Ratio und Gewohnheit

MAS, Wednesday, 09.04.2003, 13:50 (vor 8412 Tagen)

Hi Folks,

es ist tatsächlich so wie unter http://www.f6.parsimony.net/forum6585/messages/27369.htm beschrieben und nicht bös gemeint.

Ich hatte z.B. im letzten Sommer etwas Streß mit meinem Chef und den ungewohnten Arbbeitsbedingungen, was dazu führte, dass sich meine Nerven immer anspannten, wenn ich schon morgens seinen gelben Golf auf dem Parkplatz stehen sah. Diese Anspannung ist geblieben, wenn auch nicht mehr so stark, obwohl ich mit dem Chef gut auskomme. Meine Ratio sagt mir, dass ich keinen Grund habe, deswegen angespannt zu sein, aber das Unterbewußtsein sieht das wohl anders.

Und so ist es auch mit den Gewohnheiten im allgemeinen. Vom Unterbewußtsein wird all das als positiv bewertet, was Stabilität verheißt. Eindeutige Interpretationen sind aber stabilitätsverheißender als differenzierte Betrachtugnsweisen. So hält sich des Unterbewußtsein an Sehgewohnheiten fest, die uns schon als Kind eine stabile Weltordnung sugerierten. Und wenn wir es so von klein auf lernen, das Röcke Mädchenkeidung sind und das Männer in Röcken in eine gewisse Schublade zu stecken sind, dann kann uns die Ratio zwar die Unsinnigkeit dieser Einordnung beweisen, aber das Gefühl ist da und bleibt zunächst, bis es durch Umkonditionierung, also Deprogrammierung, verändert wird.

So mögen viele Männer rational zu den selben Ergebnisse kommen wie wir, was das Röcketragen anbelangt, aber da sie in Anbetracht der Seltenheit des Anblicks berockter Männer außerhalb von Travestie und Schottland noch keine Möglichkeit haben auch ihr Unterbewußtsein daran zu gewöhnen, bleiben sie in der Praxis unserem Anliegen gegenüber doch reserviert.

Fazit: Rationale Argumente sind notwendig, reichen aber nicht. Notwendig ist auch das Tragen von Röcken in als normal empfundenen Kontexten, um die lieben Mitmenschen daran zu gewöhnen. Und dazu ist es notwendig, dass sie nicht immer nur den selben Mann im Rock sehen (ah, der Ferdi, den kennen wir schon), sondern dass man auch neue, unbekannte Männer im Rock zu sehen bekommt.

Diese Männer sind aber welche, deren Drang einen Rock zu tragen größer ist, als die anerzogene Furcht vor Missverständnissen.

MrG

Michael


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