Erste Erfahrugen in der Wildnis

Til, Tuesday, 28.01.2003, 07:59 (vor 8471 Tagen)

Hallo Leute,
ich lese schon seit einiger Zeit mehr oder weniger regelmäßig im Forum, habe aber noch nie etwas gepostet. Was mir allerdings am Samstag passiert ist muß ich jetzt mal loswerden:
Ich bin / war bisher ein Privatrockträger, weil ich einfach zu feige bin mit dem Rock raus zu gehen, einzige Ausnahme ist mal am Abend noch eine Runde mit dem Auto zu Zigarettenautomaten oder etwas weiter zu fahren, das ist irgendwie „öffentlich“ und trotzdem sieht’s keiner ;-). Also, am Samstag war’s wieder so weit, ca. 17Uhr waren die Zigaretten aus (ich denke aufgrund des Vorfalls werde ich das Rauchen aufgeben, eil man davon leicht einen Herzinfarkt bekommt) ich war zu faul mich umzuziehen und bin ins Auto gestiegen um Nachschub zu holen. Als ich bereits versorgt war wollte ich einfach noch ein bisschen weiterfahren und bin bis zum Bahnhof von Leipzig weiter gefahren. An einer Ampel, fast unmittelbar am Bahnhof ging plötzlich der Motor aus – uhps… Anlasser betätigt und nix! Anlasser dreht, aber er will nicht mehr anspringen nach 5 Minuten erfolglosem Probierens und diverser genervter Hintermänner kriecht in mir die Verzweiflung hoch, ich bin fast 10 km von zuhause entfernt und habe keine „Nothose“ dabei. Während ich gerade noch grüble was ich tun könnte hält neben mir die Polizei , fragt was los sei und fordert mich auf mein Fahrzeug auf die Seite zu schieben. Uahhh! Aber was soll ich machen ich steige also aus, und stehe das erste Mal anderen Leuten im Rock gegen über – Blutdruck 1000, puls 500, Adrenalin bis in die Haarspitzen. [image] Als mein Auto „aufgeräumt„ halb auf dem Gehweg steht, verabschieden sie sich und sind weg – scheinbar haben sie den Rock nicht bemerkt, oder er war ihnen völlig egal. Der Puls sinkt wieder als ich im scheren Auto sitze, aber mein Problem ist noch nicht wirklich gelöst – wen soll ich anrufen um mein Auto wieder flott zu bekommen? Einen Freund, ADAC? Ich entscheide mich mit ungutem Gefühl für den ADAC. Schon nach 20 Minuten kommt ein Herr in gelb, mustert mich von unten nach oben und wieder zurück und fragt nach dem Problem. Die Fehlerursache hat er schnell gefunden, nur beheben kann er sie nicht, die Einspritzanlage hat aufgegeben. Er fragt mich also wohin er mich schleppen solle, was ich, immer noch unter Drogen stehend (Adrenalin) gar nicht verstehe. Irgendwann einigen wir uns auf die nächste Merzedeswerkstatt die er kennt und ich bin heilfroh endlich wieder sicher in einem rollenden Auto zu sitzen wenn auch an einem Haken. Die Entspannungsphase ist allerdings nur von kurzer Dauer, irgendwann stellt er mich im Auto an einer geschlossenen Werkstatt ab und verabschiedet sich.
So, da stehe ich jetzt im Rock, mitten in Leipzig mit meiner kaputten Mühle und muss irgendwann irgendwie heim. Ich für ein Taxi habe ich leider nicht genug Geld dabei, einen Freund mag ich so nicht bitten, mir bleibt also nur zu Fuß gehen, oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Tief in der Nacht wäre es ja kein Problem gewesen, aber um diese Zeit, es ist kurz vor 19Uhr, sind noch viele Menschen auf den Straßen; ich entscheide mich für den Fußweg ca. 8km . Nach ca. 20 Minuten wird mir allerdings ziemlich kalt, (Halbschuhe, 20er FSH, knielanger dünner Viskoserock (eigentlich ein Sommerrock) Lederjacke) außerdem begegnen mir jede Menge Leute – ich wusste bislang nicht wie viele Leute an einem Samstag Abend nichts besseres zu tun haben, als sinnlos umher zu laufen. Die meisten Leute scheinen mich allerdings gar nicht wahr zu nehmen. Irgendwann, ich habe immer noch einen längeren Weg vor mir, komme ich an einer Haltestelle vorbei deren Linie mich fast direkt nach Hause bringen würde. Da bislang nichts Besonderes passiert ist entschließe ich mich den Bus zu nehmen und steige in den nächsten Bus (Puls nur noch moderate 200) Außer ein paar wenig intelligenten Blicken der anderen Fahrgäste passiert nichts. 20 Minuten später komme ich fix und fertig zuhause an, und wenn ich mir den Ausflug noch mal durch den Kopf gehen lasse schnellt mein Puls wieder hoch, auch wenn mir klar geworden ist, dass meine Kleidung niemanden wirklich interessiert hat – dass eine größere Reparatur für mein Auto fällig ist, ist mir erst sehr viel später bewusst geworden; ohne Rock hätte ich mich vermutlich sofort maßlos darüber geärgert.


Til

Re: Erste Erfahrugen in der Wildnis

Martin, Tuesday, 28.01.2003, 08:57 (vor 8471 Tagen) @ Til

Und du siehst, so kann man auch erfahren, dass Rocktragen in der Öffentlichkeit gar nicht so schlimm ist. Auch ne nette Variante. Weiter so.
Martin (alter Rockhase)

Re: Erste Erfahrugen in der Wildnis

Wolli, Tuesday, 28.01.2003, 09:02 (vor 8471 Tagen) @ Til

Hallo Til,

mit einem schmunzelnden Gesicht habe ich deine Story gelesen. Das ist wohl der nervliche Supergau für einen angehenden Rockträger in der Öffentlichkeit. Aber Du hast, wie die meisten von uns, gemerkt daß der ganze Stress sich in unseren Köpfen abspielt. Real ist meist garnichts dran und außer ein paar erstaunten Blicken passiert selten etwas.
Ich hoffe, Du hast dadurch etwas Selbstvertrauen getankt und wagst dich vielleicht auch einmal so hinaus, besonders wenn das Wetter mal wieder besser ist.

viele Grüße Wolli [image]

Re: Erste Erfahrugen in der Wildnis

Ferdi, Tuesday, 28.01.2003, 09:29 (vor 8471 Tagen) @ Wolli

Hallo Till!


Ich hoffe, dass Du nun Deine Hemmungen verloren hast und oefters mal Rock traegst. Bei mir ist es fast schon andersrum: Ich habe schon Hemmungen, mal eine Hose anzuziehen, weil die Kollegen dann sofort fragen wuerden, was denn los sei. Sie sind es einfach nicht mehr gewohnt, dass ich auch Hosen tragen koennte.

Viele Gruesse!

Ferdi

Re: Erste Erfahrugen in der Wildnis

Johannes, Tuesday, 28.01.2003, 12:19 (vor 8470 Tagen) @ Til

Hallo Til,

zugegeben, ein bißchen nervös und unsicher war ich schon beim ersten mal im rock - und die wiederholungen waren erst einmal dünn gestreut. Und inzwischen ist das alles längst überwunden.

Neulich bin ich anläßlich eines vorstellungsgespräches im "eleganten" anzug mit weste und krawatte unterwegs gewesen - da hatte ich mich wesentlich komischer gefühlt, fast hätte ich mir gedacht, nackt würde ich mich wohler fühlen, als in dem kasperl-g´wand.

Johannes

Re: Erste Erfahrugen in der Wildnis

MAS, Tuesday, 28.01.2003, 13:20 (vor 8470 Tagen) @ Til

Köstlich!!!

Re: Erste Erfahrugen in der Wildnis

Thomas S, Tuesday, 28.01.2003, 13:54 (vor 8470 Tagen) @ Til

Hallo Leute,
ich lese schon seit einiger Zeit mehr oder weniger regelmäßig im Forum, habe aber noch nie etwas gepostet. Was mir allerdings am Samstag passiert ist muß ich jetzt mal loswerden:
Ich bin / war bisher ein Privatrockträger, weil ich einfach zu feige bin mit dem Rock raus zu gehen, einzige Ausnahme ist mal am Abend noch eine Runde mit dem Auto zu Zigarettenautomaten oder etwas weiter zu fahren, das ist irgendwie „öffentlich“ und trotzdem sieht’s keiner ;-). Also, am Samstag war’s wieder so weit, ca. 17Uhr waren die Zigaretten aus (ich denke aufgrund des Vorfalls werde ich das Rauchen aufgeben, eil man davon leicht einen Herzinfarkt bekommt) ich war zu faul mich umzuziehen und bin ins Auto gestiegen um Nachschub zu holen. Als ich bereits versorgt war wollte ich einfach noch ein bisschen weiterfahren und bin bis zum Bahnhof von Leipzig weiter gefahren. An einer Ampel, fast unmittelbar am Bahnhof ging plötzlich der Motor aus – uhps… Anlasser betätigt und nix! Anlasser dreht, aber er will nicht mehr anspringen nach 5 Minuten erfolglosem Probierens und diverser genervter Hintermänner kriecht in mir die Verzweiflung hoch, ich bin fast 10 km von zuhause entfernt und habe keine „Nothose“ dabei. Während ich gerade noch grüble was ich tun könnte hält neben mir die Polizei , fragt was los sei und fordert mich auf mein Fahrzeug auf die Seite zu schieben. Uahhh! Aber was soll ich machen ich steige also aus, und stehe das erste Mal anderen Leuten im Rock gegen über – Blutdruck 1000, puls 500, Adrenalin bis in die Haarspitzen. [image] Als mein Auto „aufgeräumt„ halb auf dem Gehweg steht, verabschieden sie sich und sind weg – scheinbar haben sie den Rock nicht bemerkt, oder er war ihnen völlig egal. Der Puls sinkt wieder als ich im scheren Auto sitze, aber mein Problem ist noch nicht wirklich gelöst – wen soll ich anrufen um mein Auto wieder flott zu bekommen? Einen Freund, ADAC? Ich entscheide mich mit ungutem Gefühl für den ADAC. Schon nach 20 Minuten kommt ein Herr in gelb, mustert mich von unten nach oben und wieder zurück und fragt nach dem Problem. Die Fehlerursache hat er schnell gefunden, nur beheben kann er sie nicht, die Einspritzanlage hat aufgegeben. Er fragt mich also wohin er mich schleppen solle, was ich, immer noch unter Drogen stehend (Adrenalin) gar nicht verstehe. Irgendwann einigen wir uns auf die nächste Merzedeswerkstatt die er kennt und ich bin heilfroh endlich wieder sicher in einem rollenden Auto zu sitzen wenn auch an einem Haken. Die Entspannungsphase ist allerdings nur von kurzer Dauer, irgendwann stellt er mich im Auto an einer geschlossenen Werkstatt ab und verabschiedet sich.
So, da stehe ich jetzt im Rock, mitten in Leipzig mit meiner kaputten Mühle und muss irgendwann irgendwie heim. Ich für ein Taxi habe ich leider nicht genug Geld dabei, einen Freund mag ich so nicht bitten, mir bleibt also nur zu Fuß gehen, oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Tief in der Nacht wäre es ja kein Problem gewesen, aber um diese Zeit, es ist kurz vor 19Uhr, sind noch viele Menschen auf den Straßen; ich entscheide mich für den Fußweg ca. 8km . Nach ca. 20 Minuten wird mir allerdings ziemlich kalt, (Halbschuhe, 20er FSH, knielanger dünner Viskoserock (eigentlich ein Sommerrock) Lederjacke) außerdem begegnen mir jede Menge Leute – ich wusste bislang nicht wie viele Leute an einem Samstag Abend nichts besseres zu tun haben, als sinnlos umher zu laufen. Die meisten Leute scheinen mich allerdings gar nicht wahr zu nehmen. Irgendwann, ich habe immer noch einen längeren Weg vor mir, komme ich an einer Haltestelle vorbei deren Linie mich fast direkt nach Hause bringen würde. Da bislang nichts Besonderes passiert ist entschließe ich mich den Bus zu nehmen und steige in den nächsten Bus (Puls nur noch moderate 200) Außer ein paar wenig intelligenten Blicken der anderen Fahrgäste passiert nichts. 20 Minuten später komme ich fix und fertig zuhause an, und wenn ich mir den Ausflug noch mal durch den Kopf gehen lasse schnellt mein Puls wieder hoch, auch wenn mir klar geworden ist, dass meine Kleidung niemanden wirklich interessiert hat – dass eine größere Reparatur für mein Auto fällig ist, ist mir erst sehr viel später bewusst geworden; ohne Rock hätte ich mich vermutlich sofort maßlos darüber geärgert.

Til


Hallo Til,

der Preis für die erste Wildnistour war zwar etwas hoch (Auto hin), aber nun kann Dich doch so schnell nichts mehr aus der Bahn werfen. Bei deinen nächsten Touren wirst Du dann erst das Wunderbare Gefühl des Rockes genießen können, weil Du nicht mehr so viel damit beschäftigt bist, deinen Adrenalinspiegel in den Griff zu bekommen.

immer schön braf weiterrocken

Grüße

Thomas S.