Hallo Ferdi,
nach langer Abstinenz (was neue Postings angeht) regt mich Dein Artikel doch zu einigen Anmerkungen an:
Zunächst ist Dein Text in einigen Passagen - bei allem Verständnis für den Frust, der da offensichtlich hochkommt - leider etwas aggressiv geraten. Die ein oder andere Passage könnte durchaus eine etwas sachlichere Formulierung vertragen. Ich bin mir sicher, daß Dir dies in einer stillen Stunde auch gelingen wird.
Nun zu den Details:
Da die Hosen für die Tätigkeiten, die Männer auszuüben pflegten (handwerkliche Produktion, Jagen und Anbau von Nutzpflanzen, Hausbau und vieles mehr), praktischer waren, trugen Männer fortan Hosen. An dieser Stelle ist ganz deutlich hervorzuheben, dass die Hosen aus praktischen Gründen getragen wurden, und nicht weil die Träger Männer waren oder weil sie nur durch diese neumodischen Hosen als Männer betrachtet wurden und ohne diese Hosen keine richtigen Männer mehr sein könnten.
Das ist so nur bedingt richtig. Hosen waren in erster Linie Kleidung für den Kampf (als Extrem: man stelle sich einen Ritter auf seinem Pferd im Damensitz vor), wobei der Durchbruch erst mit dem Kampf zu Pferde kam (die römischen Legionäre trugen keine Hosen, sie verachteten diese sogar), besonders überzeugend in bezug auf Hosen waren z.B. die diversen Einfälle der östlichen Reitervölker. Fortan galt es als Privileg, wenn jemand keine Hosen tragen mußte, entsprechende Gewänder waren Zeichen einer herausgehobenen Stellung, die sich teilweise bis in die heutige Zeit in Form der Talare und Roben z.B. von Richtern, Pfarrern und Professoren erhalten hat. Von daher muß ganz klar festgestellt werden, daß die Hosen nicht zur Unterstreichung der Männlichkeit eingeführt wurden, sondern eben schlichtes Zugeständnis an die Notwendigkeit waren.
Der Pöbel tobte sich gegen die weiblichen Hosenpioniere aus, dennoch beharrten die Frauen auf ihrem Wunsch und ihrem Recht, auch Hosen zu tragen und liessen sich nicht von wildgewordenen Macho-Männern beirren. Das Ergebnis sehen wir heute, am Beginn des 21. Jahrhunderts. Weitaus die Mehrheit der Frauen tragen Hosen. Das ist soweit ok. Auch dass sie Röcke und Kleider tragen, wenn sie Lust dazu haben oder wenn die sommerliche Witterung es nahelegt, ist ok.
Hier ist anzumerken, daß (Legende oder Realität?) es Frauen gegeben haben soll, die beim Anblick des ersten Mannes mit Zylinder in Ohnmacht gefallen sein sollen, was polizeiliche Maßnahmen nach sich gezogen haben soll; trotzdem war der Zylinder schon wenige Jahre später nicht mehr aus dem Bild der Öffentlichkeit weg zu denken. Dies belegt eindeutig, daß jegliche Veränderung erst einmal auf mehr oder weniger starken Protest stößt. Und nach den vielen Jahrhunderten, in denen Männer (scheinbar) nur Hosen trugen, scheint es sich wieder um eine massive Änderung zu handeln. Nebenbei: Ganz so selbstverständlich waren Hosen für Männer dann wiederum doch nicht. Über viele Jahrhunderte war es Brauch, daß Jungen erst etwa im Konfirmationsalter ihre erste Hose bekamen, vorher trugen sie selbstverständlich Röcke (es gab halt noch keine Pampers). Später verkürzte sich dieser Zeitraum, aber selbst im Zeitraum um etwa 1950 trugen Jungen in jüngeren Jahren allenfalls kurze Hosen. Erich Kästner schreibt in seinem Buch Als ich ein kleiner Junge war davon, daß er als kleines Kind Matrosenkleidchen trug (ist auch auf einem Foto überliefert), was seinerzeit noch ganz normal war.
Die Männer jedoch verharrten weiter auf dem Stand von vor etlichen 100 Jahren, obwohl durch den technischen und industriellen Fortschritt bedingt viele Männer die Tätigkeiten, die zur Erfindung der Hosen führten, nicht mehr auszuüben brauchten. Immer mehr Männer leisten Kopfarbeit an Schreibtischen und Computern, sie könnten sich von daher legerere, freiere Kleidung spielend leisten.
Sie könnten sich nicht nur freiere Kleidung leisten, sie sollten dies auch tun. Rückblickend betrachtet hat sich sowohl die Anzahl als auch die Qualität der Spermien in den letzten 100 Jahren dramatisch verringert bzw. verschlechtert. Dies ist einerseits sicher auf mehr Umweltgifte, die teilweise wie weibliche Hormone wirken, andererseits aber auch auf die Hosen zurück zu führen, die, der Herrenmode folgend, immer enger wurden (warum hat die Natur wohl - übrigens nicht nur beim Menschen - die Hoden außerhalb des Körpers angebracht, verbunden mit der genialen Eigenschaft, diese abhängig von der Temperatur wieder näher an den Körper ziehen zu können, um so stets die optimale Temperatur gewährleisten zu können?).
Der Wunsch von Männern, auch Röcke und Kleider zu tragen, ist legitim und verständlich. Er stört niemanden und nimmt niemandem Rechte und Freiheiten, die er vorher hatte. Die einzige Forderung, die ultimativ an die Allgemeinheit zu richten ist, lautet:
Ich gehe hier noch weiter. Emanzipation ist keine Einbahnstraße, also selbst wenn Röcke und Kleider weibliche Kleidungsstücke wären, haben sich Frauen bei den Hosen emanzipiert, also müßten sie Männern das gleiche Recht in der anderen Richtung zugestehen. Es kann doch nicht sein, daß die Emanzipationsbewegung am laufenden Meter Neue Männer braucht das Land fordert, diese Neuigkeit aber auf die wenigen Teilbereiche beschränkt sehen möchte, die ihr in den Kram passen. Gelegentlich bekommt man sogar das Gefühl, Frauen fürchten die Konkurrenz, betrachten sie den Glanz mit Schönheit doch als ihr ureigenes Domizil und sehen Röcke und Kleider als originäres Mittel, sich schön zu machen; dies unterstellt Männern eine bestimmte, wohl nur selten zutreffende Motivationslage, zugleich bleibt es verwunderlich, warum so viele Frauen dann nur so selten von dieser Möglichkeit Gebrauch machen. Oder sollten am Ende doch die Spötter Recht haben, die der Emanzipationsbewegung unterstellen, sie wolle zwar dieselben Rechte wie die Männer haben, die Männer sollten sich aber ja nicht wagen, in weibliche Domänen einzudringen.
Zum Schluß noch ein persönliches Wort:
Obwohl ich der Männerrock-Bewegung durchaus positiv gegenüber stehe (eine aktive Selbstteilnahme scheidet derzeit aus diversen persönlichen Gründen leider aus, hierüber bin ich auch nicht bereit zu diskutieren) und ich vereinzelt auch schon Mitglieder gesehen habe, kann ich mir gerade deswegen die Empfehlung nicht verkneifen, vielleicht etwas mehr auf Aussehen und Auftreten zu achten. Es sieht lächerlich aus, wenn unten ein Rock getragen wird, durch die gesamte übrige Kleidung und das Verhalten die "Männlichkeit" dann aber so stark betont werden muß, daß nur noch Unverständnis übrig bleibt. Im Gegenzug will ich aber gerne bestätigen, schon andere Fälle gesehen zu haben (live, nicht nur auf Fotos), die ein sehr passables Gesamtbild abgeben, ohne in irgend einer Form "weibisch" zu wirken (Frage am Rande: Was wäre eigentlich in einer wirklich emanzipierten Gesellschaft da so schlimm dran?).
Viele Grüße,
HMW (Manfred)