen und der Lebensart von Homosexuellen. In Europa gilt David Beckham als Prototyp

Schöne Grüsse
vom metrosexuellen und minirocktragenden Ferdi

Re: Metrosexualität

JürgenB, Wednesday, 23.07.2003, 12:00 (vor 8294 Tagen) @ Ferdi

Hallo Ferdi,

"Der metrosexuelle Mann lebt in punkto Kleidung, Körperpflege und Lebensart seine weibliche Seite aus; seine sexuellen Präferenzen jedoch gelten dem weiblichen Geschlecht."

Na, dem kann ich für meine Person nicht zustimmen. Ich sehe meine Kleidungsvorliebe nämlich nicht als "ausleben der weiblichen Seite", sondern ich nehme mir ganz einfach das Recht auf freie Entfaltung meiner Persönlichkeit, das Recht also mich auch so zu zeigen wie ich bin. Als besonders weiblich kann ich dies trotz Rock und ggf. Schuhen aus der Damenabteilung jedoch nicht empfinden! Hätte man geschrieben "der metrosexuelle Mann nähert sich in punkto ... dem bislang als weiblich empfundenen Standard" wäre ich einverstanden.

Irgend einen Namen, irgend eine Bezeichnung muss ja jedes Ding haben.

Stimmt absolut!

In der Papierausgabe lautet der Titel: Der neue Mann ist "metrosexuell". Untertitel: Was Frauen wollen, ist in der Trendsetter-Metropole New York schon Legion: Heterosexuelle mit dem guten Benehmen und der Lebensart von Homosexuellen. In Europa gilt David Beckham als Prototyp

Damit gehe ich konform! Immer wieder höre ich nämlich von Frauen das Klagelied "Die besten Männer sind schwul!" Von daher sehe ich es dann durchaus als Kompliment, wenn man mir sagt daß ich die üblicherweise positiv erachteten Eigenschaften dieser Gruppe für mich übernommen habe.

Gruß
JürgenB

Re: Metrosexualität

Ferdi, Wednesday, 23.07.2003, 14:16 (vor 8294 Tagen) @ JürgenB

Hi Jürgen!

Ich sehe meine Kleidungsvorliebe nämlich nicht als "ausleben der weiblichen Seite", sondern ich nehme mir ganz einfach das Recht auf freie Entfaltung meiner Persönlichkeit, das Recht also mich auch so zu zeigen wie ich bin.

Ja sicher, das sollst Du, das steht Dir zu wie jedem anderen. Aber das wird alles in der Definition des Wortes mitgemeint. Ist eigentlich nur eine Frage der Definition. Der eine sagt "weibliche Seite ausleben", der andere sagt "Persönlichkeit entfalten". Das Zweite schliesst das Erste in sich ein. Sehen wir es andersherum. "Metrosexualität" bedeutet dann, die starre Geschlechterrolle des Mannes verlassen und sich zwischen den Geschlechterrollen frei bewegen (entfalten). So ähnlich wurde es in einer Fernsehsendung definiert. Das propagandistisch Wertvolle daran ist ja gerade diese Definition, wobei ausdrücklich betont wird, dass die sexuelle Orientierung davon nicht betroffen wird. Es ist leider so, dass die Menschen alles Ungewöhnliche irgendwie einsortieren wollen. Für mich als männlicher Rockträger gab es bisher keinen Ordner, in den man mein Verhalten einordnen konnte. Da nahm man bequemerweise den nächstliegenden, und das war der Ordner "Fetischismus, Transvestitismus". Das passt mir nun gar nicht. Nun haben Aussenstehende einen neuen, leeren Ordner, wo ich besser reinpasse: "Metrosexualität". Das ist für mich immer noch besser, weil dabei die sexuelle Ausrichtung aussen vor bleibt und nicht mehr in Frage gestellt wird. Daher empfinde ich den Ausdruck als durchaus positiv. Besser wäre es natürlich, die Menschen würden ganz darauf verzichten, andere Menschen in so Ordner zu katalogisieren. Da ich das den Menschen aber nicht abgewöhnen kann (sie sind nunmal so), finde ich es besser, wenn ich in so einem Ordner lande als in einem total falschen. Meine Meinung, andere mögen es anders sehen.

Gruss,
Ferdi

Re: Metrosexualität

TomC, Wednesday, 23.07.2003, 13:32 (vor 8294 Tagen) @ Ferdi

Moin, Moin !

Der Bericht ist von dpa und erschien ausserdem in folgenden Zeitungen:

Stuttgarter Nachrichten, Rhein Zeitung, Harke (Nienburg), Pforzheimer Zeitung, Westdeutsche Zeitung, Heidenheimer Presse, Walsroder Zeitung, Obermain - Tagblatt, Gifhorner Rundschau, Mainz online, Remscheider GA

Gruß Tom C.

Re: Metrosexualität (doch kein Un-Wort...?)

Dirk, Wednesday, 23.07.2003, 15:36 (vor 8293 Tagen) @ TomC

Moin, Moin !
Der Bericht ist von dpa und erschien ausserdem in folgenden Zeitungen:
Stuttgarter Nachrichten, Rhein Zeitung, Harke (Nienburg), Pforzheimer Zeitung, Westdeutsche Zeitung, Heidenheimer Presse, Walsroder Zeitung, Obermain - Tagblatt, Gifhorner Rundschau, Mainz online, Remscheider GA
Gruß Tom C.

Moin Tom,

vielleicht ist jetzt ja die kritische Masse erreicht, und die Kettenreaktion setzt ein? (im positiven Sinne gemeint!) Zumindest haben wir das Boulevard-Magazin-Niveau verlassen und sind eine Ebene höher. Hoffentlich begreifen es jetzt auch die Otto-Normal-Verbraucher, daß wir eigentlich ganz normal sind...[image]

Gruß

Dirk

Re: Metrosexualität (doch kein Un-Wort...?)

TomC, Wednesday, 23.07.2003, 19:08 (vor 8293 Tagen) @ Dirk

Moin Dirk !

Ja, das hoffe ich auch. Habe heute mit einer arbeitskollegin gesprochen, die hat den Artikel im WESER-KURIER (!!!!!!!!!!!!!!!!) gelesen. Fand sie super: "Frauen brauchen auch männer mit denen man reden kann und die mal weich sind."

Gruß TomC

Re: Metrosexualität (doch kein Un-Wort...?)

Ferdi, Wednesday, 23.07.2003, 20:43 (vor 8293 Tagen) @ TomC

Moin Dirk !
Ja, das hoffe ich auch. Habe heute mit einer arbeitskollegin gesprochen, die hat den Artikel im WESER-KURIER (!!!!!!!!!!!!!!!!) gelesen. Fand sie super: "Frauen brauchen auch männer mit denen man reden kann und die mal weich sind."
Gruß TomC

Hi Tom!

Dieser Punkt wird schon seit langem in den Gender- und Gleichberechtigungsforen und in den Foren der Männerbewegung diskutiert. Dabei ist herausgekommen, dass diese Sympathie der Frauen für solche Männer nur so lange anhält, solange sie keine feste Beziehung mit ihnen haben. Geht es um Familiengründung, dann brechen bei den Frauen steinzeitliche Urinstinkte auf und sie wählen nach den entsprechenden Kriterien Männer aus, die auf sie den Eindruck von Stärke und Rücksichtslosigkeit machen. Oft sind das dann auch typische "Machos", die ihren Frauen schon mal nicht nur verbal zeigen, wo der Barthel den Most holt. Das Kuriose: Nachdem sie sich in Frauenhäusern eine gewisse Zeit lang die Wunden geleckt haben kehren sie meistens wieder zu ihren Peinigern zurück, "weil sie sie doch so sehr lieben" usw. pipapo.

Die gefühlvollen, einfühlsamen Männer, mit denen die Frauen reden können und die auch noch gut aussehen, die sind hochwillkommen, wenn es darum geht irgendwelche Gefallen zu tun, Hilfe zu leisten oder sie zu trösten, wenn sie sich wieder mal ein Veilchen geholt haben. Das sind dann die "besten, liebsten Freunde".

Das Phänomen zieht sich wie ein roter Faden durch die Schilderungen und Erlebnisberichte der verschiedenen Foren. Auch Arne Hoffmann berichtet in seinem Buch "Sind Frauen bessere Menschen" über diese Erscheinung. Ähnliche Erfahrungen machen ja auch viele Rock- und FSH-Träger. Bei anderen Männern finden ihre Frauen das cool, geil, modisch und gut aussehend und heben den Daumen. Aber wenn der eigene Mann auch will, dann auf einmal will Frau das nicht mehr, dann sieht das auf einmal "komisch" aus, und ein Hinweis auf die Hosen der Frau wird mit einem Totschlagnichtargument wie "....das ist doch was ganz anderes" abgeschmettert.

Dieser Beitrag darf weder ganz noch in Auszügen in anderen Foren wiedergegeben werden. Kopieren ist untersagt. Alle Rechte vorbehalten.

Gruss,
Ferdi

Re: Argument

JürgenB, Wednesday, 23.07.2003, 21:14 (vor 8293 Tagen) @ Ferdi

..., und ein Hinweis auf die Hosen der Frau wird mit einem Totschlagnichtargument wie "....das ist doch was ganz anderes" abgeschmettert.

Hallo Ferdi,

auf diese These (ein Argument ist das definiv nicht!) antworte ich grundsätzlich mit der deutlich und fest ausgesprochenen Gegenthese "NEIN", ohne jeden weiteren Kommentar. Bisher hatte das ausnahmslos Schweigen zur Folge, man konnte richtig die Köpfe rauchen sehen [image]

Gruß
JürgenB

Dieser Beitrag darf weder ganz noch in Auszügen in anderen Foren wiedergegeben werden. Kopieren ist untersagt. Alle Rechte vorbehalten.

Diesem Grundsatz schließe ich mich vorerst mal einfach an, bitte Dich aber um Erläuterung der Ursachen.

Erzähle ich Dir wenn wir uns persönlich sehen (o.T.)

Ferdi, Wednesday, 23.07.2003, 21:23 (vor 8293 Tagen) @ JürgenB

- kein Text -

Re: Metrosexualität

heinz, Wednesday, 23.07.2003, 14:11 (vor 8294 Tagen) @ Ferdi

Hallo Freunde!
in letzter Zeit ist ja die Neuschöpfung "metrosexuell" aktuell geworden. Ich habe heute im Bonner General-Anzeiger einen sehr interessanten Artikel gelesen, den ich gut geschrieben fand. Insbesondere deswegen, weil herausgestellt wird, dass ein metrosexueller Mann kein "Weichling" ist, sondern als ein heterosexueller Mann dargestellt wird. So heisst es an einer Stelle in dem Artikel: "Der metrosexuelle Mann lebt in punkto Kleidung, Körperpflege und Lebensart seine weibliche Seite aus; seine sexuellen Präferenzen jedoch gelten dem weiblichen Geschlecht."
Das ganze kann uns erheblich weiterhelfen, weil nun in wichtigen Massenmedien der seriösen Art endlich mal klargestellt wird, dass das Verlassen des althergebrachten und sich so hartnäckig haltenden Rollenklischees nichts mit der sexuellen Ausrichtung des betreffenden Menschen zu tun hat. Daher habe ich auch nichts dagegen, wenn ich als männlicher Rockträger als "metrosexueller" Mann bezeichnet werde. Irgend einen Namen, irgend eine Bezeichnung muss ja jedes Ding haben. Da ist es mir schon lieber, als "metrosexuell" im Sinne dieses Artikels bezeichnet zu werden als ständig in die schwule und fetischistische Schublade gesteckt zu werden, was bei mir sowieso nicht funktioniert. Aber propagandistisch ist das neue Modewort sicher nicht schlecht für uns.
Hier der Artikel des Bonner General-Anzeigers. In der Papierausgabe lautet der Titel: Der neue Mann ist "metrosexuell". Untertitel: Was Frauen wollen, ist in der Trendsetter-Metropole New York schon Legion: Heterosexuelle mit dem guten Benehmen und der Lebensart von Homosexuellen. In Europa gilt David Beckham als Prototyp
Schöne Grüsse
vom metrosexuellen und minirocktragenden Ferdi


Hallo Ferdi

Schade, dass man(n) ein berühmter Fussballer oder sonst irgendwie in der Promiszene sein muss, um dann mit sogenannten Neuerungen (Beckham) als Prototyp zu gelten. Schminken, Haare färben, Ohrringe usw. machte und trug ich schon, bevor Beckham kam!!
Aber was soll's, ich bin eben kein Promis, aber sicher ein Prototyp vor dem Prototyp Beckham! ;-)

Gruss
heinz