Transgender und Männerrocker

Joseph S, Monday, 18.11.2002, 22:42 (vor 8537 Tagen)

Hallo,

ich vermute, daß Transvestiten, Transgender... mit dem gleichen Problem kämpfen wie Männerrocker.
Nur die Ebene auf der man agiert ist unterschiedlich.

Das Problem heißt: "Wie muß ein Mann sein ?"

Eine von vielen noch akzeptierte Regel lautet: "Ein Mann trägt keinen Rock."
Wir Männerrocker sind der Meinung, daß diese Regel falsch ist, und halten uns nicht daran, und
hoffen, daß sie möglichst bald aus allen Köpfen verschwindet.

Natürlich gibt es keinen Grund, nicht auch andere Regeln für Männer zu hinterfragen.

Für mich ist das Rock Tragen nur eine dieser Infragestellungen. Ich fühle mich insofern als
Mann nicht wohl, als ich da einige Erwartungen von der Gesellschaft auferlegt bekomme, denen
ich nicht entsprechen will. Das, wie ein Mann zu sein hat, entspricht in einigem nicht dem,
wie ich bin.

Dies ist wohl bei den Trans... auch der Fall. Mir wurde als beschreibendes Zitat der Satz:
"Ich habe den falschen Körper für mein Geschlecht." berichtet. In meiner Denkweise ist
das Geschlecht eine körperliche Eigenschaft, die durch Chromosome oder Geschlechtsorgane
bestimmt ist. So gesehen kann dieser Satz nicht sinnvoll sein. Doch auch mir ist klar, daß mit
dem Geschlecht nicht nur das Körperliche verbunden ist. Damit sind viele Regeln und Erwartungen
verknüpft. Offensichtlich entspricht dieser Mann in diesen Regeln und Erwartunen so sehr den
denen, die den Frauen zugeordnet sind, daß das einzige männliche an ihm der Körper ist. Nur
im Gegensatz zu ihm sage ich nicht, daß der Körper falsch ist, sondern, daß die Regeln und
Erwartungen falsch sind. Ich akzeptiere aber, daß er sich in seinem Leben als Frau ausgibt,
um leichter so leben zu können, wie es ihm entspricht. Ich finde das sogar gut, daß er sich
als Frau ausgibt, wenn er keine bessere Möglichkeit sieht, so zu leben, wie es ihm entspricht.
Ich strebe allerdings für mich nicht diese Lösung des Problems an, sondern wünsche mir die
Befreiung aus diesen Zwängen als Mann.

Die Trans... sind vernünftiger als die Männer, die ihr Wesen in ein Schema zwingen, das eigentlich
nicht zu ihnen paßt. (Natürlich gibt es auch Männer, die gut in das Männlichkeitsschema passen.)

Wenn man alle Regeln und Erwartungen an die Männer und Frauen zusammennimmt, werden wohl
fast alle Menschen Zwitter sein. Das wird gern so formuliert: "Ein Mann muß auch seine weiblichen
Anteile annehmen." So ein Unsinn! Wenn das an einem Mann dran ist, ist es nicht weiblich, sondern
allgemein menschlich. Besser wäre, diese Anteile erst gar nicht als weiblich abzuspalten.

Die Trans... werden oft als psychisch krank angesehen. Darin vermute ich im Wesentlichen die
Ursache für das Distanzieren von uns ihnen gegenüber, um nicht mitverurteilt zu werden.
Ich sehe inzwischen das so, daß sie auf das kranke Männlichkeitsbild der Gesellschaft eben
anders, aber nicht krank reagieren.

Einen Konfliktpunkt sehe ich allerdings. Ein Transvestit, der einen Rock anzieht, um dadurch
weiblich auszusehen, bestätigt dadurch die Regel, daß nur Frauen Röcke tragen.
Wir dagegen nehmen ihnen ein Mittel um ihre Weiblichkeit zu zeigen.

Wichtiger finde ich aber, daß bei zunehmender Akzeptans in der Gesellschaft für eine der
Seiten auch zunehmende Akzeptans für die andere Seite zu erwarten ist.

Gruß
Joseph

Re: Transgender und Männerrocker

MAS, Tuesday, 19.11.2002, 09:23 (vor 8537 Tagen) @ Joseph S

Hallo Joseph,

besonders folgenden Sätzen stimme ich voll und ganz zu:

1.
Das wird gern so formuliert: "Ein Mann muß auch seine weiblichen
Anteile annehmen." So ein Unsinn! Wenn das an einem Mann dran ist, ist es nicht weiblich, sondern
allgemein menschlich. Besser wäre, diese Anteile erst gar nicht als weiblich abzuspalten.

2.
Wichtiger finde ich aber, daß bei zunehmender Akzeptanz in der Gesellschaft für eine der
Seiten auch zunehmende Akzeptans für die andere Seite zu erwarten ist.


MrG

Michael

Re: Transgender und Männerrocker

RussieSpice, Tuesday, 19.11.2002, 14:54 (vor 8536 Tagen) @ Joseph S

ich vermute, daß Transvestiten, Transgender... mit dem gleichen Problem kämpfen wie Männerrocker.

Jein

Dies ist wohl bei den Trans... auch der Fall. Mir wurde als beschreibendes Zitat der Satz:
"Ich habe den falschen Körper für mein Geschlecht." berichtet. In meiner Denkweise ist
das Geschlecht eine körperliche Eigenschaft, die durch Chromosome oder Geschlechtsorgane
bestimmt ist. So gesehen kann dieser Satz nicht sinnvoll sein.

Man muss 2 Phenomenen unterscheiden: körperliches Geschlecht und soziales Geschlecht. Transsexuellen haben ein gewaltiges Problem mit deren körperliches Geschlecht und daher folgend der solzialen Rolle während Transvestiten normalerweise nur mit letzterem Problemen haben. Allerdings gibt es Überschneidungen. Es gibt zunehmend Hinweise aus der Wissenschaft, dass Transsexualität (die gegengeschlechtliche Indentifikation) wohl aus biologische n Ursachen entsteht. Leute die dieses Problem nicht haben wurden ja denken es geht einfach die Klamotten zu wechseln und basta, Problem gelöst. Das stimmt nicht, denn obwohl Frauen im Westen auch "männerhaft" sein dürfen, wollen auch einige noch wirklich Männer sein.

Nur im Gegensatz zu ihm sage ich nicht, daß der Körper falsch ist, sondern, daß die Regeln und
Erwartungen falsch sind.

Einer Transexuellen wird es nicht reichen, nur die Regeln und Erwartungen zu ändern, sonder der Körper muss trotzdem um gemodelt werden. Es handelt sich um ein anderes Problem - das der Körperselbstbildes.

Ich akzeptiere aber, daß er sich in seinem Leben als Frau ausgibt,
um leichter so leben zu können, wie es ihm entspricht. Ich finde das sogar gut, daß er sich
als Frau ausgibt, wenn er keine bessere Möglichkeit sieht, so zu leben, wie es ihm entspricht.

Ich strebe allerdings für mich nicht diese Lösung des Problems an, sondern wünsche mir die
Befreiung aus diesen Zwängen als Mann.

Das ist ja ein lobenswerter Ansatz!

Russie