Antworten auf mir hier gestellte Fragen
Subject: Antworten auf mir hier gestellte Fragen
Hi JuergenR,
du fragtest mich nach einem Storyserver (mit echt erlebten bzw. frei erfundenen Geschichten). Die da mal von mir angesprochene Geschichte lautet "Nickie´s Story" und ist von einer meiner Lieblingsautorinnen geschrieben worden. Du findest sie auf den HPs
www.storysite.org
www.fictionmania.com .
Um mich mal wieder HTML-Tag-massig zu ueben werde ich nun versuchen, zwei Links auf Geschichten zu setzen.
Der erste Link ist auf die Geschichte Nickie´s Story .
Der zweite Link zeigt ebenfalls auf eine Geschichte von Samantha Michelle. Wenn auch "Nickie´s Story" nicht ganz nach meinem Geschmack ist, die nun folgende Geschichte Not-in-Vain gehoert quasi zu meinen Lieblingsgeschichten und hat bei mir so manche Traene laufen lassen.
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Hi TomC,
du wolltest wissen wer ´Peter Wenzel´ ist. Tja, wenn ich dir das so genau sagen koennte. Ich kenne seinen Stammbaum nicht. Ich weiss auch nicht wie seine Eltern hiessen. Ich weiss nicht mal wo er wohnt bzw. wohnte und wie alt er ist bzw. geworden ist. Aber ich bin bereits in den "Genuss" von 6 Musikkassetten meiner Mutter gekommen, auf denen Vortraege dieses einen Herren zu hoeren sind.
Was die ´relative´ Anonymitaet dieses Peter Wenzels betrifft, sie stoert mich eigentlich nicht. Denn entscheidend bei einem Menschen erscheint mir nicht sein Elternhaus, seine berufliche Bildung oder sein Einkommen. Vielmehr interessiert mich seine Lebenseinstellung, seine Art zu denken und natuerlich auch wie er sich anderen Menschen gegenueber verhaelt. Letzteres kann ich nicht beurteilen, die ersten beiden Punkte aber kristallisieren sich sehr deutlich aus seinen Vortraegen heraus.
Natuerlich kann ich nicht alles ´schlucken´ was er in seinen Vortraegen sagt. Doch bei sehr vielem spricht er mir quasi aus der Seele. Auf eine der ersten Kassetten, die ich von meiner Mutter bekam, da war der Vortrag, "Lebenskunst beginnt mit Loslassens" oder so aehnlich, zu finden. Den Inhalt dieses Vortrags kann ich eigentlich ausnahmslos akzeptieren. Um meiner Mutter zu zeigen, dass ich mir ´brav´ ihre Empfehlungen zu Herzen nehme, UND VOR ALLEM, um sie quasi mit ihren eigenen Waffen zu schlagen, habe ich ein paar Stellen Peter Wenzels Vortrags mitgeschrieben, kommentiert und dann meine Mutter geschickt.
Ich denke, dass du ein in meinen Augen recht gutes Bild von diesem Peter Wenzel bekommen kannst, wenn du dir die von mir hervorgehobenen Punkte seines Vortrags "Lebenskunst beginnt mit Loslassen" in meinem Brief an meine Mutter durchliest. Um dies zu ermoeglichen, haenge ich nun meinen alten, vor ein paar Monaten an meine Mutter geschickten Brief an diesen Beitrag an: (Die HTML-Formatierungen des Briefes habe ich wegen den Besonderheiten dieses Forums zur Sicherheit entfernt.)
---------Mein Brief an meine Mutter--------
Hi Mama,
da wir schon lang nichts mehr voneinander gehoert haben, und ich dir deine Kassetten leider noch immer nicht habe zurueckgeben koennen, deshalb hier ein kleiner Ausschnitt aus einer deiner Kassetten. - Ausserdem siehst du dadurch auch gleich, dass ich ueber deine Empfehlungen meist nicht achtlos hinweggehe. Gerade Peter Wenzels Vortrag, "Lebenskunst beginnt mit Loslassens", spricht mich ganz gewaltig an.
Den Vortrag hat er 1977 in Berlin gehalten. Schade, dass ich seinen Text nicht schon als Teenager mit 15 gekannt habe. Vielleicht haette er mir damals bereits Kraft genug gegeben, ich selbst zu werden, meine Traeume zu realisieren - auch gegen eueren Willen -, und vielleicht waere ich dann nicht suizidal und haette fuer mich persoenlich Wege gefunden, mein Leben zu leben.
Vielleicht, vielleicht, ...
Wenn, wenn, Haette, haette,
Ach, was soll´s? Es ist wie es ist. Alles hat zwei Seiten. Jetzt ist es wie es ist. Die Zeit laesst sich nicht zurueckdrehen. Die Vergangenheit kann erklaeren, kann Fragen beantworten, doch sie kann die Gegenwart und die Zukunft nicht veraendern. Die Zukunft ist nur durch Handlungen in der Gegenwart beeinflussbar.
Mit anderen Worten, man muss aufhoeren mit "haette, haette" und "wenn, wenn". Man muss ´t u n´. Man muss Schluss machen mit den Leidursachen von denen P. Wenzel spricht. Das heisst, neue Gedankengaenge sollten gebaut und alte, gewohnte, eingefahrene ueberdacht und ggf. verworfen werden. Haenschen hat´s nicht gelernt, nicht gekonnt. Hans lernt´s, Hans kann´s!
Schluss mit Tabus. Tabus sind dafuer da, um gebrochen zu werden! Neue Denkweisen, neue Sprechweisen, neue Handlungsweisen sind angesagt. "Und wenn das auch wider aller Vernunft der anderen ist", wie Peter Wenzel so schoen sagt. Ja, er hat Recht. Es ist unheimlich schwierig, etwas zu tun was andere nicht tun. Was dann passiert? "Man faellt auf", bemerkte Wenzel so schoen passend in seinem Vortrag. Wie Recht er doch hat! Die Belohnung dafuer ist der Wegfall einer Leidursache, der Leidursache "Konformitaet auf biegen und brechen", die in meinem Fall einer der Gruende fuer meine Suizidalitaet geworden ist.
Ja Mama, ich bin begeistert von deinem Wenzel. Nur wie gesagt, schade dass ich seinen Vortrag nicht nicht schon vor 20 Jahren gehoert habe. Und auch dass alles zwei Seiten hat, das habe ich dir ja ebenfalls schon geschrieben. In meinem Fall bedeutete das "Konformitaet, angepasstes Verhalten an die Erwachsenenwelt und problemlose ´Erziehung´ ohne Komplikationen. Hatte doch zumindest fuer damals auch seine Vorteile. Aber wie gesagt, alles hat auch seine Kehrseiten.
Aber, warum jammern?! Es ist wie es ist. Und jetzt heisst es, aus dem was man hat was zu machen. Alles andere ist, wie Peter Wenzel es ausdrueckt, nichts als Selbstvergessenheit.
Ich habe mir gedacht, du magst vielleicht ganz gern eine "Zusammenfassung" all der Gedanken, die ich bei Peter Wenzels Vortrag recht interessant finde. Bitte sehr, hier sind sie:
2002-03-14: (Zusammenfassung mir wichtiger Punkte)
Peter Wenzel - Lebenskunst beginnt mit Loslassens
Vor einiger Zeit gab mir meine Mutter Kassetten, welche sie selbst anscheinend fuer recht wertvoll ansieht, denn sonst haette sie sie mir ja nicht empfohlen.
Inzwischen habe ich sie mir alle angehoert - und auch ueberspielt, da in der Tat auch mich die Inhalte der Kassetten sehr ansprechen. Am interessantesten fand ich die Kassette, auf der ein Vortrag von Peter Wenzel aufgezeichnet ist, der den Titel "die Kunst des Loslassens" traegt. Die Teile seines Vortrags, die mich am meisten bewegen, die habe ich mehr oder weniger wortwoertlich oder stichpunktartig zu Papier gebracht. Siehe die folgende Aufzeichnung bzw. Mitschrift:
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<font size="+1">Es gibt eigentlich nur 3 Leidursachen:</font>
1. Leidursache: Selbstvergessenheit
Vergessen, dass wir nicht nur erleidende, sondern auch 'verursachende Wesen' sind, die nicht davon abhaengen, was andere von uns denken oder sagen. Wir sind nicht abhaengig worueber wir verfuegen, also was wir besitzen oder haben. Dies alles entscheidet eigentlich nicht ueber unseren Gluecks- oder Unglueckszustand. Eigentlich entscheidend ist was wir sind. Was Schlimmes aber geschieht sehr oft: Wir verwechseln das was wir sind immer wieder mit dem was wir haben bzw. mit dem was wir nicht haben. (Und dann kommen die 'Haette'-Saetze bezueglich Beruf, Geld, ...) (=Widerspiegelung unserer Selbstvergessenheit)
"Wir erleiden nur das Schicksal, das wir verursacht haben."
(Wir sollten nicht mehr uns selbst mit unserem Koerper verwechseln.)
2. Leidensursache: Gefuehl, vom Schoepfer im Stich gelassen zu sein, Unterlegenheitsgefuehl
3. Leidensursache: Individuelle Traegheit
"Diese Leidensursache liegt an der dem Menschen ueber Generationen angezogene Haltung der Konformitaet, des sich in der Masse bewegen wollens. Nur nicht auffallen, alles muss so bleiben wie es ist."
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Laut "Unity": Entfernung der Leidursachen erfolgt durch "Loslassen".
Loslassen:
1. (Loslassen) "Negative Gedankengaenge". Ab dem 12. Lebensjahr denkt der Mensch noch maximal, maximal(!) 20, meist sogar nur noch 5% oder weniger originelle bzw. neue Gedanken. Die restlichen 80 bzw. 95% laufen wir eine in den ersten zwoelf Lebensjahren festgelegte Gedankenstrasse auf und ab. Wir reagieren nur noch aufgrund antrainierter Verhaltensweisen. Die Summe dieser Verhaltensweisen nennt man Charakter.
Es ist Tatsache, dass diese Gedankengaenge nicht immer weise, konsequente, liebevolle, gute und positive Gedankengaenge sind. Es sind furchtsame Gedankengaenge, die uns oft geringer machen als wir eigentlich sind. - Ohne geistiger Herausforderung werden wir immer auf diesem Weg laufen und wenn's 100 Jahre lang ist. - Aber es ist moeglich, einen neuen Weg zu legen. So wie die Erdoberflaeche formbar ist (beim Trampeln eines Pfades), so ist auch unser Bewusstsein formbar. Wir koennen neue Gedankengaenge legen. Wir muessen nicht in den alten Mustern der Furcht, Mittelmaessigkeit und Unterlegenheit weiterleben.
Wirf ab die Denkweisen:
- Was ich einst nicht konnte, das werde ich nie koennen.
- Was ich einst nicht gelernt habe, das lerne ich nie.
Eine der duemmsten Spruchweisheiten: "Was Haenschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr." - Oh ja, Hans kann lernen!
2. (Loslassen) "Vermeide negative Worte", denn Worte sind quasi die Verstaerker der Gedanken. Vermeide die Worte: alt, schwach, unmoeglich. Vermeide den Satz: "Ich kann nicht." Verwende stattdessen Worte wie: erfahren, reif; ich brauche Ruhe; ich muss mich erholen; ich muss mich mal entspannen; das ist eine besonders schwierige Herausforderung; darueber muessen wir nachdenken; lasst uns beten.
3. (Loslassen) Befuerchtungen. Beispiel von Emilie Kelly: Ueberbehueteter Sohn, bis zum Alter von 25 Jahren von seiner Mutter bemuttert und ohne Freiheit. Jene Mutter packte ihren Sohn in ihre eigene Lebenserfahrung. Doch irgendwann musste sie ihren Sohn gehen lassen. Und am zweiten Tag seiner Freiheit drehte sich der Sohn um und verfluchte seine Mutter. Ja, weil so ein Sohn seine eigene Lebenserfahrung machen will. Sohn merkt in seiner Freiheit: "Mensch, meine Eltern wollten ja durch mich ihr Leben noch einmal leben. Ich sollte ihnen bestaetigen was sie fuer wahr halten. Sie haben mir nicht erlaubt, ich selbst zu sein. Sie haben's mir nicht zugetraut. Sie haben mir nicht vertraut."
Peter Wenzel woertlich: "Wenn Sie Kinder haben, denken Sie daran. - Loslassen, in Freiheit setzen, die Chance geben. "Wenn es unbedingt sein muss, dann lang an den heissen Ofen. Mache deine Erfahrungen. Und du wirst nicht denken, dass ich dir etwas vorenthalten will." Loslassen und in Freiheit setzen. Dem Wachstum und der Entwicklung eines Menschen Raum geben. Ihm erlauben, er selbst zu sein.
4. (Loslassen) Das "Meisterstueck" des Loslassens, der Dreh- und Angelpunkt der ganzen Sache. Lasse dein gehaetscheltes, gepflegtes, dickes, fettes Ego los. Das was immer noch ergreifen will und sich nicht ergreifen lassen will. Das was sagt: Ich will haben. Ich will mich durchsetzen. Das was in Ihnen weint ist Ihr Ego! Das was in Ihnen leidet ist Ihr Ego! Das was traurig ist, das was sagt ich bin einsam, das ist Ihr Ego!
Der originelle Mensch, das Wesentliche in Ihnen leidet nicht. Wenn irgend etwas leidet, dann leidet Ihr Ego! Es ist eigentlich ganz einfach. Nur, man liebt diesen Gedankenganz nicht sehr. Es ist aber wahr. Und wenn's wieder mal so weit ist, dann schau Dich im Spiegel an und sage dir: "X, nimm dich nicht so wichtig." Dadurch schrumpft Ihr Ego zusammen. Und damit schrumpft die Ebene Ihres Leides, die Quelle Ihres Leides schrumpft. Sie vermoegen gar nicht mehr so zu leiden. Danach fuehlt man sich wesentlich erleichterter und man verspuert Auftrieb. Normalerweise erwarten wir Auftrieb von aussen. Durch Ermutigung, durch Lob. Aber wenn keiner da ist zum Ermutigen, dann Ego schrumpfen lassen. Das gibt Auftrieb.
Wir machen es uns schwer mit Gedankengaengen wie: "Es ist eine alte Kiste, dass mich keiner versteht. Ich bin ja auch so kompliziert, so komplex und so einmalig." Ha, ha, ha! "Ist doch ein alter Hut, dass mich keiner wirklich liebt; ich werde immer nur ausgenutzt." Haben Sie nie gedacht? Wie auch immer, das kann man loslassen, das sind Bleigewichte, die einen nach unten ziehen. Kein Mensch fragt danach, wie Du Dich fuehlst. Entscheidend ist, was du zu geben vermagst, was du bist, was du fuer andere tust ist wichtig.
Wagen wir es, alte Verhaltensweisen (=Gedankengaenge) loszulassen. D.h., TABUS ZU UEBERWINDEN. Wagen wir es, ETWAS ANDERS ZU TUN ALS WIE WIR ES BISHER TATEN, ANDERS ZU DENKEN, ANDERS ZU SPRECHEN. UND DAS SOGAR DANN DURCHZUSETZEN, WENN DAS WIDER ALLER VERNUNFT DER ANDEREN IST. ES IST UNERHOERT SCHWIERIG ETWAS ZU TUN WAS ALLE ANDEREN NICHT TUN. WISSEN SIE WAS DANN GESCHIEHT? DANN FALLEN SIE NAEMLICH AUF!
Empfehlung seines (=Peter Wenzels) Vaters als er zur Bundeswehr kam: "Und eines merk´ dir Junge: Falle nie auf!" Das aber liebe Freunde, das ist nicht mein Lebensideal. Ich bin manchmal aufgefallen, und ich werde weiterhin auffallen. Z. B. Kopernikus (Erde nicht der Mittelpunkt) und Semmelweis (Kindbettfieber) setzten sich ueber die Denkweise der anderen hinweg. Alle wussten, dass Semmelweis total verrueckt war. Die administrative Medizin hat ihn zur Schnecke gemacht, hat ihn verpoent, hat ihn laecherlich gemacht. Semmelweiss floh in die Geisteskrankheit. Er konnte es nicht ertragen. (Es ging damals nicht um Fakten, es ging um Annahmen, Vermutungen, eigene Ideen.)
Lass Dir nicht einreden was fuer ein Wurm du bist. So nach dem Motto: "Schau mal was du damals fuer Fehler gemacht hast." Natuerlich habe ich damals Fehler gemacht. Denn ich bin ja gerade ein wachsendes Bewusstsein. Ich muss ja heute mehr leisten und verstehen koennen, mehr Einsicht haben als einst. Ich kann heute durchaus denken, "das war falsch was du damals tatest". Das ist einfach ein Zeichen, dass ich ein wachsendes Bewusstsein bin, dass ich ein Lernender bin. Einer, der auf dem Weg ist.
Veraendern Sie sich durch "Loslassen". Das heisst nicht, dass Sie keine Leiderfahrung mehr haben werden. Aber das bedeutet, dass Sie Kontrolle ergreifen. Dass Sie sich nicht mehr einem dumpfen Schicksal ausgeliefert fuehlen, sondern dass Sie die Zuegel in die Hand bekommen.
MACHEN WIR UNS DARAN, TABUS ANZUKRATZEN
Worte waehrend der Meditation:
Jetzt lasse ich meine Sorgen los
- sie haben ueberhaupt keine Macht mehr ueber mich.
Jetzt lasse ich meine Befuerchtungen los
- sie gehoeren nicht mehr zu mir.
- ich habe mit ihnen nichts mehr zu schaffen.
- sie koennen mich nicht mehr beherrschen.
Jetzt lasse ich mein Ego los
- es hat keine Macht mehr ueber mich.
Es kommt nicht darauf an, dass ich geliebt werde,
sondern dass ich liebe.
Es kommt nicht darauf an, dass ich verstanden werde,
sondern dass ich verstehe.
Es kommt nicht darauf an was ich habe,
sondern was ich bin.
Ich bin weiss, rein, licht und voller Harmonie. - Ich bin frei.
---------------Ende meines Briefes an meine Mutter-------------
Ach ja Tom, wenn ich´s richtig in Erinnerung habe, so ist Peter Wenzel von Beruf her ein Psychotherapeut und Familien- oder Eheberater oder so was in der Richtung. Habe ich mal so nebenbei auf einer der Kassetten gehoert.
Schoene Gruesse
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