Gespraechsbereitschaft, Aengste, Kadavergehorsamkeit, Freiheit, Selbstbetrug

X, Sunday, 04.08.2002, 11:18 (vor 8640 Tagen) @ Johannes

Das ist schon wirklich ein sehr merkwürdiges phänomen.
Ich lese und poste ja (wie schon einmal erwähnt) auch im nackläufer-forum von peter niehenke. Über dieses forum habe ich mich dann auch einmal getroffen mit einem interessenten an einer nacktwanderung in größerer gruppe - dabei hatte ich meinen firo-sport-rock an. Da hätte ich eigentlich gedacht, daß solche leute ungewöhnlichem eher aufgeschlossen und vorurteilslos sind (dieser typ macht auch weiterhin sonst einen solchen eindruck auf mich). Jedenfalls sind diese leute auch nicht pervers oder sonst irgendwo gestört, wie konservative spießer mit engem horizont manchmal meinen.
Langer rede kurzer sinn: Auch dieser typ dachte aufgrund meines rockes auch erst, ich wäre schwul - naja immerhin hätte ihn dies nicht (oder zumindest kaum) gestört.>Johannes


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Hi Johannes,

die Leute, die mich ansprechen, die strengen mich nicht halb so sehr an, wie die, denen ich nicht helfen kann. Da geht bei mir naemlich dann das Gruebeln los. Haette ich auf sie zugehen sollen? Haette ich sie ansprechen sollen? Wie kann ich denen helfen? Wie kann ich deren Toleranzfaehigkeit erhoehen? Nein, nicht deren Gleichgueltigkeit anderen gegenueber! Toleranz und Gleichgueltigkeit ist nicht das Gleiche. Darueber koennte man diskutieren. Viele bringen die beiden Worte naemlich durcheinander. Die Menschen sind unsicher, wie kann ich ihr Selbstbewusstsein staerken? Oder ihren Glauben an Gott. Denn das wuerde auch schon wieder ihr Selbstbewusstsein staerken! Hey, ich rede nicht von KIRCHE! Ich rede von GLAUBE AN GOTT.

Gerade lese ich ein Buch vom Psychotherapeuten (und inzwischen auch Pallottinerpater) Joerg Mueller (aus Freising). Es lautet "Gehorsam - um jeden Preis?" Ich bin begeistert von diesem Buechlein und werde in den naechsten Wochen wohl auch mal daraus zitieren. In diesem Buch werden auch die Worte Angst, Unsicherheit und ´Kadavergehorsamkeit´ verwendet. Bei diesen Worten denke ich gleich an "Freundschaft(sverlust)", "Stellung in der Gruppe", "Respekt", "Autoritaeten", "Abgrenzung", "soziale Aechtung", "Angst vor´m *Mund aufmachen*", "Mitschwimmen in der Masse", und und und.

Habe ich nicht vor ein paar Wochen gehoert, dass es rund 300 verschiedene christliche Glaubensgemeinden gibt? Das zum Thema KIRCHE. Jeder glaubt - in meist sicherlich unwesentlichen Punkten - ein bisschen anders. Wenn nun aber eine Kirche festlegt, WAS das Mitglied / der Glaeubige zu GLAUBEN hat, dann gibt es nur zwei Moeglichkeiten fuer den Glaeubigen:

- entweder ist ihm die soziale Gruppe / religioese Glaubensgemeinschaft so wichtig, dass er seinen eigenen Glauben an Gott verleugnet und "KADAVERGEHORSAMKEIT" uebt,

- oder er distanziert sich von der Glaubensgemeinde, die ihm das was er zu glauben hat aufdiktiert.


Joseph schrieb: "Ich will NICHT christlich missionieren."

Jetzt muss ich glatt diesen Beitrag noch mal durchlesen. Ich kapiere gar nicht, wie ich schon wieder auf das Thema Religion/Gott/Glaube gekommen bin. War anfangs nicht geplant!

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Ach ja, jetzt verstehe ich´s natuerlich:

Johannes erwaehnte ein Klischee. Das hat was mit Massenmeinung zu tun. Eigene Unsicherheiten und Aengste fuehren bei Menschen dazu, dass sie sich und ihre Gedanken sehr gern von der Masse, von der Mehrheit der Gesellschaft leiten lassen. INDIVIDUALITAET UND EINZIGARTIGKEIT verlangen aber Selbstbewusstsein, Souveraenitaet, Sicherheit und Halt. Diese Qualitaeten aber fehlen sehr vielen Menschen. Daher lassen sie sich wie sehr viele andere mit dem Strom treiben. Und wenn die dann glauben, sie waeren FREI, dann ist das nichts anderes als SELBSTTAEUSCHUNG, SELBSTBETRUG. Na ja, stimmt vielleicht nicht ganz. Mit ihrer geringen Fantasie, ihren wenigen ´Sonder´-Wuenschen und ihren generalisierten Aengsten empfinden sie das mickrige Ausbrechen aus der Norm wohl bereits als den GIPFEL DER FREIHEIT.

Aber jeder definiert ´Freiheit´ wohl ein bisschen anders.


X


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