Interessanter Beitrag! (o.T.)

Ferdi, Tuesday, 22.10.2002, 12:21 (vor 8565 Tagen)

- kein Text -

Der Blick von der anderen Seite des Zauns

B.J., Tuesday, 22.10.2002, 16:02 (vor 8564 Tagen) @ Ferdi

Hi Ferdi,

ich finde, dass die Aussagen hinter dem Link gar nicht so off-topic sind. Da schreibt eine Frau, dass es für sie selbstverständlich ist, sich der Männerbekleidung zu bedienen: Hemden, Westen, Hosen, Schuhe.

Das bringt mich wieder zurück zu dem, was ich schon mal weiter unten zum Thema Forumsinhalt geschrieben habe:

Hier gibt es eine Menge Leute, die im Rockforum offen posten, dass sie sich auf breiter Basis in der Damenabteilung bedienen. Sie machen im Prinzip das Gleiche, was die Frau hinter Deinem Link auch tut - nur eben "von der anderen Seite" des Zaunes aus.

Den Hinweis von Mark fand ich gut, dass sich das Forum ja mit Röcken und alternativer Herrenmode beschäftigt.

Aber wenn ich mir so manche Äußerungen im Forum anschaue, dann bin ich über einiges echt frustriert:

- Für viele Frauen ist es ganz normal, sich in der Herrenabteilung zu bedienen. Hier haben viele Rocker aber noch echte Probleme damit. Warum eigentlich?

- Immer wieder finden sich Rechtfertigungsversuche nach dem Motto: "Die machen das so, also mache ich es so..." Warum eigentlich? Wieso muss immer alles begründet werden?

- Halb wahnsinnig macht mich die Doppelmoral: "Wenn wir einen Link mit TV-Verdacht haben, dann könnten wir in die Schublade rutschen". Das erinnert mich daran, dass ich eine christliche Gemeinde kenne, in deren Gemeindehaus keinerlei Alkohol geduldet wird. Mit der Begründung: Es könnte sich ein anderer ein schlechtes Beispiel daran nehmen und süchtig werden.

Wenn man sich die sogenannten gesellschaftlichen Normen anschaut, dann werden Männer mit weiblicher Kleidung i.a. als TVs eingestuft. Punkt. (Interessanterweise kennt kaum einer die Umkehrung ;-)

Das heisst aber doch auch: Rockers, macht was Ihr wollt, für die meisten seid Ihr doch eh schon in der TV-Schublade, da Ihr mindestens ein als weiblich empfundenes Element (den Rock, die FSH) offen zur Schau tragt.

Setzen wir aber noch eines drauf: in etlichen Studien kann man nachlesen, dass viele Schwule sich ein betont männliches Erscheinungsbild und Auftreten geben, um nicht als solche erkannt zu werden. Nehmen wir das einfach mal als Fakt und völlig ohne Wertung hin.

Dann frage ich mich: was sollen diese krampfhaften "Distanzierungsversuche" nach dem Motto "mir kann im Rock / mit FSH nix passieren, weil ich ja einen Bart trage". Oder: "Ich trage ja 'nur' einen Rock und schminke mich nicht, da bin ich schon anders."

Leute, warum lebt Ihr nicht einfach Modefreiheit und baut statt dessen immer wieder neue Barrieren in Euren Köpfen auf? Die Frauen machen es doch vor? Steht dazu, dass Euch Klamotten aus der sog. Damenabteilung gefallen, aus welchen Gründen auch immer.

Wozu eine falsche Scheinheiligkeit aufbauen?

Seien wir mal ehrlich: Wieviel von den sogenannte Beweggründen und Argumenten für das Tragen "weiblicher" Kleidungsstücke (also Rock, FSH) sind:
- als Rechtfertigung gegenüber Dritten,
- als Rechtfertigung vor dem eigenen Gewissen?

Ich vermute, dass vieles in die zweite Kategorie fällt, auch wenn mancher es nicht wahrhaben will
Sorry für die Deutlichkeit, aber irgendwie ist mir in letzter Zeit bei manchen Postings die Hutschnur ziemlich hochgegangen.

B.J.

Re: Der Blick von der anderen Seite des Zauns

Ferdi, Tuesday, 22.10.2002, 18:14 (vor 8564 Tagen) @ B.J.

Hi B. J.

ich finde, dass die Aussagen hinter dem Link gar nicht so off-topic sind. Da schreibt eine Frau, dass es für sie selbstverständlich ist, sich der Männerbekleidung zu bedienen: Hemden, Westen, Hosen, Schuhe.

Nicht wahr, die Ansichten von "Wasserfrau" sind schwer in Ordnung. Habe ja auch einen entsprechenden Kommentar losgelassen.

Hier gibt es eine Menge Leute, die im Rockforum offen posten, dass sie sich auf breiter Basis in der Damenabteilung bedienen. Sie machen im Prinzip das Gleiche, was die Frau hinter Deinem Link auch tut - nur eben "von der anderen Seite" des Zaunes aus.

Da habe ich kein Problem mit, ich kaufe meine Röcke nur in Damenabteilungen, einfach aus dem Grunde weil es woanders keine Röcke gibt.

Den Hinweis von Mark fand ich gut, dass sich das Forum ja mit Röcken und alternativer Herrenmode beschäftigt.

So soll es auch sein, auch damit habe ich keinerlei Probleme.

Aber wenn ich mir so manche Äußerungen im Forum anschaue, dann bin ich über einiges echt frustriert:
[quote]- Für viele Frauen ist es ganz normal, sich in der Herrenabteilung zu bedienen. Hier haben viele Rocker aber noch echte Probleme damit. Warum eigentlich?
[/quote]

Ja, das frag ich mich auch. Die Bremsen in den Köpfen, die verkehrte Sozialisation! Viele brauchen sehr viel Zeit, um das über Bord zu werfen. Man sollte ihnen das nicht verübeln. Nicht jeder wurde wie ich - und wahrscheinlich auch wie Du - innerhalb von zwei Tagen damit fertig. Eine der Aufgaben dieses Forums ist es, den betreffenden Rockern hier Hilfestellung zu geben.

- Immer wieder finden sich Rechtfertigungsversuche nach dem Motto: "Die machen das so, also mache ich es so..." Warum eigentlich? Wieso muss immer alles begründet werden?

Wenn man anständig und höflich gefragt wird, warum soll man da nicht eine höfliche Antwort geben. Meistens wird eine sachlich vorgebrachte Begründung sofort akzeptiert und erzeugt auch ein "Aha"-Erlebnis. Aber oft werden solche Äusserungen aus dem Frust heraus gemacht, dass den Frauen in dieser Hinsicht überhaupt keine Schwierigkeiten gemacht werden, während den Männern da doch manchmal heftig der Wind ins Gesicht bläst. Darüber ärgere ich mich auch regelmässig, obwohl ich längst "über den Berg" und in den Röcken bin. Das sind dann keine Rechtfertigungsversuche sondern eher Trotzreaktionen. Wenn allerdings dann Frauen kommen und sagen: "Er stiehlt mir einen Teil meiner Weiblichkeit", dann allerdings springe ich im Dreieck!

- Halb wahnsinnig macht mich die Doppelmoral: "Wenn wir einen Link mit TV-Verdacht haben, dann könnten wir in die Schublade rutschen".

Mir persönlich ist das egal, an mir prallt sowas ab. Aber ich muss an die Aussenwirkung der Seite maennerrock.de denken. Dort kommen Besucher hin, die sich vielleicht noch nie mit dem Thema befasst haben. Von denen haben die Meisten das Klischee "Männlicher Rockträger=Fetischist" im Kopf. Hinzu kommt dass die Transvestiten pauschal auch in die Fetischecke gestellt werden. Daher muss man da sehr behutsam und überlegt vorgehen. Die Verlinkung einer solchen Seite mit einem entsprechend formulierten Begleittext wäre da eine Lösung.

Wenn man sich die sogenannten gesellschaftlichen Normen anschaut, dann werden Männer mit weiblicher Kleidung i.a. als TVs eingestuft. Punkt.

So einfach ist das nicht, das kommt doch sehr auf das Gesamtoutfit an. Mit einem Rock alleine sieht man noch nicht weiblich genug aus, um als TV eingestuft zu werden. Erst wenn Schminken und vor allem die Schuhe (High Heels, Pumps) dazukommen oder eine betont feminin wirkende Farbwahl, dann wirkt das Gesamtoutfit in diese Richtung. Es gibt übrigens männliche TVs die überhaupt keine Röcke tragen und ihre feminine Optik mit den anderen Accessoirs erreichen. Der Rock alleine kann´s also nicht sein.

(Interessanterweise kennt kaum einer die Umkehrung ;-)

Das ärgert mich auch immer. Deswegen sagen auch viele trotzig: "Die machen das so, dann mache ich das auch so!" Das ist nicht als Rechtfertigung zu verstehen.

Das heisst aber doch auch: Rockers, macht was Ihr wollt, für die meisten seid Ihr doch eh schon in der TV-Schublade, da Ihr mindestens ein als weiblich empfundenes Element (den Rock, die FSH) offen zur Schau tragt.

Wie oben gesagt, mir ist das egal, ich ärgere mich nur darüber, dass niemand die hosentragenden Frauen in eine entsprechende Schublade steckt. Da sage ich: "Wenn Frauen Hosen tragen, dann tragen Männer auch Röcke"! Gleichberechtigung eben!

Dann frage ich mich: was sollen diese krampfhaften "Distanzierungsversuche" nach dem Motto "mir kann im Rock / mit FSH nix passieren, weil ich ja einen Bart trage".

Ich trage nicht einmal einen Bart.;-)

Leute, warum lebt Ihr nicht einfach Modefreiheit und baut statt dessen immer wieder neue Barrieren in Euren Köpfen auf? Die Frauen machen es doch vor? Steht dazu, dass Euch Klamotten aus der sog. Damenabteilung gefallen, aus welchen Gründen auch immer.

Das tue ich doch und die meisten hier auch. Es gibt nunmal momentan nur Röcke aus der Damenabteilung. Wo ist das Problem?

Wozu eine falsche Scheinheiligkeit aufbauen?
[quote]Seien wir mal ehrlich: Wieviel von den sogenannte Beweggründen und Argumenten für das Tragen "weiblicher" Kleidungsstücke (also Rock, FSH) sind:
- als Rechtfertigung gegenüber Dritten,
- als Rechtfertigung vor dem eigenen Gewissen?
Ich vermute, dass vieles in die zweite Kategorie fällt, auch wenn mancher es nicht wahrhaben will...
[/quote]

Wie gesagt, es braucht keine Rechtfertigung. Ich trage einfach meine Röcke weil es mir so gefällt. Punkt!

Sorry für die Deutlichkeit, aber irgendwie ist mir in letzter Zeit bei manchen Postings die Hutschnur ziemlich hochgegangen.

Deutliche und klare Meinungsäusserung ist immer ok! Nur sollte man mit den Neulingen, die noch mit den Hemmschwellen kämpfen, etwas nachsichtiger umgehen. Die brauchen solche Krücken noch am Anfang, werfen sie aber dann ganz schnell weg.

Schöne Grüsse,
Ferdi

Anmerkungen und eine Idee

B.J., Tuesday, 22.10.2002, 19:09 (vor 8564 Tagen) @ Ferdi

Hi Ferdi,

habe mich sehr über Deine Antwort gefreut. Ein paar Punkte möchte ich noch kurz aufgreifen.

> Das sind dann keine Rechtfertigungsversuche sondern eher Trotzreaktionen. Wenn allerdings dann Frauen kommen und sagen: "Er stiehlt mir einen Teil meiner Weiblichkeit", dann allerdings springe ich im Dreieck!

Ich finde es toll, dass Du hier offen von "Trotzreaktion" sprichst. Das hatte ich in meiner Liste vorher noch vergessen, und so etwas ist sicherlich zu einem gewissen Grad auch legitim :)

- Halb wahnsinnig macht mich die Doppelmoral: "Wenn wir einen Link mit TV-Verdacht haben, dann könnten wir in die Schublade rutschen".
Mir persönlich ist das egal, an mir prallt sowas ab. Aber ich muss an die Aussenwirkung der Seite maennerrock.de denken. Dort kommen Besucher hin, die sich vielleicht noch nie mit dem Thema befasst haben. Von denen haben die Meisten das Klischee "Männlicher Rockträger=Fetischist" im Kopf. Hinzu kommt dass die Transvestiten pauschal auch in die Fetischecke gestellt werden. Daher muss man da sehr behutsam und überlegt vorgehen.

Das ist sicherlich einerseits richtig, hat aber andererseits auch wieder mit doppelter Moral zu tun.

> Die Verlinkung einer solchen Seite mit einem entsprechend formulierten Begleittext wäre da eine Lösung.

Hmmm. Das hat so einen unangenehmen Beigeschmack. Ich fand den Vorschlag von Marc ganz gut, derartige Links unter eine andere Überschrift zu stellen. Dann erspart man sich langatmige "politically correct" Erklärungen.

Wenn man sich die sogenannten gesellschaftlichen Normen anschaut, dann werden Männer mit weiblicher Kleidung i.a. als TVs eingestuft. Punkt.
So einfach ist das nicht, das kommt doch sehr auf das Gesamtoutfit an. Mit einem Rock alleine sieht man noch nicht weiblich genug aus, um als TV eingestuft zu werden.

Hier muss ich Dir aber doch einmal heftig widersprechen, da auch das "Gesamtoutfit" eine Frage der persönlichen Empfindung ist. Und wenn ein Gegenüber nun einmal "klassisch" im Sinne allgemeiner Gesellschaftsnorm (was auch immer das ist) denkt, dann reicht i.a. ein einziges als "weiblich" empfundenes Accessoire, um Dich in die Schublade zu drücken. Ein paar Beispiele aus eigener Erfahrung:
- lange lockige Haare beim Mann. Frag nicht, wie oft ich schon den Spruch gehört habe "Ist das eine Frau oder ein Mann?"
- Ohrstecker dazu. Oh graus, es wird immer "schlimmer".
- Ein Rock gar noch - da gibt es ja wohl keine Zweifel
(Jetzt würde mich ein Statement von Collantix interessieren :)

Oder bei der Farbwahl: trag mal als Mann eine 08-15-Jeans mit einem genauso langweiligen hellblauen Oberhemd und dann dazu eine pinkfarbene Rauhlederweste. Für viele reicht auch das schon :(

In bezug auf gewisse Accessoires pflichte ich Dir uneingeschränkt bei. High Heels werden i.a. in die Fetisch-Ecke geschoben. Schminken im weiblichen Stil geht auch oft in die Richtung.
Spannend wird es schon bei Kleidern, da ja der Körper von oben bis unten mit sog. weiblichen Kleidungsstück verhüllt ist. Da ist nix mehr mit Oberhemd und Krawatte "als Alibi" ;-)

Deutliche und klare Meinungsäusserung ist immer ok! Nur sollte man mit den Neulingen, die noch mit den Hemmschwellen kämpfen, etwas nachsichtiger umgehen. Die brauchen solche Krücken noch am Anfang, werfen sie aber dann ganz schnell weg.

Mit den Krücken hast Du sicherlich recht. Was mich auf die Palme bringt, ist die selbstgestrickte Moral, dass man ja "eigentlich" anders ist - ist man das wirklich?. Wenn wir den Gedanken mit den potentiell verschreckten Anfängern konsequent zu Ende denken, dann müssten wir doch eigentlich auch alle Diskussionen zu anderen sog. weiblichen Kleidungsstücken unterbinden - oder nicht?

Wenn da einer liest, dass sich einige die Beine rasieren, FSH anziehen, einen Rock dazu und dann gar noch andere Unterwäsche oder tolle Tops - fällt es so jemandem doch wohl schwer, beim Forum an eine reine Männerrockbewegung zu glauben. Schreckt das nicht schon genauso ab? (Anm.: Sicherlich ist Lea-Reiners Aussage deutlich drastischer, aber gleichzeitig bewundernswert ehrlich.)

Oder ist es vielleicht sogar so, dass sich da manche Neulinge freuen könnten, dass es ein paar "andere" gibt, die trotz der Tatsache, dass sie auch andere sog. weibliche Garderobe für sich "erobern", noch erfrischend normal geblieben sind?

Das bringt mich auf eine verrückte Idee: Du hast doch so wunderbar schnell die Umfrage zu Lea-Rainers Seite auf die Beine gestellt. Könnten wir so etwas nicht auch mal für uns machen? So etwa:

Ich trage in der Öffentlichkeit
- Da-Rock
- Bluse
- Da-Tops
- Da-Blazer
- Da-Kleid
- Da-Hose
- Da-Unterwäsche
- FSH
- Da-Schuhe

- He-Rock (also beim He-Rock-Schneider gekauft)

Vielleicht dann noch eine Querbewertung:

- nie
- selten
- häufig
- immer

Das gäbe eine schöne Matrix.

Ganz toll wäre eine Einstufung:
- single / non-single
- support / no support von Partner/Familie

Ich wäre echt mal an dem ehrlichen Ergebnis interessiert, also wieviele sich auf den Rock "beschränken" und wieviele nicht ;-)

Um für Neulinge keinen ungünstigen Eindruck zu erwecken, könnte man das ja woanders hosten.

Was meinst Du dazu?

Schönen Abend noch und viele Grüße aus dem Süden der Republik,

B.J.

Re: Wenn man mich schon so höflich fragt...

Collantix, Wednesday, 23.10.2002, 00:59 (vor 8564 Tagen) @ B.J.

Hallo, B.J.

...dann antworte ich natürlich.

- lange lockige Haare beim Mann. Frag nicht, wie oft ich schon den Spruch gehört habe "Ist das eine Frau oder ein Mann?"
- Ohrstecker dazu. Oh graus, es wird immer "schlimmer".
- Ein Rock gar noch - da gibt es ja wohl keine Zweifel(Jetzt würde mich ein Statement von Collantix interessieren :)

Darüber habe ich mir noch keine großen Gedasnken gemachtEs passiert mir zwar noch von Zeit zu Zeit von hinten (ob mit oder ohne Rock) mit "Frollein" angesprochen zu werden, aber das nehme ich so nicht mehr war. Das hat mich als 16-Jähriger (bis zum 20. trug ich auch schon mal lange Haare) wesentlich mehr beschäftigt. Aber die Pubertät war eh kein Highlight in meinem LebenAuch über die Kombination lange Haare + Rock habe ich mir noch keine großartigen Gedanken gemacht.
Lediglich als ich auf der Wies'n zwei Zöpfe trug und einen Rock anhatte, stellte ich fest, daß sich alles auf die Zöpfe fokussierte, da war der Rock anscheinend auch schon wurscht
Ich denke, daß Du das meintest
Gruß

Collantix

Re: Wenn man mich schon so höflich fragt...

Ralph, Wednesday, 23.10.2002, 08:19 (vor 8564 Tagen) @ Collantix

Auch über die Kombination lange Haare + Rock habe ich mir noch keine großartigen Gedanken gemacht.
[quote]Lediglich als ich auf der Wies'n zwei Zöpfe trug und einen Rock anhatte, stellte ich fest, daß sich alles auf die Zöpfe fokussierte, da war der Rock anscheinend auch schon wurscht>Ich denke, daß Du das meintest...
[/quote]

Ich habe das Gefühl, daß man auf lange Haare oder ungewöhnliche Frisuren eher angesprochen wird als auf einen Rock. Vermutlich sind die Leute nicht ganz so verunsichert, weil es für sie nichts so völlig neues ist. Allerdings kamen auch hier sehr selten Bemerkungen von Fremden.

Ralph

Re: Der Blick von der anderen Seite des Zauns

Wolfgang, Wednesday, 23.10.2002, 12:30 (vor 8564 Tagen) @ B.J.

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Wozu eine falsche Scheinheiligkeit aufbauen?
Seien wir mal ehrlich: Wieviel von den sogenannte Beweggründen und Argumenten für das Tragen "weiblicher" Kleidungsstücke (also Rock, FSH) sind:
- als Rechtfertigung gegenüber Dritten,
- als Rechtfertigung vor dem eigenen Gewissen?
Ich vermute, dass vieles in die zweite Kategorie fällt, auch wenn mancher es nicht wahrhaben will>Sorry für die Deutlichkeit, aber irgendwie ist mir in letzter Zeit bei manchen Postings die Hutschnur ziemlich hochgegangen.
B.J.

Hallo B.J.,

ist ja in Ordnung, wenn bei Dir manchmal die Hutschnur ziemlich hochgeht.

Natürlich wäre es schön, das Röcketragen oder artverwandtes frei von irgendwelchen Ideologien zu sehen. Und wir (als Gemeinschaft betrachtet) haben uns ja aufgerafft auf den Weg dorthin.

Weshalb aber ständig sich an irgendwelchen Rechtfertigungsthesen geklammert wird, ergibt sich doch aus dem Spannungsfeld, in dem wir uns tagtäglich bewegen. Nämlich zwischen unseren wie auch immer gearteten inneren Ansprüchen und dem Wahrnehmen in der Gesellschaft. Wie ständig berichtet wird, ist es unter den meisten Zeitgenossen eher problemlos mit der Erweiterung unseres Kleidergebahrens aufzutreten, aber es gibt immer wieder Menschen, zum Teil sehr nahestehende, die wohl doch intensiver nachfragen und unser Tun zu ergründen suchen.

Und genau hier ist es sinnvoll und wichtig mehr sagen zu können als "Ich mach das halt so". So schön diese Antwort auch ist, so wenig wird sie akzeptiert und sowenig kann sie helfen, bestehende Schubladenfächer einzureißen.

Ich finde es gut, wenn hier Rechtfertigungen gesucht, gefunden, bemüht und diskutiert werden. Denn das braucht die Gesellschaft von uns, um sich weiterzuentwickeln.

Gruß,
Wolfgang