Re: Wie sags ich’s meinen Lieben, wenn Sie mich im Rock erwischen?

Ferdi, Thursday, 07.03.2002, 12:09 (vor 8789 Tagen) @ Erwin

Hallo Erwin,

Du brauchst Dir keine schweren Gedanken darüber zu machen. Wenn Du erstmal angefangen hast, Deine Röcke auch draussen zu tragen, wirst Du sehr schnell feststellen, wie easy das ist. Keiner macht Dich an, den meisten ist es schlichtweg gleichgültig, was Du trägst. Ich gehe sogar in Röcken arbeiten, ich habe seit fast einem Jahr keine Hose mehr angehabt.

Wichtig ist der Gesamtstil, der Gesamteindruck. Wenn Du in komplettem Outfit vor dem Spiegel stehst und Du Dir so gefällst, dann kannst Du raus, dann gefällst Du mit höchster Wahrscheinlichkeit auch den anderen. Die unbedingt notwendige Selbstsicherheit musst Du Dir allerdings antrainieren. Es ist beim allerersten Mal etwas ungewohnt, aber bei mir hat sich das innerhalb Stundenfrist geändert. Es ist eben ein anderes Tragegefühl als eine Hose. Wenn Du zum ersten Mal im Rock draussen bist und Du fühlst den Wind unter Deinem Rock und an Deinen Beinen und im Schritt, dann hast Du zwangsläufig erst das Gefühl, Du wärst untenrum nackt. Einfach, weil Du es bisher nicht gewöhnt warst. Man muss sich erst an das unten völlig offene Kleidungsstück gewöhnen, aber glaube mir, das geht sehr schnell. Wenn Du dann sicher genug bist, dann trete Deinen Angehörigen einfach mal im Rock gegenüber. Sag ihnen, das sei nur ein Kleidungsstück, das Du schön findest, und das Du ab sofort auch tragen willst. Schliesslich tragen die Frauen ja auch Hosen und das gleiche Recht steht Dir auch zu. Wenn man Dir das verwehren will, dann verlange, dass Deine Frau ab sofort keine Hosen mehr tragen soll. Meistens sagen die Frauen, Hosen seien wesentlich bequemer als Röcke und deshalb tragen sie sie. Das gleiche Argument gilt auch für Dich. Für uns Männer sind die Röcke aus naheliegenden anatomischen Gründen besser und bequemer, schliesslich haben wir mehr zwischen den Beinen als die Frauen, bei denen nichts zum Einquetschen da ist [image]

Es gibt kein logisch nachvollziehbares Argument gegen männliches Röcketragen. Lass Dir nichts einreden. Du hast das gleiche Recht, zum Rock zu greifen wie die Frauen das Recht haben, sich der Hose zu bedienen. Das ist nicht verhandelbar. Frauen, die das dennoch ablehnen, haben ihr Recht auf das Tragen von Hosen verwirkt.

Man wird Dir möglicherweise auch mit der Uralt-Platte "....ist unmännlich" kommen. Das hat mit männlich oder weiblich nichts zu tun, denn sonst wäre Hosentragen bei Frauen auch "unweiblich". Der Rock ist ein Kleidungsstück. Sonst nichts. Und damit kann man sich bekleiden. Sonst nichts! Alles andere, was daran so festgemacht wird, ist Humbug. Kennen wir doch längst alles, diese "Argumente" sind längst auf dem Müllhaufen der Modegeschichte gelandet.

Eine hervorragend Gelegenheit ergibt sich am Freitag abend in NDR3, dort ist eine Sendung über Männerröcke angekündigt, siehe auch das Posting von kuk. Seht Euch die Sendung gemeinsam an und das ist eine sehr gute Gelegenheit, Deiner Frau zu sagen: Das mach ich jetzt auch. Auf jeden Fall würde ich nicht klein beigeben und auf den Wunsch verzichten. In einer liebevollen Partnerschaft sollte von der Frau so viel Toleranz zu erwarten sein, dass sie diese Wünsche respektiert, wenn Du ihr das richtig erklärst. Zeig ihr auch ruhig mal den "Stern" Nr. 9 von voriger Woche mit dem guten Männerrockartikel und verschiedene Webseiten zum Thema. Auf jeden Fall würde ich es nicht weiter verheimlichen, das hast Du nicht nötig und das macht Dich auch auf die Dauer unglücklich und krank.

Viel Erfolg und viele Grüsse,
Ferdi


<ul><li>Emanzipation ist keine Einbahnstrasse</ul>


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