Die Geschichte des Rockes im europaischen Raum
Um mit den Worten Michael Mittermeiers zu sprechen: die Geschichte des Rockes ist eine Geschichte voller Mißverständnisse
Oder kurz in meinen Worten: Warum es einfach nicht stimmt, daß der Rock a) vor der Hose entwickelt wurde und b) dies der Fall sei, weil er ja viel praktischer, wärmer im Winter und kühler im Sommer, als die Hose sei. Diesen Irrglauben werde ich für den europäischen Raum, denn für den kann ich sprechen, endgültig aus der Welt schaffen.
Als erstes schlage ich vor, sich auf zwei Zeiten und drei Kulturen für dieses Unterfangen zu einigen: die Antike, hier Griechenland sowie später Italien und das Mittelalter in Deutschland. Die Gründe dafür liegen auf der Hand, denn in der Antike war schlichtweg der Mittelmeerraum das Kulturzentrum. Hier hatten Sprache und Geschichtsschreibung eine lange und für den europäischen Raum konkurrenzlose Blütezeit. Auch die meisten Berichte über das Aussehen und die Kleidung der damaligen Germanen stammen deshalb aus römischer Feder, da das Gebiet des heutigen Deutschlands ja bekannter Maßen eine lange Grenze, den sogenannten Limes, zum römischen Reich aufwies.
Deutschland im Mittelalter habe ich gewählt, weil sich etwa um diese Zeit in unserer Region das Schneiderhandwerk entwickelte, d.h. zum ersten mal körpernahe Schnitte aufkamen und damit auch die Notwendigkeit ganzer Nähte, statt einzelner Verbindungsstiche bestand.
So, jetzt kann es losgehen. Kleidung, bevor und nachdem das Schneiderhandwerk erfunden war
Bei den Griechen setzen sich die Kleidungsstücke ausschließlich aus Rechtecken zusammen. Eines der Bekanntesten ist wohl jenes, daß die Römer später Tunika nannten. Im Grunde werden dafür zwei rechteckige Stoffstücken übereinander gelegt und an einer der schmaleren Seiten an mindestens zwei Stellen, Abstand war etwa 30-35 cm, verbunden. Durch den entstandenen Zwischenraum wurde der Kopf gesteckt, dadurch kamen die Fixierungen auf den Schultern zu liegen. Noch ein Gürtel um die Taille und an den Seiten die Tücher etwas übereinander gelegt - voila. Fertig ist die Tunika. Sie hieß bei den Griechen eben nur etwas anders (hab ich leider vergessen). Die Ausführung für die Damen war zumeist nur etwas länger als die der Herren, ansonsten unterschieden sich nur die verwendeten Stoffarten, Gürtel und Spangen. Die rechteckige Form liegt hierbei einfach darin begründet, daß Stoffe gestern wie heute in Bahnen gewebt werden. Erst bei den Römern taucht eine neue Form auf: das Oval. Im Gegensatz zum griechischen Himation, eine Art Wickelmantel, hatte die Toga nämlich eine ovale Grundform.
Wir halten fest: In der Antike gab es also eine gewisse Wickeltuchmode, die bei den Herren so etwas wie ein langes Hemd und bei den Frauen eine Art Kleid hervorbrachte, wobei der überflüssige Stoff als Scheinärmel die Schultern herabhing. Die Fixierung der Stoffteile erfolgte durch Gürtel und Spangen (Fibeln). Da die Bekleidung einteilig war, lief also praktisch niemand im Rock bzw. Wickeltuch rum, denn im allgemeinen wurde mindestens eine Schulter bedeckt. Außer bei den Athleten, die ja nun komplett nackt rumwetzen.
An dieser Stelle sei gesagt: Wer schon das Umschnallen eines Tierfells mittels eines Stricks als kleidungs- und gestaltungsbewußtes Rocktragen sieht, kann aus meiner Sicht genauso gut behaupten, die Zahnmedizin hätte ihre Wurzeln im ersten Faustkampf der Steinzeit.
Und nun weiter zum Mittelalter. Im Mittelalter tauchten erstmalig Schnitte auf, das heißt die Kleidung wurde körpernaher und setzte sich nicht mehr ausschließlich aus Rechtecken zusammen. Es entwickelte sich eine Art Abnäher in Schnürform, aber auch schon mehrbahnige Schnitte bei den Kleidern und Aufkeilungen. Schon im frühsten Mittelalter wurde, angeblich bei den Kelten, eine Art Hose entwickelt. In der einfachen Form zwei Tunnel, die dann am Untergewand festgenestelt (festgeschnürt) wurden. Die Hose war also in gewisser Weise zwei bzw. dreiteilig und wurde genau wie die Ärmel vieler Kleider und Hemden angeschnürt, damit sie nicht entfleuchen konnte.
Wirft man einen Blick in Bücher zum Thema, findet man jede Menge Abbildungen dieser Hosen, Abbildungen der aufgekeilten Kleider und von Kleid + Unterkleid Kombinationen. Ich persönlich erinnere mich aber an überhaupt keine Rockabbildungen, halte Röcke aber in der Unterschicht zumindest für möglich.
Fazit: Hose und Rock sind etwa zur gleichen Zeit entstanden. Wobei sich die Hose vermutlicht aus den Wadenwickeln bzw. Beinschienen und sich der Rock aus der Teilung des Kleides entwickelt hat. Ich nehme mir das Recht, das zu behaupten, weil die reine Kiltform heute weniger als zwei Prozent ausmachen dürfte und eben seinerzeit eine "Notlösung" und keine aktive Wahl war, da sich die Schnittkonstruktion erst viel später entwickelte.
Abschließend wäre zu sagen: Die wenigsten Ritter hatten einen Bürojob. Da es zu Pferde eben doch praktischer und der Stoffverbrauch für den gleichen Wärmeeffekt doch um einiges geringer ist, erklärt sich der Siegeszug der Hose in der Männerwelt von selbst. Im übrigen, wer unterm Rock eine Strumpfhose trägt und mir sagt, dass ihm ja 1) so wunderbar warm ist und 2) er sich bei Hitze die Beine nicht wund scheuert, mogelt. Schließlich trägt er eine Hose drunter. Ja, meine Herren, die Strumpfhose ist kein Rock und hat sich sicherlich auch nicht aus ihm entwickelt *ätsch*!
Hes - das mußte mal gesagt werden!
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) oder sie hatten einen anderen Namen. Das ist mir aber noch einmal schnorz, denn ich lebe jetzt (2003) hier in der Schweiz, in Europa und nicht in der Antike.![[image]](https://web.archive.org/web/20030717161954im_/http://bilder.parsimony.net/smilies/aetsch.gif)
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) oder sie hatten einen anderen Namen. Das ist mir aber noch einmal schnorz, denn ich lebe jetzt (2003) hier in der Schweiz, in Europa und nicht in der Antike.![[image]](https://web.archive.org/web/20030717164321im_/http://bilder.parsimony.net/smilies/aetsch.gif)
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dem kann ich nicht's mehr hinzufügen *blinzel*