Rockertreffen

Beobachter, Monday, 24.02.2003, 08:17 (vor 8457 Tagen)

Hallo Leute,
ich bin auch ein potentieller Rockträger, verfolge seit einer Weile das Forum. Da ich irgendwie unentschlossen war wollte ich nicht direkt zu einem Treffen kommen, sondern nur mal eines beobachten, das hab ich jetzt 2 mal gemacht, da ich mir jedes Mal bis zum Schluß unsicher war ob ich wirklich den Tisch wechseln sollte.
Was mich abgehalten hat? Ich war doch irritiert über die immer als normal dargestellten Rockträger, mit denen ich mich so nicht identifizieren konnte. Wenn ich jetzt höre, es wäre für Rocker nur ein normales Kleidungsstück, habe ich jetzt schon meine Zweifel – zumindest bei einigen ist eine gehörige Portion Fetisch dabei: Eine Lackhose ist für mich schon kein alltagstaugliches Kleidungsstück – ein Lackrock an einem Mann noch dazu sehr eng – bitte gerne, im SM oder Fetischclub, aber mit normal hat das nichts zu tun. An anderer Stelle frage ich mich geht es nur um pures Auffallen oder hat man einfach überhaupt kein Gefühl für das Erscheinungsbild: nackte weis leuchtende Beine unter einem kurzen Rock, im Winter bei deutlich unter null – eine Frau die sich so unter diesen Umständen kleidet hat entweder ein Problem, oder will gewaltsam auffallen. Andere kommen zwar in Hose, ich habe sie aber trotzdem im ersten Moment für eine Frau gehalten – ist ja auch ok, bestätigt aber nicht das Bild vom normalen Mann. Ganz schräg: man zieht sich während des Abends mehrmals um – man will ja auch nur genau so selbstverständlich Röcke tragen wie Frauen – die ziehen sich ja auch immer auf der Toilette um.
Gut, ein paar wirken wirklich normal und sind stilvoll, teilweise echt elegant gekleidet, oder wirken als hätten sie nichts mit dem Rest zu tun – tauchen dann auf den Beweisfotos im Forum auch nicht auf (?).
Ganz interessant: die Gespräche an den anderen Tischen, wenn der seltsame Haufen die Lokalität verlassen hat: Transsexuellenselbsthilfegruppe? Treffen vor dem eigentlichen Faschingsball? Ein Horde Spinner? Eigentlich waren alle Kommentare auch zwischen den Tischen (!) von Toleranz aber auch von völliger Verständnislosigkeit geprägt. Das Wort „schwul“ konnte ich zu meinem Erstaunen nie aufschnappen.
Also, ihr seid schon ein seltsamer Haufen, macht was ihr für richtig haltet, aber erwartet nicht, dass man euch für normal hält und euer Tun als Reklame für den Männerrock betrachtet wird – eher als Abschreckung

Der Beobachter

Re: Rockertreffen

TomC, Monday, 24.02.2003, 09:25 (vor 8457 Tagen) @ Beobachter

Moin, Moin !

Ja es gibt seltsame Typen und seltsame Vorstellungen unter der Rockern. Es gibt auch die Selbstdarsteller und Leute die nichts anderes zu tun haben. Es gibt auch verschiedene Geschmäcker.
Aber jeder muß seinen eigenen Weg finden. Wenn Du so gut beobachtest, dann solltest Du das auch schon gemerkt haben. Wenn Du weniger "extremes" (-bitte nicht hauen [image] -) suchst wirst Du auch fündig, sieh Dir mal z.B. Bilder von heinz aus der Schweiz an.

Gruß Tom C.

Re: Rockertreffen

Ferdi, Monday, 24.02.2003, 09:29 (vor 8457 Tagen) @ Beobachter

Hallo guten Morgen zusammen!

Erstmal vielen Dank an den Autor dieses Postings und danke für die Kritik.

Wir sollten diesen Beitrag sehr, sehr ernst nehmen und einmal darüber nachdenken. Er stammt nämlich von einem Modefachmann! Die von ihm geäusserten Bedenken habe ich auch schon oft aus unseren eigenen Kreisen selbst gehört. Es geht nicht darum, jetzt Regeln aufzustellen, was getragen werden sollte und was nicht. Aber dieser Beitrag ist wieder eine Gelegenheit, darauf hinzuweisen, dass es sehr stark auf den Gesamteindruck ankommt, ob ein Outfit werbend für die alternative Männermode wirkt oder nicht.

Es soll/kann/darf grundsätzlich jeder das tragen, was er will und bevorzugt. Aber bei allen Gelegenheiten sollten wir nicht aus den Augen verlieren, dass jeder von uns auch als positiver Werbeträger für die Idee der Röcke auch für Männer auftreten sollte. In der Euphorie des Rausches, in den man oft durch die Faszination der Röcke versetzt wird, gerät dieser Gedanke oft ins Hintertreffen. Ich will es mal vergleichen mit dem Geschwindigkeitsrausch: Wenn man ein schickes, schnelles Auto hat und man fährt so auf der Autobahn, wo eine Geschwindigkeitsbegrenzung herrscht, dann wird man sehr leicht auch immer schneller und schneller - bis einen der Radarblitz unsanft wieder mit den Tatsachen konfrontiert.

In diesem Sinne sollten wir diesen Beitrag sehen. Ganz nüchtern und rational drüber nachdenken und überlegen, was man besser machen könnte.

Das ist konstruktive Kritik.

Freundliche Grüsse,
Ferdi

Re: Rockertreffen

Alex, Monday, 24.02.2003, 16:20 (vor 8456 Tagen) @ Ferdi

Hallo Allen, hallo Ferdi,

freut mich, dass wenigstens nicht alle das Posting von Beobachter wütend in Scheibchen hacken!

Bei so heftigen Reaktionen ohne echten Angriff unterstelle ich eigentlich generell erst mal Unsicherheit bei dem der sich so vehement... hmmm... regelrecht verteidigt.

Dabei verrät doch eigentlich schon das Vorgehen von Beobachter, dass er selber sehr, sehr unsicher ist.... oder kämst Du, Ferdi, auf die Idee am Nebentisch sitzen zu bleiben, wenn Du Leute siehst, die Du vom Forum kennst? Wohl kaum! Ich auch nicht... und es wär mir auch ziemlich egal, wie die angezogen sind... von mir aus könnten die in Jutesäcken da sitzen
Leute! Das heißt, dass da jemand ist, der sich gerne weiterentwickeln würde, der freier werden möchte, aber andererseits noch einen Blick dafür hat, wie "Normalos" das sehen. Zwangsläufig werden einem Non-Konformisten schräge Blicke ziemlich egal... aber verlernen anderen zuzuhören, wenn die interessante Details erzählen, die man selber nur noch teilweise wahrnimmt... das tut keinem gut. Und das dann förmlich zu zersägen nutzt niemandem.

*** 2 Stunden später, mußte beim tippen unterbrechen ***

Klar spielt auf solchen Treffen die Rudelwirkung mit, und das ist vielleicht ein Punkt, über den man reden sollte. Outfits, die man auch alleine z.B. beim Einkaufen tragen würde, könnten vielleicht wirklich ein Anhaltspunkt dafür sein was zwischen schick und schräg liegt. Ich für meinen Teil fand auf dem Bild nix sondelich schräg, aber das ist ja genau der Grund, warum man echte (also diskussionsfähige) Kritikern wichtig sind. Er hat doch nicht Eure Persönlichkeit angegriffen, sondern nur einen anderen Geschmack geäußert! Und ziemlich viel Unsicherheit und Klischeedenken als Ersatz für eigene Gedanken waren da auch noch drinne.... eigentlich nix Schlimmes, oder?

Hmmm nun lese ich auch noch grade, Beobachter wäre ein Mode-Experte *grübel* wie passt das nun in's Bild??!? Die sind doch sonst nicht so schüchtern. Das würde erklären, warum er einen Blick stilistische Mißgriffe hätte... aber warum hat er dann nicht vor Ort Tipps gegeben, oder so?
Oder war das nur jemand, der zum Beobachten geschickt wurde? Etwa um für das Unternehmen potentielle Anregungen einzuholen? Also rein aus kommerziellem Interesse? Oder gar ein Modell-Hunter und Ihr seid bei ihm durchgefallen *weglach* weil Ihr für Mainstream-Kommerz seiner Ansicht nach doch nicht taugt?

Liebe Grüße

Alex


PS: Vielleicht komm ich Euch auch mal besuchen, wenn ich darf und es vielleicht nicht zu weit von Kaiserslautern stattfindet... ich setz mich dann auch nicht an den Nebentisch *g*

Hallo guten Morgen zusammen!
Erstmal vielen Dank an den Autor dieses Postings und danke für die Kritik.
Wir sollten diesen Beitrag sehr, sehr ernst nehmen und einmal darüber nachdenken. Er stammt nämlich von einem Modefachmann! Die von ihm geäusserten Bedenken habe ich auch schon oft aus unseren eigenen Kreisen selbst gehört. Es geht nicht darum, jetzt Regeln aufzustellen, was getragen werden sollte und was nicht. Aber dieser Beitrag ist wieder eine Gelegenheit, darauf hinzuweisen, dass es sehr stark auf den Gesamteindruck ankommt, ob ein Outfit werbend für die alternative Männermode wirkt oder nicht.
Es soll/kann/darf grundsätzlich jeder das tragen, was er will und bevorzugt. Aber bei allen Gelegenheiten sollten wir nicht aus den Augen verlieren, dass jeder von uns auch als positiver Werbeträger für die Idee der Röcke auch für Männer auftreten sollte. In der Euphorie des Rausches, in den man oft durch die Faszination der Röcke versetzt wird, gerät dieser Gedanke oft ins Hintertreffen. Ich will es mal vergleichen mit dem Geschwindigkeitsrausch: Wenn man ein schickes, schnelles Auto hat und man fährt so auf der Autobahn, wo eine Geschwindigkeitsbegrenzung herrscht, dann wird man sehr leicht auch immer schneller und schneller - bis einen der Radarblitz unsanft wieder mit den Tatsachen konfrontiert.
In diesem Sinne sollten wir diesen Beitrag sehen. Ganz nüchtern und rational drüber nachdenken und überlegen, was man besser machen könnte.
Das ist konstruktive Kritik.

Freundliche Grüsse,
Ferdi

Re: Rockertreffen

Ferdi, Monday, 24.02.2003, 17:02 (vor 8456 Tagen) @ Alex

Hallo Alex!

Es bestand nicht der geringste Anlass, den Beitrag von Beobachter zu zerfleddern. Er hat meines Erachtens interessante Denkanstösse gegeben. Persönlich angegriffen hat er auch niemanden, er hat einfach nur geschildert, was ihm nicht gefallen hat. Schade ist, dass er sich davon abhalten lässt, selbst Röcke zu tragen. Er könnte das ja auf eine ihm zusagende Art und Weise machen. Ich zum Beispiel würde mich auch nicht vom Autofahren abhalten lassen, nur weil mir jemand mit einem unmöglichen Fahrstil begegnet.

Auch Modefachleute sind nicht automatisch offen für ungewohnte modische Entwicklungen. Die sind doch sehr auf ihr Image bedacht und vermeiden alles, was sie in die Ecke von Lieferanten der Fetischszene stellen könnte. Dafür habe ich Verständnis, um so mehr müssen wir überzeugen, dass wir ganz gewöhnliche Männer sind, die lediglich Freude an Röcken haben und sie aus denselben Gründen tragen wie die Frauen ihre Hosen. Vielleicht gelingt das auch in diesem Falle und der Beobachter kommt wieder mal ins Ligsalz und setzt sich zu den Freunden dort an den Tisch und diskutiert das mal aus. Wenn es sich aber um ein sehr konservativ eingestelltes Unternehmen handeln sollte, dann sieht das nicht sehr gut aus. Das muss man eben so hinnehmen.

Wenn Du in der Nähe von Kaiserslautern wohnst, komm doch mal am 14. März zu unserem Treffen in Mainz-Kastel im Brauhaus Kastel. Ich habe gestern von Schorsch gehört, dass schon 10 Leute zugesagt haben. Würde mich freuen, auch Dich dort mal kennen lernen zu können.

Viele Grüsse,
Ferdi

Re: Rockertreffen

MAS, Monday, 24.02.2003, 17:50 (vor 8456 Tagen) @ Ferdi

14. März in Mainz passt mir zwar nicht, da ich dann in Bonn bin, aber ich bin normalerweise Mo-Mi in Bad Kreuznach, was ja so weit nicht von Kaiserslautern weg ist.

MrG

Michael

Re: Rockertreffen

Alex, Monday, 24.02.2003, 18:16 (vor 8456 Tagen) @ MAS

14. März in Mainz passt mir zwar nicht, da ich dann in Bonn bin, aber ich bin normalerweise Mo-Mi in Bad Kreuznach, was ja so weit nicht von Kaiserslautern weg ist.
MrG
Michael

Ist das Dauerzustand? Dann findet sich da bestimmt mal was. Kreuznach is zumindest unter 100km weit weg

Gruß

Alex

Re: Rockertreffen

MAS, Monday, 24.02.2003, 20:53 (vor 8456 Tagen) @ Alex

14. März in Mainz passt mir zwar nicht, da ich dann in Bonn bin, aber ich bin normalerweise Mo-Mi in Bad Kreuznach, was ja so weit nicht von Kaiserslautern weg ist.
MrG
Michael

Ist das Dauerzustand? Dann findet sich da bestimmt mal was. Kreuznach is zumindest unter 100km weit weg
Gruß
Alex

Was ist schon von Dauer? Aber zumindest bis 30.9.2004, eher bis 30.4.2005.

Wär schon schön!

Gruß,

Michael

Re: Rockertreffen

Alex, Monday, 24.02.2003, 17:59 (vor 8456 Tagen) @ Ferdi

"Wenn Du in der Nähe von Kaiserslautern wohnst, komm doch mal am 14. März zu unserem Treffen in Mainz-Kastel im Brauhaus Kastel."

*schmoll* am 15. hat meine Liebste Geburtstag... das kann ich nicht bringen sonst werd ich erschossen, weil da schon einiges andere geplant ist
Du kommst aus der Köln/Bonner Gegend irgendwo, gelle? Meine Ex war aus Bonn, bis dahin fahr ich im Schlaf... so 200-300km wär ok für mich, für ein Treffen mal... ich denk ich werds ja mitbekommen, hier im Forum, wenn wieder was ansteht... Auf jeden Fall mal ein Dankeschön für die Einladung

Liebe Grüße

Alex

Re: Rockertreffen

Johannes, Monday, 24.02.2003, 17:46 (vor 8456 Tagen) @ Alex

Hallo Alex,

Er hat doch nicht Eure Persönlichkeit angegriffen,...

haben wir seine persönlichkeit angegriffen? Also, wenn ich für mich spreche, hatte ich das zumindest nicht im sinn - habe auch nach wie vor nicht den eindruck, daß das, was ich geschrieben hatte, so wirkt

... sondern nur einen anderen Geschmack geäußert! Und ziemlich viel Unsicherheit und Klischeedenken als Ersatz für eigene Gedanken waren da auch noch drinne....

... eben! Und genau das habe ich (und auch die anderen) aufgezeigt und an ihm kritisiert - aber nicht seine person.

Johannes

Re: Rockertreffen

Alex, Monday, 24.02.2003, 18:08 (vor 8456 Tagen) @ Johannes

Hallo Johannes,

ich hab nicht geschrieben, dass Ihr seine Persönlichkeit angegriffen habt.
Ich hab den halt mehr wie ein verschrecktes Küken gesehen, das nun von Argumenten erschlagen wird *Mitleidmit* *g*

Ich würd halt gerne mehr mit echten Kritiker diskutieren... und so kommen uns die vielleicht abhanden *schmunzel*

Liebe Grüße

Alex

Hallo Alex,

Er hat doch nicht Eure Persönlichkeit angegriffen,...

haben wir seine persönlichkeit angegriffen? Also, wenn ich für mich spreche, hatte ich das zumindest nicht im sinn - habe auch nach wie vor nicht den eindruck, daß das, was ich geschrieben hatte, so wirkt
... sondern nur einen anderen Geschmack geäußert! Und ziemlich viel Unsicherheit und Klischeedenken als Ersatz für eigene Gedanken waren da auch noch drinne....

... eben! Und genau das habe ich (und auch die anderen) aufgezeigt und an ihm kritisiert - aber nicht seine person.
Johannes

Re: Rockertreffen

JürgenB, Monday, 24.02.2003, 10:48 (vor 8457 Tagen) @ Beobachter

Hallo Beobachter,

schön, daß sich wieder einer mehr mit dem Gedanken des Rocktragens auseinandersetzt. Schade, daß auch Du Dich von einzelnen "Negativbeispielen" scheinbar aus dem Konzept bringen läßt und dabei zu Verallgemeinerungen niegst, obwohl Du selber sagst daß dies nur einzelne sind, während andere sich nach Deinem Geschmack kleideten!

Diese "Mode" bietet viele Möglichkeiten, und damit auch leider viele Möglichkeiten zu stilistischen Fehlgriffen. Du selber schreibst: "nackte weis leuchtende Beine unter einem kurzen Rock, im Winter bei deutlich unter null – eine Frau die sich so unter diesen Umständen kleidet hat entweder ein Problem, oder will gewaltsam auffallen". Damit sagst Du auch, daß es diese Frauen gibt. Klar, die gibt es seltener, und das liegt ganz einfach daran daß die Frauen schon viel mehr Zeit hatten zu experimentieren und ihren Stil zu finden. Und es liegt sicher auch daran, daß Männer die jetzt Rock tragen grundsätzlich bereit sind aufzufallen - eine Frau kann heute Rock tragen ohne aufzufallen.

Hab' bitte Nachsicht mit denen die unbedingt auffallen wollen, die gibt es auch unter Nicht-Rockern, und nimm Dir den Deinen Augen gefallenden Rocker als Vorbild Deinen eigenen Stil zu entwickeln. Ziel ist schließlich nicht eine neue Vorgabe, was Mann anzuziehen hat, sondern die Modefreiheit! Was gefällt, das empfindet jede/r anders.

- Eine Lackhose ist für mich schon kein alltagstaugliches Kleidungsstück – ein Lackrock an einem Mann noch dazu sehr eng – bitte gerne, im SM oder Fetischclub, aber mit normal hat das nichts zu tun.

Geschmackssache!

- An anderer Stelle frage ich mich geht es nur um pures Auffallen oder hat man einfach überhaupt kein Gefühl für das Erscheinungsbild.

Beides kommt vor, ist aber nicht verbindlich wenn Du Rock tragen möchtest!

- Andere kommen zwar in Hose, ich habe sie aber trotzdem im ersten Moment für eine Frau gehalten – ist ja auch ok, bestätigt aber nicht das Bild vom normalen Mann.

Ich weiß zwar nicht welche(s) Detail(s) diesen Eidruck bei Dir hervorriefen? Dieser Eindruck entsteht meines Erachtens durch ein gewohntes Bild, und Gewohnheiten ändern sich schnell! Davon abgesehen: was ist normal? Ohrringe am Mann? Lange Haare? Rock? Hochhackige Schuhe? ...?

- Ganz schräg: man zieht sich während des Abends mehrmals um – man will ja auch nur genau so selbstverständlich Röcke tragen wie Frauen – die ziehen sich ja auch immer auf der Toilette um.

In einem Computerclub zeigt man sich bei Treffen die neueste Software, die Rollerfreunde, bei denen ich eine Zeit lang aktiv war, gehen beim monatlichen Treffen raus und zeigen sich gegenseitig das neueste Zubehör, und eine Gemeinschaft mit dem gemeinsamen Interesse Rock zeigt sich die neuesten Röcke - ja und? Bei diesen Treffen ist halt eben auch hin und wieder der Rock das Thema, und es gibt immer welche die gerne zeigen was sie haben. Ist das schlimm?

- Gut, ein paar wirken wirklich normal und sind stilvoll, teilweise echt elegant gekleidet, oder wirken als hätten sie nichts mit dem Rest zu tun – tauchen dann auf den Beweisfotos im Forum auch nicht auf (?).

Das mag an dem liegen der fotografiert, dies von der Beurteilung des Treffens einer Gruppe als Standardaussage zu werten ist wohl etwas weit hergeholt!

- Ganz interessant: die Gespräche an den anderen Tischen, wenn der seltsame Haufen die Lokalität verlassen hat: Transsexuellenselbsthilfegruppe? Treffen vor dem eigentlichen Faschingsball? Ein Horde Spinner?

Nach dem Treffen ist die Zeit wo DSN2330/1,5 (Deutsche Stammtischnorm, 23.30 Uhr, 1,5 Promille) in Kraft tritt. Ganz nüchtern sind sie nicht mehr, Frauen sind selten, und jeder glaubt sich beweisen zu müssen. Das geht immer am besten, wenn man über Abwesende lästern kann!

- Eigentlich waren alle Kommentare auch zwischen den Tischen (!) von Toleranz aber auch von völliger Verständnislosigkeit geprägt. Das Wort „schwul“ konnte ich zu meinem Erstaunen nie aufschnappen.

Sorry, aber diese Aussage, erst recht zur genannten zeit, werte ich schon als kleinen Fortschritt!

- Also, ihr seid schon ein seltsamer Haufen, macht was ihr für richtig haltet, aber erwartet nicht, dass man euch für normal hält und euer Tun als Reklame für den Männerrock betrachtet wird – eher als Abschreckung

Für Dich mag das (leider) zutreffen, lag vielleicht auch an den Personen die Du gesehen hast? Viele andere haben durch solche Treffen Mut gefunden und sind jetzt frei von geistigen Zwängen.


Ich selber trage seit 3 Jahren Rock, und habe auch alle Phasen durchgemacht: anfängliche ängstliche Versuche mit wirklich "normalen" Röcken, danach etliche Versuche und sicher auch etliche stilistische Fehlgriffe, und glaube jetzt meinen Stil gefunden zu haben, obwohl der sich sicher auch noch wandeln wird. Parallel dazu die Änderung der Einstellung: von "ich will das zwar, aber da tue ich etwas Verbotenes" bis hin zur heutigen Einstellung "Die eigene Freiheit endet da wo sie die Freiheit der anderen einschränkt. Es muß mir schließlich nicht gefallen, was ich an anderen sehe. >Weiblich< ist lediglich der BH!"

Gruß
JürgenB

Re: Rockertreffen

Thomas S, Monday, 24.02.2003, 11:15 (vor 8457 Tagen) @ Beobachter

Hallo Beobachter,

zunächst einmal interessant, einen offenen Kommentar aus der Sicht eines Beobachters zu lesen. Doch dann stößt mir vor allem das "Normal" ziehmlich unangenehm auf. Was bitte schön, ist an einem Mann der eine Hose trägt "Normaler", als ein Mann, der Rock oder Kleid trägt. Ein enger Lackrock ist m.E. reine Geschmackssache und hat doch nichts mit Fetisch zu tun. Diejenigen, die in Hosen auftauchen gehören genauso dazu wie diejenigen in Rock oder Kleid.

Als Mann Rock oder Kleid zu tragen hat bei den wenigsten mit auffallen zu tun, sondern eher das besondere Tragegefühl dieser Kleidungsstücke ist ausschlaggebend.

Wenn wir uns wieder Treffen, setz Dich doch einfach dazu und Du wirst sehen, daß wir gar nicht so "abnormal" sind. Etwaige Kommentare von Nachbartischen sind uns ziehmlich egal.

grüße Thomas S.

Hallo Leute,

ich bin auch ein potentieller Rockträger, verfolge seit einer Weile das Forum. Da ich irgendwie unentschlossen war wollte ich nicht direkt zu einem Treffen kommen, sondern nur mal eines beobachten, das hab ich jetzt 2 mal gemacht, da ich mir jedes Mal bis zum Schluß unsicher war ob ich wirklich den Tisch wechseln sollte.
Was mich abgehalten hat? Ich war doch irritiert über die immer als normal dargestellten Rockträger, mit denen ich mich so nicht identifizieren konnte. Wenn ich jetzt höre, es wäre für Rocker nur ein normales Kleidungsstück, habe ich jetzt schon meine Zweifel – zumindest bei einigen ist eine gehörige Portion Fetisch dabei: Eine Lackhose ist für mich schon kein alltagstaugliches Kleidungsstück – ein Lackrock an einem Mann noch dazu sehr eng – bitte gerne, im SM oder Fetischclub, aber mit normal hat das nichts zu tun. An anderer Stelle frage ich mich geht es nur um pures Auffallen oder hat man einfach überhaupt kein Gefühl für das Erscheinungsbild: nackte weis leuchtende Beine unter einem kurzen Rock, im Winter bei deutlich unter null – eine Frau die sich so unter diesen Umständen kleidet hat entweder ein Problem, oder will gewaltsam auffallen. Andere kommen zwar in Hose, ich habe sie aber trotzdem im ersten Moment für eine Frau gehalten – ist ja auch ok, bestätigt aber nicht das Bild vom normalen Mann. Ganz schräg: man zieht sich während des Abends mehrmals um – man will ja auch nur genau so selbstverständlich Röcke tragen wie Frauen – die ziehen sich ja auch immer auf der Toilette um.
Gut, ein paar wirken wirklich normal und sind stilvoll, teilweise echt elegant gekleidet, oder wirken als hätten sie nichts mit dem Rest zu tun – tauchen dann auf den Beweisfotos im Forum auch nicht auf (?).
Ganz interessant: die Gespräche an den anderen Tischen, wenn der seltsame Haufen die Lokalität verlassen hat: Transsexuellenselbsthilfegruppe? Treffen vor dem eigentlichen Faschingsball? Ein Horde Spinner? Eigentlich waren alle Kommentare auch zwischen den Tischen (!) von Toleranz aber auch von völliger Verständnislosigkeit geprägt. Das Wort „schwul“ konnte ich zu meinem Erstaunen nie aufschnappen.
Also, ihr seid schon ein seltsamer Haufen, macht was ihr für richtig haltet, aber erwartet nicht, dass man euch für normal hält und euer Tun als Reklame für den Männerrock betrachtet wird – eher als Abschreckung
Der Beobachter

Re: Rockertreffen

c, Monday, 24.02.2003, 11:46 (vor 8457 Tagen) @ Beobachter

Hallo Leute,

ich bin auch gelegentlicher Rockträger und denke ähnlich wie der Beobachter. Mir gefallen lange Wickelröcke, Schottenröcke, allgemein Röcke, die mich dennoch männlich wirken lassen. Ich weiss, manche von Euch werden sagen, was ist männlich, ich darf tragen, was mir gefällt; das machen doch Frauen auch. stimmt schon irgendwie, ist dennoch eine schmale Gradwanderung. Wir leben nun mal in dieser Gesellschaft, und da gibt es so einige, wenn auch antiquierte Normen. Dieser schmale Grad zwischen modern/cool/innovativ und komisch/merkwürdig/androgyn/fetischistisch/transsexuell. Ich weiss schon, ziemlich plakativ, aber in unserer Gesellschaft wird nun mal in Schubladen gedacht.
Ich möchte klar stellen, ich möchte niemanden angreifen. Ich bin tollerant, jeder darf tragen, was er will.
Dennoch habe ich teilweise mit so manchem Outfit so meine Probleme, wenn ich teilweise die Photos anschaue. Ich kann mich damit nicht identifizieren, und möchte damit auch nicht in Verbindung gebracht werden. So manches Outfit ist nicht besonders förderlich, die neue Männermode etwas populärer zu machen, ganz im Gegenteil, es schreckt eher ab.
Etwas mehr Popularität, und zwar im positiven Sinne, würde dem Männerrock echt gut tun. Mir gefällt es Röcke zu tragen, allerdings wäre es schön, nicht immer so aufzufallen.

Nicht bös sein!

Dennoch frohes Rocken

c

Re: Rockertreffen

Ferdi, Monday, 24.02.2003, 13:09 (vor 8456 Tagen) @ c

Hallo c!

Erstmal: Keiner ist Dir böse, wenn Du Deine Meinung sagst. Die Diskussion, die der Beobachter anstossen will, ist eine Diskussion um Geschmacksfragen. Ich habe den Beobachter so verstanden, dass er nicht beanstandet, dass Männer Röcke tragen. Eine solche Beanstandung würde meinen schärfsten und erbittertsten Widerstand auslösen. Nein, er hat darauf hingewiesen, dass die stilistischen und geschmacklichen Vorstellungen mancher Rockträger geeignet sind, potentielle andere am Männerrock interessierte Personen abzuschrecken.

Dass es ihm auf eine Geschmacks- und Stildiskussion ankommt, und nicht auf die Frage "Rock ja oder nein", hat er ja durch die Erwähnung der Lackhose, die er als für Männer nicht "normal" einstuft, erkenntlich gemacht. Ebenso hat er darauf hingewiesen, dass auch Frauen, die stilistische Fehler bei ihrer Kleidung machen, eine ebenfalls negative Wirkung in ihrer Umwelt auslösen. Allein die lebenslange Erfahrung und das grundsätzlich grössere Interesse der Frauen an Kleidung und Mode führt dazu, dass die Frauen auf diesem Gebiet bessere Ergebnisse vorweisen können. Wir erwachsenen Männer, die wir erst relativ spät begonnen haben, uns mit kleidungsstilistischen Problemen zu befassen, müssen noch viel lernen. Solche Postings wie das vom Beobachter können sehr hilfreich sein.

Nun zu Deinem Beitrag, und da muss ich Dir in einem wichtigen Punkt widersprechen.

Wir leben nun mal in dieser Gesellschaft, und da gibt es so einige, wenn auch antiquierte Normen.

Ein oftmals vorgetragener, sehr resignierend klingender Satz, der unterschwellig den Gedanken aufkommen lässt: "Wir können es ja doch nicht ändern, es ist nunmal so". Lasse ich nicht gelten. Was wir wirklich nicht ändern können ist die Tatsache, dass wir alle mal sterben müssen, dass es abends dunkel und morgens hell wird und dass es manchmal regnet. Die von Menschen aufgestellten Normen und Regeln sind jedoch veränderbar und haben sich ja auch verändert. Sonst trügen Frauen heute keine Hosen.

Ich weiss schon, ziemlich plakativ, aber in unserer Gesellschaft wird nun mal in Schubladen gedacht.

Da ist es wieder, dieses resignierende "nun mal"! Resignation ist Rückschritt, ist Degeneration und letztlich Amputation des eigenen Willens, etwas zu tun, was man mag und womit man letztlich niemandem schadet. Was gehen mich die Schubladen der Gesellschaft an? Ich tue doch nur genau das, was auch die Frauen tun: ich suche mir die Kleidungsstücke raus, die ich gerne trage. Und wenn das ein Rock ist, dann trage ich einen Rock. Dass ich dabei auf stimmiges Gesamtaussehen achte, ist selbstverständlich. Ich wechsle einfach nur die Hosen gegen Röcke aus.
Über alles kann man reden und diskutieren. Die Frage "Rock für den Mann - ja oder nein?" steht für mich aber nicht zur Disposition und ist nicht verhandelbar.

Viele Grüsse,
Ferdi

Re: Rockertreffen

MAS, Monday, 24.02.2003, 14:42 (vor 8456 Tagen) @ Ferdi

Ich stimme Ferdi völlig zu und zitiere die Lebensregel, die in dem Film "Stuart Little" der Vater seinem Sohn gab:
"Wichtig ist, dass man sich voll reinhängt!"

MrG

Michael

Re: Grundsatzfrage

JürgenB, Monday, 24.02.2003, 23:17 (vor 8456 Tagen) @ c

Hallo c,

da taucht, aus Deinem und auch aus anderen Postings, eine Frage immer stärker auf: Was will ich erreichen? Meine eigene Kleidungsfreiheit oder die anderer?

Gruß
JürgenB

Re: Gute Frage...

Collantix, Tuesday, 25.02.2003, 00:48 (vor 8456 Tagen) @ JürgenB

Hallo Jürgen,

die Frage stelle ich mir auch immer wieder.

Letztlich ist aber wohl so, daß jeder für sich die Frage beantworten muß.
Jeder muß sich mit sich selbst identfizieren können. Wenn er das geschafft hat, kann er die nächste Frage beantworten
Und man sollte sich nicht immer auf den Publikums-Joker verlassen
Gruß

Collantix

Re: Grundsatzfrage

Marc, Tuesday, 25.02.2003, 09:25 (vor 8456 Tagen) @ JürgenB

Hallo Jürgen,

da taucht, aus Deinem und auch aus anderen Postings, eine Frage immer stärker
auf: Was will ich erreichen? Meine eigene Kleidungsfreiheit oder die anderer?

genau das sind eigentlich zwei Dinge, die nicht unbedingt etwas miteinander
zu tun haben, und die hier auch oft durcheinandergeworfen werden, wie ich finde.

Meiner Meinung nach strahlt jemand seine eigene Zufriedenheit oder auch seine
eigene Unsicherheit nach außen. Wenn jemand eine gewisses Selbstbewußtsein und
damit auch eine gewisse Stilsicherheit erreicht hat, dann glaube ich, dass auch
ein exotisches Outfit an so jemand durchaus eine positive Ausstrahlung hat.
Wer jedoch mit sich selbst noch nicht im Reinen ist, kann noch so edel und
stimmig gekleidet sein - man merkt dennoch die Unsicherheit, und es wirkt
im Ganzen eher nicht überzeugend. Das gilt nicht nur fürs Rocktragen, sondern
generell, glaube ich - es gibt z.B. auch bei Anzugträgern solche, denen man die
Maskerade darin anmerkt, und solche, die es mit Vergnügen und Stil tun und
an denen es ganz natürlich wirkt.

Dennoch ist natürlich die Experimentier- und Selbstfindungsphase sehr wichtig,
und ich möchte alle Leser unbedingt ermutigen, zu experimentieren! Sicher gibt
es immer Dinge, bei denen man sich im Nachhinein sagt, dass sie unmöglich
aussahen. Aber man lernt auch gute Kombinationsmöglichkeiten kennen und formt
sich ein Urteilsvermögen darüber, was einem steht, was zusammenpaßt. Fehler
sind dabei unvermeidlich. Aber hier gilt, wie immer im Leben: aus den Fehlern
lernt man, oder wie es Oscar Wilde formulierte: Erfahrung ist der Name, den
ein jeder seinen Fehlern gibt.

Was man darüberhinaus auch auf keinen Fall vergessen sollte, ist der Aspekt
des persönlichen Geschmacks. Der ist nun einmal bei jedem unterschiedlich,
und was dem einen gefällt, findet jemand anders unmöglich. Wichtig ist aber
letztlich doch nur, dass man sich selbst gefällt. Oder vielleicht in Anlehnung
an Ferdis Spiegel-Test: Wenn man sich vorstellt, das eigene Spiegelbild wäre
eine fremde Person, die einem auf der Straße begegnet, würde einem diese
Person bzw. ihr Outfit gefallen?

Gruß,

Marc

Re: Rockertreffen

Johannes, Monday, 24.02.2003, 13:26 (vor 8456 Tagen) @ Beobachter

Hallo Leute,
ich bin auch ein potentieller Rockträger, verfolge seit einer Weile das Forum. Da ich irgendwie unentschlossen war wollte ich nicht direkt zu einem Treffen kommen, sondern nur mal eines beobachten, das hab ich jetzt 2 mal gemacht, da ich mir jedes Mal bis zum Schluß unsicher war ob ich wirklich den Tisch wechseln sollte.
Was mich abgehalten hat? Ich war doch irritiert über die immer als normal dargestellten Rockträger, mit denen ich mich so nicht identifizieren konnte. Wenn ich jetzt höre, es wäre für Rocker nur ein normales Kleidungsstück, habe ich jetzt schon meine Zweifel – zumindest bei einigen ist eine gehörige Portion Fetisch dabei: Eine Lackhose ist für mich schon kein alltagstaugliches Kleidungsstück – ein Lackrock an einem Mann noch dazu sehr eng – bitte gerne, im SM oder Fetischclub, aber mit normal hat das nichts zu tun. An anderer Stelle frage ich mich geht es nur um pures Auffallen oder hat man einfach überhaupt kein Gefühl für das Erscheinungsbild: nackte weis leuchtende Beine unter einem kurzen Rock, im Winter bei deutlich unter null – eine Frau die sich so unter diesen Umständen kleidet hat entweder ein Problem, oder will gewaltsam auffallen. Andere kommen zwar in Hose, ich habe sie aber trotzdem im ersten Moment für eine Frau gehalten – ist ja auch ok, bestätigt aber nicht das Bild vom normalen Mann. Ganz schräg: man zieht sich während des Abends mehrmals um – man will ja auch nur genau so selbstverständlich Röcke tragen wie Frauen – die ziehen sich ja auch immer auf der Toilette um.
Gut, ein paar wirken wirklich normal und sind stilvoll, teilweise echt elegant gekleidet, oder wirken als hätten sie nichts mit dem Rest zu tun – tauchen dann auf den Beweisfotos im Forum auch nicht auf (?).
Ganz interessant: die Gespräche an den anderen Tischen, wenn der seltsame Haufen die Lokalität verlassen hat: Transsexuellenselbsthilfegruppe? Treffen vor dem eigentlichen Faschingsball? Ein Horde Spinner? Eigentlich waren alle Kommentare auch zwischen den Tischen (!) von Toleranz aber auch von völliger Verständnislosigkeit geprägt. Das Wort „schwul“ konnte ich zu meinem Erstaunen nie aufschnappen.
Also, ihr seid schon ein seltsamer Haufen, macht was ihr für richtig haltet, aber erwartet nicht, dass man euch für normal hält und euer Tun als Reklame für den Männerrock betrachtet wird – eher als Abschreckung
Der Beobachter

Re: Rockertreffen

Johannes, Monday, 24.02.2003, 13:47 (vor 8456 Tagen) @ Beobachter

Hallo Beobachter,

>Hallo Leute,
[quote]ich bin auch ein potentieller Rockträger, verfolge seit einer Weile das Forum. Da ich irgendwie unentschlossen war wollte ich nicht direkt zu einem Treffen kommen, sondern nur mal eines beobachten,...
[/quote]

Das war ein fehler - sonst hättest Du erlebt, daß wir ganz normale und umgänliche menschen sind, die neulinge gern willkommen heißen

... das hab ich jetzt 2 mal gemacht, da ich mir jedes Mal bis zum Schluß unsicher war ob ich wirklich den Tisch wechseln sollte.
[quote]Was mich abgehalten hat? Ich war doch irritiert über die immer als normal dargestellten Rockträger, mit denen ich mich so nicht identifizieren konnte. Wenn ich jetzt höre, es wäre für Rocker nur ein normales Kleidungsstück, habe ich jetzt schon meine Zweifel – zumindest bei einigen ist eine gehörige Portion Fetisch dabei: Eine Lackhose ist für mich schon kein alltagstaugliches Kleidungsstück – ein Lackrock an einem Mann noch dazu sehr eng – bitte gerne, im SM oder Fetischclub, aber mit normal hat das nichts zu tun. An anderer Stelle frage ich mich geht es nur um pures Auffallen oder hat man einfach überhaupt kein Gefühl für das Erscheinungsbild: nackte weis leuchtende Beine unter einem kurzen Rock, im Winter bei deutlich unter null – eine Frau die sich so unter diesen Umständen kleidet hat entweder ein Problem, oder will gewaltsam auffallen.
[/quote]

Bei den treffen geht es m.e. nicht unbedingt nur darum, einfach nur so zu erscheinen, wie man als rockträger im alltag einfach so erscheint (bei einigen
von uns wohl schon, aber nicht zwingend bei allen), sondern auch darum, wie man als mann im rock erscheinen kann - zumindert bei entsprechender witterung oder anlaß. Du trittst bestimmt auch nicht zu jedem anlaß oder tageszeit im frack auf, und trotzdem wird Dir keiner irgendwelche abartigen oder fetischistischen absichten/motivationen unterstellen, wenn Du anderen leuten zeigst, wie Du im frack aussiehst.

Andere kommen zwar in Hose, ich habe sie aber trotzdem im ersten Moment für eine Frau gehalten – ist ja auch ok, bestätigt aber nicht das Bild vom normalen Mann.

Wenn Du an unseren tisch gekommen wärest und uns an unseren gesprächen beteiligt hättest (oder auch nur zugehört), hättest Du relativ schnell festgestellt, daß die haartracht der betreffenden person sich zwar mit gängigen weiblichkeitsclichés deckt, daß diese person aber in ihrer gesamterscheinung (also einschließlich körpersprache, ausdrucksweise, gesprächstemen etc.p.p. mitnichten weiblich erscheint, sondern wie ein ganze normaler mann).

Ganz schräg: man zieht sich während des Abends mehrmals um – man will ja auch nur genau so selbstverständlich Röcke tragen wie Frauen – die ziehen sich ja auch immer auf der Toilette um.

Natürlich nicht! Das machen wir ja auch nicht, wenn in unserem alltag röcke oder kleider tragen. Das machen wir aber, wenn wir den rockträger-kollegen auch noch zeigen wollen, was wir sonst noch interessantes auf lager haben, und wie man(n) als mann darin wirkt.

[quote]Gut, ein paar wirken wirklich normal und sind stilvoll, teilweise echt elegant gekleidet, oder wirken als hätten sie nichts mit dem Rest zu tun – tauchen dann auf den Beweisfotos im Forum auch nicht auf (?).
Ganz interessant: die Gespräche an den anderen Tischen, wenn der seltsame Haufen die Lokalität verlassen hat: Transsexuellenselbsthilfegruppe? Treffen vor dem eigentlichen Faschingsball? Ein Horde Spinner?[/quote]

Tja, es gibt halt immer noch eine ganze reihe vorurteile bei den leuten - vor allem in einer kulturell gesehen so konservativen region wie bayern (kulturell ist es da im rotgrünen münchen halt auch nicht anders als im restlichen bayern - die aufgeschlossenen leute sind halt auch da sehr in der minderheit, zumal in einer zeit, in der spießertum wieder in ist).

Eigentlich waren alle Kommentare auch zwischen den Tischen (!) von Toleranz aber auch von völliger Verständnislosigkeit geprägt. Das Wort „schwul“ konnte ich zu meinem Erstaunen nie aufschnappen.

Naja immerhin: "Toleranz" und keiner von uns ist "schwul" - es wird ja langsam!

[quote]Also, ihr seid schon ein seltsamer Haufen, macht was ihr für richtig haltet, aber erwartet nicht, dass man euch für normal hält und euer Tun als Reklame für den Männerrock betrachtet wird – eher als Abschreckung
Der Beobachter[/quote]

Schade, daß Du Dich mehr von den konservativen, vorurteilsbeladenen spießern beinflussen laßt als von aufgeschlossenen menschen, die auf überholte und inzwischen sinnentleerte konventionen pfeifen und deshalb tun, was ihnen gefällt und ihr wohlbefinden fördert.

Johannes

Re: Rockertreffen

B.J., Monday, 24.02.2003, 17:10 (vor 8456 Tagen) @ Johannes

Hi Johannes,

danke für Dein schönes Feedback :-)

B.J.


P.S.: Ich kann auch "ganz anders" ;-)

Re: Rockertreffen

heinz, Monday, 24.02.2003, 14:07 (vor 8456 Tagen) @ Beobachter

Hallo Beobachter

Ich finde deine Beobachtung und das Posting gut und kann sagen, dass einige Aussagen mit meinen Erfahrungen oder Anhörungen anderer Personen übereinstimmen.

Auch ich habe Hinweise oder sogenannte Stillernlektionen über meine Outfits erhalten und bin heute und wahrscheinlich noch lange Zeit am Verändern, Verbessern oder Überarbeiten meines Stils. Glücklicherweise habe ich dabei grosse Hilfen aus der Modebranche. Ich war selber schon auf dem Laufsteg und habe da Einiges dazugelernt.
Wenn ich im Rockoutfit, sei es alleine oder mit meiner Freundin, einkaufen oder in den Ausgang gehe, stehe ich tatsächlich sehr viel länger vor dem Spiegel, als früher, als ich einfach ein paar Hosen und ein Hemd oder einen Pullover anzog! Dazu kommt immer noch der Meinungsaustausch mit meiner Freundin!
Ob das Outfit dann jedem gefällt, das glaube ich kaum; Geschmäcker sind verschieden!

Die Renaissance des Rockes für den Mann braucht Zeit, denn Röcke an Männern ist in unseren Breitengraden selten oder dann eher als Tracht oder Uniform zu sehen. Dass mal alle Menschen Röcke oder rockähnliche Gewänder trugen ist zwar eine Tatsache, doch das liegt weit zurück und wird in unseren Köpfen einfach als Geschichte betrachtet!

Die heutigen Röcke sehen anders aus. "Männerröcke" gibt es zwar, sind aber enorm teuer und werden kaum in gewöhnlichen Schaufenstern gesehen (LEIDER!!!!!!). Da bemächtigen wir Rockträger uns eben der Röcke in der Damenabteilung, da diese heutzutage ja meist auch einen "männlichen" Schnitt aufweisen (gerade geschnitten). Für's ungewohnte Auge sind da eben hie und da noch gewisse Verzierungen dran oder der Rock ist aus einem "unmännlichen" Stoff. Und da sind wir, glaube ich, bei einem Punkt, der für die "normale" Kleiderzuteilung Mann, Frau generell zu Diskussionen führt, insbesondere auch deswegen, weil die "männliche" Bekleidung in den letzten paar Jahrzehnten in Bezug auf Auswahl, Formen, Farben, Accessoirs, Kombinationen usw. usw. dermassen unter den "Gefrierpunkt" gesunken ist, dass selbst ein Mann in Hosen ohne Taschen bereits in die Schwulenecke oder als irgend etwas Ausgeflipptes , Exotisches bezeichnet wird.

Die heutige Erziehung (bin beruflich damit verbunden!)führt ja den heranwachsenden Mann geradewegs zum 0815 Typ! Bei den heutigen Jugendlichen (zum Teil auch schon bei Mädchen!!!)und ihren Gangs würde ja wohl kein Rudelführer im Rock und Rüschenhemd vor die Gruppe stehen. Dafür tragen sie Baseballschläger, Gummiknüppel und Stellmesser und bekämpfen sich gegenseitig aus irgendwelchen Gründen, die keine sind!

Nun, dein Posting ist, wie Ferdi sagt, sicher sehr aufschlussreich und entspricht manchen Tatsachen. Ich habe mir bei uns leider auch schon über manche Outfits Gedanken gemacht. Trotzdem, jeder soll das tragen, was ihm gefällt, sonst rennen wir ja wieder in eine NORM hinein. Und genau dieses Wort, höre ich eben bei solch kritischen Berichten überhaupt nicht gerne. Was ist normal? Dass der Mann einfach wie ein Computergesteuertes Gerät morgens in die Hose steigt? Dass Frauen Röcke und Hosen tragen "dürfen"!!!!!

Vor gut 50 jahren, war es noch nicht "normal", dass Frau Hosen trug!

Eines finde ich aber richtig: Gedanken machen über die Zusammenstellung der Outfits, über die Farben und die Accessoirs sollten wir uns schon! Denn man(n) sollte mit dem Rocktragen und dem Drum und Dran nicht mit dem Kopf durch die Wand rennen! Ein "sorgfältiges" Vorgehen, kann unserem Interesse dienlicher sein!
Ich weiss, ich weiss, ich habe mich auch schon "überrissen" gekleidet, hab's dann aber gemerkt und sofort umgestellt.


Schöne Grüsse
heinz

Re: Rockertreffen

Johannes, Monday, 24.02.2003, 14:24 (vor 8456 Tagen) @ heinz

und bekämpfen sich gegenseitig aus irgendwelchen Gründen, die keine sind!

Doch: "Ich kämpfe, also bin ich ein (richtiger) mann"


Zu fragen nach grenzen, was tragbar (bzw. stilistisch zumutbar) ist oder nicht:
Die grenze ist verschiebbar und wird wohl auch von jedem wo anderes gesehen. Bei unserem letzten rocktreffen hatte beispielsweise einer von einem erzählt, der in einem rock mit extrem hohem schlitz (der mit einem durchsichtigen stoff ausgefüllt war) und mit (dem nach, was er mit den fingern gezeigt hatte) ca. 15 cm hohen absetzen gesichtet worden ist. Einstimmig hatten wir dieses outfit als übertrieben bzw. befremdend empfunden, die in unserer gruppe gezeigten outfits dagegen allesamt nicht (zumindest unter dem vorbehalt der betrachtung, zu welchem anlaß und an welchem ort sie getragen werden).

Johannes

Re: Rockertreffen

Collantix, Monday, 24.02.2003, 14:13 (vor 8456 Tagen) @ Beobachter

Hallo Beobachter,

möglich, daß ich hier nur Wiederholungen schreibe, aber ich habe die anderen Antworten noch nicht gelesen.

ich bin auch ein potentieller Rockträger
Das ist eigentlich jeder Mensch
Da ich irgendwie unentschlossen war wollte ich nicht direkt zu einem Treffen kommen, sondern nur mal eines beobachten, das hab ich jetzt 2 mal gemacht, da ich mir jedes Mal bis zum Schluß unsicher war ob ich wirklich den Tisch wechseln sollte.
Nennen wir das Kind beim Namen: Wir reden hier von den Münchner Treffen! (Damit auch die anderen Beobachter und Leser wissen, wovon wir konkret reden.) Ich wäre normalerweise auch dagewesen, allerdings war ich krank.

Was mich abgehalten hat? Ich war doch irritiert über die immer als normal dargestellten Rockträger, mit denen ich mich so nicht identifizieren konnte.
Womit musst Du Dich identfizieren können, damit Du einen Rock trägst? Ich identifiziere mich mit mir selber, das reicht, alles andere ist unerheblich.

Wenn ich jetzt höre, es wäre für Rocker nur ein normales Kleidungsstück, habe ich jetzt schon meine Zweifel – zumindest bei einigen ist eine gehörige Portion Fetisch dabei: Eine Lackhose ist für mich schon kein alltagstaugliches Kleidungsstück – ein Lackrock an einem Mann noch dazu sehr eng – bitte gerne, im SM oder Fetischclub, aber mit normal hat das nichts zu tun.
Oh je, dann sind Feinstrumpfhosen für Dich auch lediglich Fetisch, oder? Letztlich stellst Du hier nur Mutmaßungen auf, die Du in keiner Weise belegen kannst.
Abgesehen davon, daß die Klamotten, die wir bei unseren reffen nicht unbedingt alltagstauglich sein müssen. Die "guten" Sachen ziehe ich auf der Arbeit nicht an.

An anderer Stelle frage ich mich geht es nur um pures Auffallen oder hat man einfach überhaupt kein Gefühl für das Erscheinungsbild: nackte weis leuchtende Beine unter einem kurzen Rock, im Winter bei deutlich unter null – eine Frau die sich so unter diesen Umständen kleidet hat entweder ein Problem, oder will gewaltsam auffallen.
Ich krieg bei dem Anblick zwar auch virtuelle Erfrierungen, aber das ist nicht mein Problem. Ich lasse es mittlerweile in der Regel sein, mir um andere einen Kopf zu machen. Entscheidend ist, daß er sich darin wohlfühlt, oder?

Andere kommen zwar in Hose, ich habe sie aber trotzdem im ersten Moment für eine Frau gehalten – ist ja auch ok, bestätigt aber nicht das Bild vom normalen Mann.
Interessant, daß man als Mann immer noch kurze Haare haben muß, um von Beobachtern als Mann wahrgenomen werden zu können. Definiere doch bitte den "normalen Mann"!

Ganz schräg: man zieht sich während des Abends mehrmals um – man will ja auch nur genau so selbstverständlich Röcke tragen wie Frauen – die ziehen sich ja auch immer auf der Toilette um.
Soll er sich auf dem Tresen umziehen? Es mag seltsam erscheinen, aber ich finde es interessant, die diversen Röcke am Menschen zu sehen. So oft sehen wir uns nicht. Ich allerdings bin zu faul, mehrer Röcke mit mir herumzuschleppen
Gut, ein paar wirken wirklich normal und sind stilvoll, teilweise echt elegant gekleidet, oder wirken als hätten sie nichts mit dem Rest zu tun – tauchen dann auf den Beweisfotos im Forum auch nicht auf (?).
Sich ablichten zu lassen, beruht auf Freiwilligkeit und nicht auf Zwang. Es ist schließlich auch kein Beobachter gezwungen, sich zu uns an den Tisch zu setzen
Ganz interessant: die Gespräche an den anderen Tischen, wenn der seltsame Haufen die Lokalität verlassen hat: Transsexuellenselbsthilfegruppe? Treffen vor dem eigentlichen Faschingsball? Ein Horde Spinner? Eigentlich waren alle Kommentare auch zwischen den Tischen (!) von Toleranz aber auch von völliger Verständnislosigkeit geprägt. Das Wort „schwul“ konnte ich zu meinem Erstaunen nie aufschnappen.
Es ist den Leuten unbenommen, sich dazu zu äußern. Die Leut reden halt gern. Na und? Es ist klar, daß man in Jeans und Sweatshirt nicht auffällt, trägt ja jeder. Das Faschings-Thema ist saisonbedingt sehr beliebtInterssant finde ich auch, daß Du mit dem Rocktragen das Schwulsein verbindest. Ich habe schon viele homosexuelle Paare gesehen, seltsamerweise noch nie berockt...

Also, ihr seid schon ein seltsamer Haufen, macht was ihr für richtig haltet, aber erwartet nicht, dass man euch für normal hält und euer Tun als Reklame für den Männerrock betrachtet wird – eher als Abschreckung
Was ist normal?
Es ist Dir unbenommen, eine stille Beobachter-Rolle einzunehmen, aber was hat Dich daran gehindert uns anzusprechen? Ich könnte jetzt hier auch mutmaßen, aber das lasse ich jetzt lieber
Gruß

Collantix

Re: Rockertreffen

Johannes, Monday, 24.02.2003, 14:27 (vor 8456 Tagen) @ Collantix

Hallo ben - wieder gesund?

Interessant, daß man als Mann immer noch kurze Haare haben muß, um von Beobachtern als Mann wahrgenomen werden zu können. Definiere doch bitte den "normalen Mann"!

immer noch? wieder - leider! Die ära der langen haare ist leider vorbei (von einer minderheit abgesehen) - aber was hat uns das zu jucken?

Johannes

so, so - ertappt :-)

B.J., Monday, 24.02.2003, 14:27 (vor 8456 Tagen) @ Beobachter

Moin, moin,

dann hat mich meine Beobachtungsgabe doch nicht getäuscht, dass da jemand sehr interessiert beobachtet und über uns diskutiert hat :-)

Ein paar Punkte möchte ich, da es sich hier ja offenbar um das München-Treffen handelt, auch noch beisteuern.

Zunächst möchte ich mich kurz vorstellen: ich bin vermutlich die "Frau" aus dem Freitags-Club. Und damit bin ich auch schon mitten im Thema. Ihr findet mich nicht auf Karlis Foto, da die 3 Hosenträger nicht "repräsentativ" für einen Rockerstammtisch waren ;-)

Wie wird man nun vom Mann zur Frau? Ganz einfach:

1.) Suche lange in der Herrenabteilung, bis Du mal eine Jacke und ein Oberhemd findest, die nicht die Standardfarben schwarz, braun oder dunkelblau haben.

2.) Lass Dir lange Haare stehen. Und wenn die dann noch solche Naturlocken haben, dass Dich die Frauen reihenweise drum beneiden und Dich dauernd darauf ansprechen, dann hast Du es fast geschafft.

3.) Wenn Du es perfekt machen willst, dann nimmst Du noch einen Haarschmuck dazu. (War übrigens ein Geschenk von einer Frau.)

4.) Rock ist völlig überflüssig. Eine schwarze Herrenhose tut es auch.

Fertig ist die Geschlechtsumwandlung. Bisher dachte ich immer, dass das viel schwieriger wäre
An der Mail unseres Beobachters (er könnte übrigens auf einem von Karlis nicht-veröffentlichten Fotos drauf sein, da er schräg hinter mir sass) sehen wir doch sehr deutlich das klassische Denkmodell:

a) Der Mensch sieht nur das, was er sehen will.

b) Über Geschmack läßt sich streiten.

c) Männer sind dann elegant, wenn sie sich in das klassische Muster (dunkle Farbe, bloss nichts "Weibisches") einfügen.

d) Bei Frauen ist alles erlaubt - bei Männern nichts.

Und das von einem "Modeexperten". Mann, so können wir niemals aus unserer grauen Langweiligkeit herauskommen!!! (Ferdi, mich wundert, dass Du dieses Mal so sehr konform gehst - bist Du krank??? ;-)

Mal eine Gegenbeobachtung von mir, ist ca. 10 Tage alt. Ich habe im Flieger neben 2 Redakteurinnen einer grossen Modezeitschrift gesessen, die auf dem Weg zu einem Foto-Shooting waren. Die hatten nun eine ganz andere Einstellung: Sie würden es sehr begrüssen, wenn manche Ansätze aus dem Damenoberbekleidung für Herren übernommen würden. Also z.B. Schnitte und Farben. Sie fanden übrigens Dries van Noten echt toll - der (s.o.) ja in dem neulich auch hier verlinkten Artikel der Süddeutschen absolut runtergemacht wurde. Ihr Fazit war nach dem Motto, dass sie absolut froh sind, Damenoberbekleidung zu machen, weil das Herrenzeugs zumeist einfach nur langweilig ist.

Und dann war da noch die Sache mit den Dingen, die dem "normalen" (was auch immer das sein mag) Mann so wichtig sind:

i) vielleicht "Feuer, Pfeife, Tabak" ?

ii) ein tolles Auto ?

iii) ein Schnurrbart, da man damit so toll männlich wirkt und immer dran spielen kann?

iv) Handy mit Wechselschalen, usw.

Ich sage nur: jedem seinen FETISCH
Nur schade, dass die "Normalo"-Fetische toleriert sind, die nicht ganz so offensichtlichen aber leider nicht. Und wenn man dann noch mehrere seiner Fetische vorführt, dann wird es problematisch. Stimmt schon, wenn ich 3 tolle Handies auf den Tisch lege (Motto: "mein Haus, mein Auto, mein Boot"), dann fällt das nicht so auf und ist wohl mainstream-konform. Ich könnte natürlich auch alle mit raus in meine Garage nehmen, wo meine tolle Schlitten stehen
Schade eigentlich, dass speziell Männer immer noch soviel Angst davor haben, dass ihnen ein Stückchen ihrer Männlichkeit verloren geht, wenn sie einen "Tick Weiblichkeit" (was auch immer das sein mag) an sich haben oder sich mit Händen und Füssen davon distanzieren, wenn sie das bei anderen sehen.

Ich hoffe, Euch mal wieder etwas zum Nachdenken angeregt zu haben ;-)

Eure (bin ja nun offenbar "gewandelt") B.J.


P.S.: Eigenltich sollte die Geschichte jedem gezeigt haben, dass man nur dann etwas verändert, wenn man mal den ausgetretenen Pfad verlässt.

Re: @B.J.: Keine Sorge, ich bin kerngesund!

Ferdi, Monday, 24.02.2003, 15:45 (vor 8456 Tagen) @ B.J.

Hallo B.J.!

Und das von einem "Modeexperten". Mann, so können wir niemals aus unserer grauen Langweiligkeit herauskommen!!! (Ferdi, mich wundert, dass Du dieses Mal so sehr konform gehst - bist Du krank???

Also mal ganz klar: Ich bin nicht krank und habe auch nicht die "Seiten gewechselt". Meine Einstellung hat sich nicht im geringsten geändert. Ich gehe auch nicht "konform" mit den Ansichten von Beobachter über Mode. Ich habe die ganze Sache lediglich von dem Standpunkt der Werbung und Neugewinnung hinzukommender Interessenten beleuchtet. Über diese Dinge habe ich nämlich schon öfters mit kompetenten Leuten aus unserer Community diskutiert (u. a. mit Schorsch). Dort wurden - was die Werbung anbetrifft - in etwa dieselben Bedenken geäussert. Ich habe auch keinerlei Probleme, mich mit "exotisch" gekleideten Leuten an einen Tisch zu setzen, denn auch wenn ich mich selbst nicht so kleide (steht mir wohl auch nicht), so setze ich mich nach wie vor für die Freiheit eines jeden Einzelnen ein, sein Outfit so zusammenzustellen, wie allein ihm es gefällt. Also bitte, nicht, dass hier jetzt falsche und völlig unbegründete Befürchtungen über mich die Runde machen. Ich wäre höchstens als krank anzusehen, wenn ich wieder Hosen tragen würde. Ich sitze übrigens in einem langen Jeansrock mit Gehschlitz hinten und Pullover drüber bei der Arbeit (für Beobachter: ich gehe schon zwei Jahre lang in Röcken arbeiten, ohne Probleme).

Ich habe natürlich als Co-Admin heute morgen sofort in die Protokolldatei des Forums gesehen. Das mache ich immer, wenn neue Teilnehmer auftauchen, deren Nick ich noch nicht kenne. Ich weiss daher genau, wer geschrieben hat. Ich respektiere aber die Anonymität des Schreibers, denn sonst hätte er sich ja selbst mit seinem Namen gemeldet. Aber eines kann ich ganz allgemein sagen: Es handelt sich um ein nicht ganz unbekanntes Unternehmen der Modebranche. Also um Fachleute.

Ein ganz anderes Thema ist die Frage, warum Fachleute und Fachfirmen der Modebranche so konservativ denken und sich neuen Ideen, Strömungen und Richtungen in der Modewelt der Männer so verschliessen. Ich meine jetzt weniger die Extremoutfits bei den Accessoirs, sondern mehr die Einstellung zu Männern mit langen Haaren, mit Haar- und anderem Schmuck, mit lackierten, gepflegten Nägeln und all diese Dinge. Muss ein Mann immer so aussehen, als käme er gerade von einer Baustelle? Ich mag Männer mit langen Haaren sehr, und in meinem engeren Freundeskreis gibt es auch einige, deren Haarpracht so manche Frau erblassen lassen. Ebenso kenne ich Männer, die haben schönere Beine als weibliche Models. Und trotzdem sind es Männer. Ich kann das Wort "Männlichkeit" schon nicht mehr hören. Wer spricht denn von "Weiblichkeit"? Frauen werden als Frauen hingenommen, auch wenn sie im Herrenanzug mit Krawatte rumlaufen. Warum gesteht man das umgekehrt nicht auch den Männern zu? Also ich mache das alles nicht mit! Lasst doch die Männer sich so geben wie sie sind. Hauptsache ist doch nur, dass sie gepflegt wirken. Mit solchen Einstellungen wird doch nur vielen Männern erst mal jeder Mut genommen, auch mal schönere, andere Wege zu gehen. Und für Firmen der Modebranche könnten sich neue Absatzmärkte eröffnen. Eine Firma hat das erkannt und hat gehandelt: Der Feinstrumpfwarenhersteller Levèe. Mit seiner Unisex-Strumpfhosenlinie WoMan stürmt er offenstehende Scheunentore und wird die erste Firma sein, die mit Alternativer Herrenmode den Markt aufmischt und richtig Geld verdienen wird.

Also weg mit dem Muff von tausend Jahren unter den Talaren! Neue Wege braucht der Mann!

Freundliche Grüsse,
Ferdi

Jetzt bin ich beruhigt :-)

B.J., Monday, 24.02.2003, 16:57 (vor 8456 Tagen) @ Ferdi

Hi Ferdi,

>Also mal ganz klar: Ich bin nicht krank und habe auch nicht die "Seiten gewechselt". Meine Einstellung hat sich nicht im geringsten geändert. Ich gehe auch nicht "konform" mit den Ansichten von Beobachter über Mode.

jetzt bin ich wieder beruhigt ;-)

> Aber eines kann ich ganz allgemein sagen: Es handelt sich um ein nicht ganz unbekanntes Unternehmen der Modebranche. Also um Fachleute.

Wie Du an meinem geschilderten Erlebnis aus dem Flieger ablesen kannst, gibt es da sehr konträre Ansichten - so bekommen wir wenigstens etwas "Vielfalt".

> Muss ein Mann immer so aussehen, als käme er gerade von einer Baustelle?

Bingo!!! Eben weil hier alles so stockkonservativ ist, kann ich z.B. meine Locken nur in meiner Freizeit "freilassen".

> Ich mag Männer mit langen Haaren sehr, und in meinem engeren Freundeskreis gibt es auch einige, deren Haarpracht so manche Frau erblassen lassen. Ebenso kenne ich Männer, die haben schönere Beine als weibliche Models.

Zu den Beinen: da hatten wir ein super Beispiel bei unserem Stammtisch dabei. Da kann wirklich manche Frau nicht mithalten.

Nach landläufiger Meinung "darf er" dies aber eigentlich nicht haben. Oder sagen wir besser: er darf es nicht zeigen.

Es gibt also Dinge, die kann ich für das "offizielle" Alltagsleben verstecken, während dies bei anderen eben nicht geht. Muss halt jeder selbst entscheiden, wie wichtig einem das eine oder andere Feature ist. Aber solange unsere Gesellschaft dem Mann keine Zugeständnisse macht, ist etwas m.E. schwer im Ungleichgewicht.

In einem Artikel über Transsexualität wurde die Geschichte eines Verzichts beschrieben, in der ein Mann FSH und Damenwäsche unter seiner Herrenwäsche trug und sich nach außen betont männlich gab. Eigentlich wollte er aber lieber eine Frau sein und hat dies mit vielen männlichen Elementen kaschiert (Bart, Tarnsocken), weil er sich seiner Umwelt untergeordnet hat.
Darauf aufbauend nun eine vielleicht gewagte These: der Mann wird in seiner Erscheinungsform und seiner Verhaltensweise in ein sehr enges Korsett gezwängt - bedeckte Farben und Macho-mässig. Der Frau steht das komplette Spektrum von "weich" bis "hart" offen. Wenn ein Mann nun seine Ecke des Spielfeldes verlassen will, fällt er sofort aus dem Normenrahmen und sieht sich z.T. mit Ablehnung konfrontiert. Ein Mann, der also etwas als weich oder weiblich Empfundenes in Anspruch nehmen möchte, sieht sich sofort einem enormen Druck ausgesetzt. Wäre dies nicht so, dann hätten wir vermutlich auch viel weniger Transsexuelle, eben weil das "Spielfeld" größer wäre. Aber das war jetzt in etwas plakativer Schwarz-/Weiss-Malerei ein philosophischer Exkurs
Ich sehe schon, Ferdi, wir sollten uns mal persönlich kennenlernen
Gruss aus München,

B.J.


P.S.: Kennt Ihr eigentlich den Begriff "gender fucking"? Den habe ich mal in einem Internet-Glossar gelesen, das versucht hat, die ganzen Begriffe zwischen "normal", "Transvestit" und "transsexuell" auseinanderzuhalten. Mit "gender f." wurden da alle Ansätze bezeichnet, bei der Männer (oder Frauen) mit dem Gegengeschlecht assoziierte Elemente für sich bewusst aufgreifen und sich herzlich wenig (deswegen das f-Wort) darum scheren, dass dieses Element ja eigentlich nicht für ihr Geschlecht gedacht war. Röcke, FSH und lange Haare passen also ziemlich gut unter diesen Überbegriff

Re: Jetzt bin ich beruhigt :-)

Ferdi, Monday, 24.02.2003, 17:38 (vor 8456 Tagen) @ B.J.

Hallo B.J.!

Wie Du an meinem geschilderten Erlebnis aus dem Flieger ablesen kannst, gibt es da sehr konträre Ansichten - so bekommen wir wenigstens etwas "Vielfalt".

Das ist eine übereinstimmende Aussage aller Männer, die Röcke und andere für Männer ungewöhnliche Kleidungsstücke tragen. Den Frauen gefällt das ausnahmslos, besonders auch wenn die Männer Mut zu wirklich Aussergewöhnlichem haben (ich habe im Sommer regelmässig grosse Erfolge mit farbenfrohen Faltenminiröcken).

Zu den Beinen: da hatten wir ein super Beispiel bei unserem Stammtisch dabei. Da kann wirklich manche Frau nicht mithalten.

Das kann doch nur der Markus gewesen sein. Ich kenne ihn persönlich.

Aber solange unsere Gesellschaft dem Mann keine Zugeständnisse macht, ist etwas m.E. schwer im Ungleichgewicht.

Ich trage jetzt seit 4 Jahren Röcke, ich habe mir die Zugeständnisse einfach genommen! Nun trage ich auch bei der Arbeit Röcke, sie sind für mich inzwischen gewöhnliche Alltagskleidung geworden. Dass es flächendeckend noch nicht so ist, liegt aber auch an der Zaghaftigkeit der interessierten Männer. Ich kann nicht verlangen, dass jetzt die meisten Männer Röcke tragen sollen, die meisten wollen das garnicht. Ich verlange aber, dass diejenigen Männer, die das wollen, so behandelt werden wie die Frauen. Wozu haben wir Gleichberechtigung? Diese Zugeständnisse hat die Gesellschaft den Männern zu machen, es gibt keinen rationalen Grund, ihnen das vorzuenthalten. Nichtgefallen ist kein rationaler Grund! Ich jedenfalls frage nicht irgendwen, ob er mir dies oder jenes zugesteht, dafür hat bei mir niemand Kompetenz. Ich mach das einfach, Punkt!

"Gender fucking" habe ich noch nicht gehört, aber das Wort beschreibt ziemlich genau meine eigene Einstellung. Demnach ist also das Hosentragen der Frauen erfolgreiches Gender-fucking, und genau das mache ich auch. Ich hasse übrigens diese ganzen Rituale und Macho-Allüren, diese ganzen Rollenspiele um "Männlichkeit", ich kann dieses Wort schon nicht mehr hören. Ich bin Mann, ich bin gerne Mann und habe es nicht nötig, Fassaden aufzubauen, man sieht auch wenn ich einen Rock anhabe, dass ich ein Mann bin. Also was soll der ganze Kappes? Ab in den Müll damit!

Schöne Grüsse,
Ferdi

PS: Nach München komme ich sicher auch mal wieder.

Re: Und hier fängt die Sache an zu stinken...

Collantix, Monday, 24.02.2003, 20:36 (vor 8456 Tagen) @ Ferdi

Nabend allerseits,

Ich habe natürlich als Co-Admin heute morgen sofort in die Protokolldatei des Forums gesehen. Das mache ich immer, wenn neue Teilnehmer auftauchen, deren Nick ich noch nicht kenne. Ich weiss daher genau, wer geschrieben hat. Ich respektiere aber die Anonymität des Schreibers, denn sonst hätte er sich ja selbst mit seinem Namen gemeldet. Aber eines kann ich ganz allgemein sagen: Es handelt sich um ein nicht ganz unbekanntes Unternehmen der Modebranche. Also um Fachleute.
Warum setzt sich dieser Mensch dann nicht an den Tisch und legt seine Karten auf den Tisch? Oder äußert ganz einfach sein Mißfallen?
Ich denke, jeder ist in der Lage, Kritik anzunehmen. Aber der Ton macht die Musik. Es ist jedem unbenommen, sich in eine Kneipe unauffällig an den Tisch zu setzen und zu beobachten. Die Treffen sind ja publik gemacht worden.Aber danach diesen Weg zu wählen, finde ich stillos!
Sorry, bei so etwas werde ich stinksauer!

Es gibt vielleicht auch Teilnehmer, die an solchen Treffen nicht mehr teilnehmen, weil sie sich dieser Art der Observation nicht aussetzen möchten. Ein Telefonat, das ich heute geführt habe, ging in diese Richtung. Ebenso können auch neue, interessierte Rockträger abgeschreckt werden.

Letztlich ist auch jeder für sein Tun (also auch sein Outfit) selbst verantwortlich. Daß man in bestimmten Outfits an Grenzen stößt, ist nichts neues.

Mir ist es in der Regel egal, was hinter meinem Rücken über mich erzählt wird. Meistens kriegt man es eh nicht mit. Aber solche Wege stoßen mir übel auf.

Ein ganz anderes Thema ist die Frage, warum Fachleute und Fachfirmen der Modebranche so konservativ denken und sich neuen Ideen, Strömungen und Richtungen in der Modewelt der Männer so verschliessen. Ich meine jetzt weniger die Extremoutfits bei den Accessoirs, sondern mehr die Einstellung zu Männern mit langen Haaren, mit Haar- und anderem Schmuck, mit lackierten, gepflegten Nägeln und all diese Dinge.
Das ist in der Tat ein anderes Thema. Ich bin auch gerne bereit, dieses Thema mit einem Fachman zu diskutieren. Sei es hier im Forum oder an anderer Stelle. Beobachter ist auch herzlich eingeladen, an einem unserer Treffen teilzunehmen und seine Sicht der Dinge darzulegen. Reden kann man über alles.

Muss ein Mann immer so aussehen, als käme er gerade von einer Baustelle? Ich mag Männer mit langen Haaren sehr, und in meinem engeren Freundeskreis gibt es auch einige, deren Haarpracht so manche Frau erblassen lassen. Ebenso kenne ich Männer, die haben schönere Beine als weibliche Models. Und trotzdem sind es Männer. Ich kann das Wort "Männlichkeit" schon nicht mehr hören. Wer spricht denn von "Weiblichkeit"? Frauen werden als Frauen hingenommen, auch wenn sie im Herrenanzug mit Krawatte rumlaufen. Warum gesteht man das umgekehrt nicht auch den Männern zu? Also ich mache das alles nicht mit! Lasst doch die Männer sich so geben wie sie sind. Hauptsache ist doch nur, dass sie gepflegt wirken. Mit solchen Einstellungen wird doch nur vielen Männern erst mal jeder Mut genommen, auch mal schönere, andere Wege zu gehen. Und für Firmen der Modebranche könnten sich neue Absatzmärkte eröffnen.
Dito.

Eine Firma hat das erkannt und hat gehandelt: Der Feinstrumpfwarenhersteller Levèe. Mit seiner Unisex-Strumpfhosenlinie WoMan stürmt er offenstehende Scheunentore und wird die erste Firma sein, die mit Alternativer Herrenmode den Markt aufmischt und richtig Geld verdienen wird.
Wir wissen aber auch, daß Levee sich sehr viel Zeit genommen hat und intensiv Kontakt mit Jolanda, Markus und Schorsch gepflegt hat und weiter pflegt.

Also weg mit dem Muff von tausend Jahren unter den Talaren! Neue Wege braucht der Mann!
Wir gehen doch diese neuen Wege, oder?

Gruß

Collantix

Re: so, so - ertappt :-)

heinz, Monday, 24.02.2003, 18:23 (vor 8456 Tagen) @ B.J.

Moin, moin,
dann hat mich meine Beobachtungsgabe doch nicht getäuscht, dass da jemand sehr interessiert beobachtet und über uns diskutiert hat :-)
Ein paar Punkte möchte ich, da es sich hier ja offenbar um das München-Treffen handelt, auch noch beisteuern.
Zunächst möchte ich mich kurz vorstellen: ich bin vermutlich die "Frau" aus dem Freitags-Club. Und damit bin ich auch schon mitten im Thema. Ihr findet mich nicht auf Karlis Foto, da die 3 Hosenträger nicht "repräsentativ" für einen Rockerstammtisch waren ;-)
Wie wird man nun vom Mann zur Frau? Ganz einfach:
1.) Suche lange in der Herrenabteilung, bis Du mal eine Jacke und ein Oberhemd findest, die nicht die Standardfarben schwarz, braun oder dunkelblau haben.
2.) Lass Dir lange Haare stehen. Und wenn die dann noch solche Naturlocken haben, dass Dich die Frauen reihenweise drum beneiden und Dich dauernd darauf ansprechen, dann hast Du es fast geschafft.
3.) Wenn Du es perfekt machen willst, dann nimmst Du noch einen Haarschmuck dazu. (War übrigens ein Geschenk von einer Frau.)
4.) Rock ist völlig überflüssig. Eine schwarze Herrenhose tut es auch.
Fertig ist die Geschlechtsumwandlung. Bisher dachte ich immer, dass das viel schwieriger wäre>An der Mail unseres Beobachters (er könnte übrigens auf einem von Karlis nicht-veröffentlichten Fotos drauf sein, da er schräg hinter mir sass) sehen wir doch sehr deutlich das klassische Denkmodell:
a) Der Mensch sieht nur das, was er sehen will.
b) Über Geschmack läßt sich streiten.
c) Männer sind dann elegant, wenn sie sich in das klassische Muster (dunkle Farbe, bloss nichts "Weibisches") einfügen.
d) Bei Frauen ist alles erlaubt - bei Männern nichts.
Und das von einem "Modeexperten". Mann, so können wir niemals aus unserer grauen Langweiligkeit herauskommen!!! (Ferdi, mich wundert, dass Du dieses Mal so sehr konform gehst - bist Du krank??? ;-)
Mal eine Gegenbeobachtung von mir, ist ca. 10 Tage alt. Ich habe im Flieger neben 2 Redakteurinnen einer grossen Modezeitschrift gesessen, die auf dem Weg zu einem Foto-Shooting waren. Die hatten nun eine ganz andere Einstellung: Sie würden es sehr begrüssen, wenn manche Ansätze aus dem Damenoberbekleidung für Herren übernommen würden. Also z.B. Schnitte und Farben. Sie fanden übrigens Dries van Noten echt toll - der (s.o.) ja in dem neulich auch hier verlinkten Artikel der Süddeutschen absolut runtergemacht wurde. Ihr Fazit war nach dem Motto, dass sie absolut froh sind, Damenoberbekleidung zu machen, weil das Herrenzeugs zumeist einfach nur langweilig ist.
Und dann war da noch die Sache mit den Dingen, die dem "normalen" (was auch immer das sein mag) Mann so wichtig sind:
i) vielleicht "Feuer, Pfeife, Tabak" ?
ii) ein tolles Auto ?
iii) ein Schnurrbart, da man damit so toll männlich wirkt und immer dran spielen kann?
iv) Handy mit Wechselschalen, usw.
Ich sage nur: jedem seinen FETISCH>Nur schade, dass die "Normalo"-Fetische toleriert sind, die nicht ganz so offensichtlichen aber leider nicht. Und wenn man dann noch mehrere seiner Fetische vorführt, dann wird es problematisch. Stimmt schon, wenn ich 3 tolle Handies auf den Tisch lege (Motto: "mein Haus, mein Auto, mein Boot"), dann fällt das nicht so auf und ist wohl mainstream-konform. Ich könnte natürlich auch alle mit raus in meine Garage nehmen, wo meine tolle Schlitten stehen>Schade eigentlich, dass speziell Männer immer noch soviel Angst davor haben, dass ihnen ein Stückchen ihrer Männlichkeit verloren geht, wenn sie einen "Tick Weiblichkeit" (was auch immer das sein mag) an sich haben oder sich mit Händen und Füssen davon distanzieren, wenn sie das bei anderen sehen.
Ich hoffe, Euch mal wieder etwas zum Nachdenken angeregt zu haben ;-)
Eure (bin ja nun offenbar "gewandelt") B.J.

P.S.: Eigenltich sollte die Geschichte jedem gezeigt haben, dass man nur dann etwas verändert, wenn man mal den ausgetretenen Pfad verlässt.


Hallo B.J.

Zuerst mal [image] [image]

Wegen der Hosen: Seit ca einem Jahr kaufe ich die Hosen (wenn ich noch kaufe!)ausschliesslich in der Boutique, wo ich auch die meisten meiner Röcke gejkauft habe, in der Damenabteilung. Es sind sehr schöne, enge, strechige Jeans mit Streifen oder sonstigen Verzierungen und zum Teil Hüfthosen! Mit Grösse 38 und sehr schlanken Beinen (eben nicht die haarigen Birkenstämme, die schon von so vielen Leuten immer wieder beschrieben worden sind, zu Unrecht!!!)passe ich sehr gut in diese Röhren hinein. Die Chefin im Laden (Führt auch Modeshows durch!) war sogar äusserst begeistert, als ich das erstemal eine solche Hose anprobierte. Dazu trug ich schwarze Stiefeletten mit 5,5 cm Absätzen (breit! Wir Männer hatten so ca in den 70iger Jahren auch solche!), ein weisses Rüschen-Herrenhemd und ein schwarzer Gehrock (langes Veston, Herren!!!). Spitze!

Ich wurde zwar nicht gerade als Frau "eingestuft", aber gewisse Leute schauten schon zweimal hin, die Hingucker waren häufiger, als wenn ich im Rock unterwegs bin (es war an einem Samstag!).

In der Schule haben die Schüler auch bald einmal gemerkt, dass dies keine "normalen" Herrenhosen sein können; denn so formschöne, elegante und vielfältigen Modelle gibt es bei uns ja gar nicht! [image]

Ich trage also auch noch Hosen, nicht nur Röcke, aber wenn Hosen, dann etwas Exklusives und das findet man(n) eben nur in der riesigen Auswahl bei den Damen!
Ich male mir die Fingernägel an, ich bleiche die Haare, dazu kommt manchmal noch ein Farbton hinein, ich habe einen Ohrring, Ich trage Schuhe (damen) mit hohen dicken Absätzen (keine "Bleistiftabsätze"!), manchmal schminke ich mich dezent um die Augen.....also, nach dem Beobachter heisse ich von nun an Henriette.

fffffffffffffffffff.....muss etwas Luft ablassen..

Gruss
heinz

Re: Rockertreffen

Christian, Monday, 24.02.2003, 19:06 (vor 8456 Tagen) @ Beobachter

Hallo unbekannter Beobachter
Schade das du nicht den Mut aufgebracht hast mit uns zu sprechen.
Du findest wir sind nicht wert als Werbung für Rocktragende Männer zu dienen.
Weil einer einen Lackrock trug?
Er besitzt auch viele viele andere Röcke und weil wir unter uns sind wagt er vieleicht auch seine ausgefallerenen Modelle.
Ein anderer hat lange blonde Haare?
Uups, wie schrecklich ungewöhnlich.
Ein anderer trug einen kurzen Rock?
Wahrscheinlich gefallen ihm die langen nicht.
Ich war übrigens der Herr im knielangen Lederrock, und ich trug auch noch Strumpfhosen und Stiefel.
Ich habe keine langen Haare und sonst denke ich bin ich auch ganz normal, ausserdem fand ich, das ich durchaus der Jahreszeit entsprechend gekleidet war.
Bin ich auch als Freak zu bezeichnen?
Du schreibst du bist potentieller Rockträger, was trägst du den für Röcke? Und wo trägst du sie?
Welche Röcke sollte den ein Mann tragen, um deiner Meinung nach unserer Gesellschaft als Beispiel zu dienen?
Fakt ist doch wohl das nur ein selbstbewußter Mann überhaupt wagen kann den normalen Bekleidungszwängen zuwider zu laufen.
Da meines Wissens in unserer Runde ausschließlich Heterosexuelle Männer mit ganz normalem Umfeld angehören, scheinen wir alle ausgesprochen selbstbewußt zu sein. Wer sich davon abgestoßen fühlt, den find ich nicht normal.
Wer keinen Arsch in der Hose hat, der ist wahrscheinlich eh nicht geeignet Röcke zu tragen.
Christian

Normal ist Ungesund...

KtV, Monday, 24.02.2003, 23:23 (vor 8456 Tagen) @ Beobachter

Moin Beobachter,

berücksichtige bitte dabei, daß eine ganze Reihe Rocker in einer Art Findungsphase sind. Es gibt keine Referenzen, die eine Orientierung ermöglichen... Hier findet Pionierarbeit statt... Und das die nicht unbedingt jedermenschs Geschmack ist, liegt auf der Hand
Eine Einteilung in Schubladen trägt nicht dazu bei, dies zu unterstützen
Abgesehen davon, gibt es keinen Grund, krampfhaftig Normalität zu spielen
Gruß

KtV

Was ist normal?

Roland RA, Tuesday, 25.02.2003, 07:50 (vor 8456 Tagen) @ Beobachter

Hallo Beobachter,

Oft lästern wir in unserer grossen Firma: Geschäftsleitung spinnt und glaubt sich normal.

Zur Zeit springen bei uns in Baden Württemberg viele normale Männer in Röcken durch die Strassen und glauben sich verrückt. Schwäbisch allemannische Fasnet: Männer und Frauen in der Zunft als Hexen, Schrättele, Kräuterweiber oder sonst was. Ich halte diese Männer als nicht verrückt
Gruss aus Oberschwaben