@ Miguelito "Mittelpunkt und Schatten"
Hallo Miguelito,
ich schuldete Dir ja noch eine Antwort auf dieses Posting zum Thema "Mittelpunkt und Schatten"
[...] Na und? Müssen wir perfekt aussehen, perfekt sein??? Machen uns Fehler nicht erst zu Menschen. Die Teppichknüpfer in Afghanistan machen absichtlich Fehler in ihre Teppiche, weil nur Gott perfekt ist. Das wollen sie damit ausdrücken. Und müssen wir alle einem bestimmten Bild entsprechen, das wiederum weit gehend von den Medien und der Wirtschaft bestimmt wird.
Wenn wir alle perfekt wären, würden wir uns verdammt langweilen, zumindest wenn es um die Art "Perfektion" geht, die heute allgemein unter dem Wort "perfekt" verstanden wird: die absolut gerade Linie, ein absolut symmetrisches Gesicht etc. In der Kunst findet man das vielleicht im Stil des Bauhauses und des Naturalismus wieder. Eigentlich zwei vollkommen unterschiedliche Richtungen, aber beide doch sehr perfektionistisch.
Künstler des Naturalismus waren bestrebt, das, was sie sahen, genau so darzustellen, wie sie es vor sich sahen, und erreichten dabei den Perfektionsgrad einer heutigen Photographie. Das "Können" diese Künstler bewundere ich, doch wenn ich ehrlich bin, kann eine rein naturalistische Ausstellung schnell fad werden. Die Bilder sind einfach so perfekt, daß dem Auge nichts mehr verborgen bleibt. Es gibt nichts zu entdecken, keine reizvollen Pinselstriche, keine Fragen
Das Bauhaus dagegen ist eine Stilrichtung, die sich selbst erfunden hat. Nie vorher dagewesen und absolut nutzorientiert, pragmatisch, ergonomisch. Perfekt für den Zweck. Am bekanntesten dürfte wohl der typische Arztvorzimmerstuhl gewesen sein. Meist in der Ausführung: Stahlrohr mit schwarzem Leder. Viele Sachen, die das Bauhau hervorgebracht hat, gefallen mir ausgesprochen gut, trotzdem empfinde ich manche Bauhausausstellung als beklemmend. Warum? Nun, etwas, das absolut nutzorientiert ist, ist selten "was für 's Herz". Deshalb finden sich zum Beispiel zwar viele Formen des Bauhaus im heutigen Design wieder, weil sie bewährt sind, werden dann aber mit Plüsch bezogen, mit Gumminippeln beklebt und weiß ich nicht was.
Zwei Beispiele, die vorallem eins zeigen sollen: Absolute Perfektion ist nicht erstrebenswert, weil sie entweder nicht inspiriert, da sie keine Fragen aufwirft, oder sie ist einseitig (z.B. nur pragmatisch), so daß sie einen Teil von uns doch nicht recht befriedigt. Fazit: Perfektion fordert Opfer, man muß auf etwas anderes / eine (anderen) Teil verzichten! An einen Mensch und manchen Gegenstand wird ja nie nur eine Anforderung gestellt. Denn der Mensch besteht nun einmal aus Herz und Verstand. Aus meiner Sicht sind also nur perfekte Kompromisse erstrebenswert und nicht Perfektion.
[...] Ich glaube, bei all dem Druck der durch die Medien erzeugt wird, besteht eine tiefe Sehnsucht einfach so zu sein, wie man/frau sich wohl fühlt oder gerne sein möchte. Diese Sehnsucht greift die Werbung auch immer wieder auf. Zum Beispiel für die Zigarettenmarke West oder ganz aktuell für Espesso von Lavazza.
Ich glaube, die Werbung von Lavazza hat nur wenig damit zu tun, "so zu sein, wie man ist". Denn so ist doch nun wirklich keiner in den eigenen vier Wänden, oder? Es geht in der Werbung doch viel mehr darum, ein individueller Querdenker zu sein. Frei und ungebunden, ein Mensch der sich seine eigenen Normen erfindet und auch wieder bricht, wenn ihm danach ist. "Der Indianer in der Großstadt" - so ein bißchen Marlboroman andersrum *zwinker*. Sicher, jeder fühlt in sich auch den Drang einmal zu rebellieren, der Rebell zu sein - Rock 'n Roll. Aber warum genügt es eigentlich nie, einfach man selbst zu sein?
Den Ansatz sehe ich in diesem Beispiel von Dir nicht. Wenn ich ich bin, trinke ich eher den Tee und klebe mir nicht die Tasse auf den Rücken *lach*.
Ist die ewige Selbstbestätigung, die man/frau zum Erhalt seines Selbstwertgefühls braucht, nicht ziemlich narzistisch???
Natürlich ist diese Art der Selbstbestätigung narzistisch. Trotzdem habe ich gegen ein bißchen Eitelkeit an sich nichts einzuwenden, aber man muß sich klar sein, das diese Form von Selbstwertgefühl auf etwas sehr "gehaltlosem" beruht. Ich betrachte nur Dinge als "gehaltvoll", die etwas bewegen. Das fällt der Schönheit wesentlich schwerer, als einer guten Tat oder einem schönen, gestaltgewordenem Gedanken. Die Schönheit bewegt meist nur für eine Sekunde: Nämlich den Kopf eines Mann, wenn er einer Frau auf der Straße hinterhersieht *räusper* *grins*.
[...] Es hängt hier auch wieder von dem Gefühl ab, das die Frau sich selbst gegenüber hat. Manche verstecken ihren Körper hinter Wallegewänder und schämen sich, weil sie sich soooo dick fühlen. ;-(((( Wenn jemand, egal ob Mann oder Frau sich selbst akzeptiert und anfängt zu lieben - das fällt vielen sehr schwer - oder gar glücklich verliebt ist, dann wirkt er/ sie sehr anziehend und attraktiv auf andere.
Es gibt viele Männer, wie mich zum Beispiel, die dicke Frauen absolut sexy und attraktiv finden und ich bin weiß Gott nicht der einzige!
Diese "Wallegewänder" sind bei mir eher eine Bequemlichkeitsfrage. Oben rum habe ich es eben gern weit und luftig. Unten rum darf 's dann auch daheim eine Leggins sein. Nun, es hält sich ja beharrlich das Gerücht, daß viele Männer auf dicke Frauen stehen, die haben sich mir aber (bis auf meinen Freund) noch nicht gezeigt. Scheint 'ne eher schüchterne Spezies zu sein *grins*, vielleicht bin ich aber auch ein zu abschrekendes Mannsweib. Schämen tue ich mich jedenfalls nicht, wäre ja noch schöner
, weil ich mich kaum über mein Äußeres definiere. Außerdem kann ich mir Scham auf der Bühne nicht leisten. Zur Zeit mache ich zwar Pause, aber bald will ich zumindest auf die "Slam Poetry" Bühnen zurückkehren.
Frohes Neues nachträglich, ne!?
Hes
, weil ich mich kaum über mein Äußeres definiere. Außerdem kann ich mir Scham auf der Bühne nicht leisten. Zur Zeit mache ich zwar Pause, aber bald will ich zumindest auf die "Slam Poetry" Bühnen zurückkehren.