Re: Gefunden: Modedesigner findet Männerröcke "albern"

MAS, Tuesday, 08.04.2003, 20:22 (vor 8413 Tagen) @ MAS

Hi Folks,

ich habe gerade folgenden Leserbrief über besagtes Interview abgeschickt:

Sehr geehrter Herr Schöneberger,

ich habe mit viel Interesse Ihr Interview im Kulturspiegel gelesen. Besonders Ihr letztes Statement von Individualität und Gleichklang, guter Paarbeziehung und gutem Verhältnis zwischen Kulturen und Religionen hat mir sehr zugesagt. Wenn es nicht nur eine verkauffördernsollendes Imagegestaltung, sondern ein ernst gemeintes Ziel ist, wovon ich mal ausgehe, ziehen wir an einem Strang, Sie als Modedesigner und ich als Religionswissenschaftler, der im interreligiösen Dialog aktiv ist.

Ich möchte aber ein anderes Statement hinterfragen. Auf die Frage „Es gibt Modemacher, die ihre Entwürfe für Männer sehr viel femininer ausfallen lassen als Sie. Warum fehlt in Ihrer Kollektion der Rock für den Kerl?“ antworteten Sie „Weil ich den albern finde. Der wird sich nie durchsetzen, also verschwende ich darauf keine Zeit.“

Mal abgesehen davon, dass die in der Frage implizierte Aussage, dass Röcke feminin seien, kulturspezifisch, aber nicht allgemeingültig ist, möchte ich fragen, aus welchem Grund Sie Röcke für Männer albern finden. Vielleicht denken Sie als Geschäftsmann, dass es albern wäre, in eine Sache zu investieren, die keinen Absatz verspricht. Oder Sie denken, dass (wenn auch kulturspezifisch) weibliche Attribute bei Männern albern wirken, weil viele Zeitgenossen damit den Verdacht auf Homo- oder Transsexualität oder Travestie verbinden oder weil es den Mann schwach und zärtlich erscheinen lässt, wohingegen er stark und robust sein soll oder will.

Ich wäre dankbar, wenn Sie mir diese Ihre Ansicht begründen könnten.

Als Hintergrundinformation über mein Interesse an dieser Frage möchte ich sagen, dass ich sehr gerne Röcke trage und es bedauere, dass ich kaum Röcke in den gängigen Herrenabteilungen der Kaufhäuser oder Kataloge finde. Ich habe zwar kein Problem damit, Röcke zu tragen, die offiziell als Frauenröcke verkauft werden, aber die Auswahl an für mich passenden Röcken ist dabei doch recht beschränkt. In den Details, sind sie eben doch ein wenig anders geschneidert.

Darüber hinaus dass Röcke an sich genau so geschlechtsneutral bzw. unisex sind wie Hosen, dürfte doch gerade die Attribuierung von Zartheit und Weichheit mit als feminin geltender Kleidung ihrem Anliegen entsprechen, dass sie mit den Worten „Wenn ich meine Kollektion entwerfe, stelle ich mir immer einen Freundeskreis vor, Leute mit unterschiedlichen Charakteren und körperlichen Voraussetzungen, die all das ausleben, sich aber gegenseitig in ihrem Geschmack anregen.“ ausdrücken.

Wenn Sie Interesse an mehr Informationen und Inspirationen haben lesen Sie doch mal meinen Essay „Mundus bracatus? Nein danke!“ (http://www.stormpages.com/antares/michael0.htm), meinen Artikel „Nicht nur Schotten gefällt der Rock“ in einem Dossier über Vorurteile und Klischees (http://www.furche.at/archivneu/archiv2003/fu1203/13.shtml) oder schauen Sie mal auf die Homepage der Männerrockbewegung (http://www.maennerrock.de/).

Mit freundlichen Grüßen,
Michael A. Schmiedel


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