Kostümbildnerei
Hi, liebe Mitrocker!
Begeisterungsfähigkeit an und für sich ist nicht schlecht! Und wofür man sich alles begeistern kann: der eine für Börsenkurse, der nächste für Tangas mit Strapsen, für Luxushotels mit fünf Sternen, für Bratwurst mit Ketchup, für Schmusen bei "Landser"-Hardrockklängen, Peterchens Mondfahrt, den eigenen Chef, die "grüne Welle" auf der Heimfahrt ... und, und, und eben auch für - tssssssss, pfffffffff - wie soll ich sagen? für ... : na gut: für einen echt überteuerten und eigentlich mies verarbeiteten "Erikkilt" von Mad-Bat. [schwitz] - jetz' iss'es raus.
Sven Donath! Jaaa, ich gedenke Deiner skeptischen und außerordentlich berechtigten Einwände, die Du mir in weiser Voraussicht zur Kenntnis gebracht hast, eehhrlich!
Und was Ulrike erst mal alles gesagt hat, gesagt ist ja fast untertrieben: "So eine miserable Schneiderarbeit, so ein billiger Stoff, so lieblos - unvollendet! Sofort retour damit: schlechte Verarbeitung, keine Qualität!!! Die meinen wohl, Männern kann man das zumuten!" "Stimmt alles, stimmt alles, geb' ich zu, ist ja wahr - ist aber auch schon bezahlt ... Vorkasse! Von wegen der eingesparten Versandkosten [peinlich]..." (Das das kein Argument ist, ist mir auch klar.) Mit langer Nase saß ich beim Frühstück. Es war doch einfach zu schön, ausgeruht aufwachen, erwartungsvoll die Sendungen des Postboten entgegen nehmen, drei Tage nach der Bestellung - prompt bedient. Platt gesagt: "Wat nu?" Heimliche Anprobe, Test möglicher Kombinationen, Krisenmanagement, Reformpläne zur Überarbeitung des erfolgten maßgerechten Kiltzuschnitts, dann alles etwas sacken lassen, Ruhe im Wasserglas. Und was dabei rauskommt, fragt Ihr wirklich?? Ist doch klar: meins bleibt meins.
"Du brauchst mir den 'Erik' wirklich nicht zu schenken, Ulrike! Ich denk' nur ... irgendwie hat der was, und ist ja auch nur so für die Freizeit, so just for fun, - knitteriger Stoff - fällt nicht ordentlich -, ja - nä - is' schon klar .. Der Schnitt ist aber so schön simpel, stimmt's, irgendwie so genial simpel, kann man sogar als Laie erkennen. Und zu Weihnachten - ein Aderlass-Kilt, das wär doch noch schön..."
Jetzt weiß ich nicht so recht, soll ich Mad-Bat aus dem Einkaufsführer löschen?!? oder hab' ich Euch zur Genüge gewarnt!?!
Wißt Ihr, man kann sich auch philosophisch darüber auslassen, ob Kostümbildnerei und Schneiderei nicht per se unterschiedlichen Bedarf bedienen. Wenn Anika meinen Kilt "mal eben so" aus der Lamäng hingedipst hat, unter Verwendung eines bestenfalls als Slipgummi definierbaren elastischen Elementes und ohne den Saum vollständig zu vernähen (von weiteren Unregelmäßigkeiten ganz zu schweigen), dann ist das theatertechnisch genial gelöst. Die Vorstellung kann beginnen. - - Alltagstauglich ist das leider nicht.
Ein Minimum an Nachbesserungen werde ich investieren müssen, wenn ich an dem Neuerwerb länger Freude haben will. Dabei sagt mir die Kosten-Nutzen-Analyse, daß ich in dem Preissegment schon viel lappigere Stoffqualitäten kennengelernt habe. Der Kilt verkauft sich eben mit einer Idee - immateriell, dafür wird bezahlt. Der Kult um den Kilt, der Kilt als Markenartikel an sich, die Coca Cola unter den Röcken, der Mercedes der Einröhrigen, der Big-Mac der satten Rocker.
Sind wir denn weit entfernt von der Schauspielerei? - Zumindest nicht sehr weit entfernt vom Spiel, denn das ist zweckfrei und ein starker Ausdruck persönlicher Lebensfreude!
In dem Sinne
Peace!
Gangolf

)