Männerrock Artikel in der FAZ

Batumi, Sunday, 27.01.2002, 20:05 (vor 8825 Tagen)

Der Männer-Rock
25.01.2002 - 05:51 , FAZ
Kleidungsstücke

Der Männer-Rock / Von Martin Kuhna


"Kumma, der da!" So weist man ruhrdeutsch auf einen bemerkenswerten Mann hin. In Essen gibt es vermutlich niemanden, der so viele Kumma-der-das hervorruft wie Dieter Sigl. Dabei ist er ein unauffälliger Herr: Anfang sechzig, weder groß noch klein, Brille, kurzes graues Haar am Hinterkopf und im Gesicht. Es gäbe, mit Verlaub, kaum Grund, ihn zu bemerken, wenn er durch die Stadt geht, wäre da nicht ein Umstand: Herr Sigl trägt Röcke. Damit fällt er auf in Essen, seit vierzehn Jahren und immer wieder aufs neue.

Wie spricht man so jemanden an? Ist er nicht vielleicht - ein wenig durcheinander? Sollte man ihn also besser in Frieden lassen? "Verzeihen Sie . . .!" Er dreht sich um, bleibt stehen, legt den Kopf schief und setzt ein kleines Lächeln auf, abwartend, fast spöttisch. Rasch zeigt sich, daß keine der Möglichkeiten zutrifft. Er ist nicht: verrückt, exilierter Schotte, homo- oder transsexuell, nicht mal ein flippiger Künstler. Er ist: pensionierter Krupp-Angestellter, verheiratet, Vater und Großvater, engagiert in der Kirchengemeinde. Warum macht so einer so etwas?

Im Jahr 1985 tat er zum ersten Mal, was etwa der in Zweifelsfällen so maßgebliche Duden nicht vorsah: Unter "Rock" steht dort: "Kleidungsstück für Frauen u. Mädchen". Er las damals Meldungen, wie sie immer wieder kursieren: daß Modemacher mit alten Verkrustungen aufräumen und Rock wie Kleid in die Herrenmode einführen wollen. Wolfgang Joop zum Beispiel sagte: "Ich bewundere Männer, die dazu den Mut aufbringen." Da holte Sigl seinen Rock aus dem Schrank, zog ihn an und ging bei Mondschein ums Haus herum spazieren. Sein Haus liegt weitab am Wald.

Ein Anfall aus heiterem Himmel war das nicht, der Rock war schließlich schon da. Er hatte das "schrecklich lilafarbene" Stück im Schlußverkauf erstanden: ein elastischer Strickrock, weil er sich mit Damengrößen nicht auskannte. Diese bizarre Ur-Szene will er heute nicht mehr recht vor Augen haben: "Das verschwindet im Nebel der Geschichte", wehrt er ab, "so Einfälle hat man ja mal." Und entscheidend sei nicht, warum man etwas anfängt, sondern warum man dabei bleibt.

Bald nach dem Mondscheinspaziergang präsentierte er sich seiner Familie - ohne Ankündigung. Etwas schräg sei ihr das schon vorgekommen, sagt seine Frau, aber bitte: "Wenn er gerne möchte." Sein Sohn hatte mehr Probleme: "Wenn dich jemand sieht!" Genau darauf war der Vater aus. Er begann, sich auf der Straße im Rock zu zeigen. Wer noch hoffte, es möge sich um eine kurzlebige Marotte handeln, der sah sich getäuscht. Der Mann wollte sich nicht verkleiden oder im "Fummel" auf schrille Parties stöckeln. Er hatte sich entschieden, Rock und Kleid als ernsthafte und angemessene Kleidung zu allen möglichen Gelegenheiten zu betrachten. Denn eigentlich, sagt er, sei der Rock kein genuin weibliches Kleidungsstück; auch die europäische Männermode kannte früher andere Beinkleider als immer nur Hosen, im Mittelalter sowieso, aber auch noch in der Renaissance. Daß heutzutage Röcke für Männer "unmöglich" sind, ist nichts weiter als ein zähes Diktat der Mode, und Dieter Sigl nicht der Mann, der sich Vorschriften machen läßt. Bei den ersten Ausflügen bat er seine Frau, ein Stück hinter ihm zu gehen und die Leute zu beobachten. Es zeigte sich, daß er eine Art Kielwasser hinter sich herzog: Mit wachsender Entfernung wurden die Kommentare lauter und drastischer, bis zum Hinweis darauf, was man mit solchen Leuten "bei Hitler" gemacht hätte. Daß er so etwas ertragen kann, sinniert er, liege vielleicht an diesem Erlebnis: Er saß als junger Student in der Sonne, schon mit beträchtlicher Glatze, und ein Mädchen fragte ihre Mama: "Was macht der Opa da?" Schlimmer habe es wohl nicht mehr kommen können.

Wenn man mit ihm durch Essen schlendert, soweit sein energischer Schritt sich überhaupt bremsen läßt, dann zeigt sich: Die meisten Leute haben gelernt, daß man auf solche Leute nicht mit dem Finger zeigt. "Oh, ein Schotte", ist die Standardbemerkung - harmlos, aber unpassend, denn er hat kaum etwas in seiner Garderobe, das wie ein Schottenrock aussieht. Manchmal kommt er mit Leuten ins Gespräch, dann versucht er zu erklären, daß er für mehr Offenheit werben möchte, in der nicht einer dem anderen vorschreibt, was richtig und was falsch ist. "Meine Röcke bewegen vor allem die Kleinbürger", hat er festgestellt. Als aber sein Chef ihn so sah, stellte auch er klar: Rock am Arbeitsplatz bedeutet Abmahnung. Sigl entschied: "Der sitzt am längeren Hebel." Zu Überstunden am Wochenende trat er doch im Rock an, auch bei gesellschaftlichen Anlässen, und dann kam es vor, daß der Krupp-Ingenieur so neben Berthold Beitz stand. Im übrigen macht Sigl kaum noch Kompromisse, nur bei Leuten, die sich unwohl fühlen, wenn er in ihrer Gesellschaft Röcke trägt. Seiner Mutter etwa hat er den Anblick stets erspart, ebenso seiner Kirchengemeinde. Zu Beerdigungen geht er nicht im Rock.

Vor drei Jahren wurde ein Platz im Presbyterium frei, in der Gemeindeleitung. Man fragte ihn, ob er dann auf die Röcke verzichten würde. Antwort: nein. Sie haben ihn trotzdem genommen. An Weihnachten las er im Strickkleid vor 400 Zuhörern, wurde sogar einstimmig zum Vorsitzenden des Presbyteriums gewählt, und das muß etwas heißen.

Natürlich reichte ein lilafarbener Strickrock bald nicht mehr aus. Sigl stellte sich kühn den Verkäuferinnen und kannte sich schnell auch mit den Größen aus. Die Auswahl bleibe allerdings begrenzt: "Diese ewigen Blumenmuster!"

Bei der Länge hält er sich wiederum an Joop: "Der kritische Blick - Wie ist mein Bein geformt? - sollte über die Länge des Rocksaumes entscheiden." Seine Waden seien von fachkundiger Seite für präsentabel erklärt worden. Er schließt den Schrank und deutet auf die Reihe schwingender Krawatten in der Tür. "Die trage ich nur noch zum Karneval." Er sagt: "Für mich bin ich der Normale, nicht die, die sich so begrenzen." Er wolle aber niemanden erschrecken oder ärgern, auch als missionierenden Weltverbesserer sehe er sich nicht. Wenn er gelegentlich zum Nachdenken anrege, reiche ihm das.

Auch in diesem Jahr wurde wieder gemeldet, daß die Designer den Mann der Zukunft im Rock sehen. Es wird, wie immer, bei der Ankündigung bleiben. Sigl dagegen ist das Rocktragen zur Routine geworden. Es kommt vor, daß er beim Hinsetzen den Rock zurechtziehen will - und merkt, daß er ausnahmweise eine Hose anhat. Alle Theorie, sagt Sigl mit seinem spöttischen Lächeln, könne die Praxis nicht ersetzen: "Probieren Sie es aus! Sie werden Dinge erleben, die Sie sonst nicht erleben." Ein Stück Stoff um die Beine, zu einer weiten statt zwei engen Röhren geformt. Das ist der Schlüssel zu einem der letzten echten Abenteuer. Nur für Männer.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.01.2002, Nr. 21 / Seite 10

URL: http://www.faz.net/IN/INtemplates/faznet/default.asp?tpl=faz/content.asp&rub;={98A1...

Re: Faszinierend!!!

Ferdi, Sunday, 27.01.2002, 20:36 (vor 8825 Tagen) @ Batumi

Der könnte mein Zwillingsbruder sein. Ach gäbe es doch mehr von der Sorte. Das sind Männer!

Gruss,
Ferdi

Re: Faszinierend!!! so isset

Pet, Monday, 28.01.2002, 10:59 (vor 8824 Tagen) @ Ferdi

<center>[image]</center>

Hi,

das mir dieser Artikel ebenso aus dem Herzen spricht, dürfte klar sein.

Der könnte mein Zwillingsbruder sein. Bezüglich seiner persönlichen Einstellung zu Röcken ect. dürfte er wohl unser aller "Zwillingsbruder" sein!

Ach gäbe es doch mehr von der Sorte. Die gibt es, Ferdi! (siehe Bild). Nur haben nicht alle einen Internetzugang oder legen Wert auf einen. Was allein zählt ist, das er es "tut".

Das sind Männer! ...will ich meinen!

Gruss,
Ferdi

Glück auf! aus dem schönen, rockigen Ruhrpott (Essen) wünscht
Peter

Re: Faszinierend!!! so isset

Aryaman Stefan Wellershaus, Monday, 28.01.2002, 14:17 (vor 8824 Tagen) @ Pet

Hi,
das mir dieser Artikel ebenso aus dem Herzen spricht, dürfte klar sein.

Der könnte mein Zwillingsbruder sein. Bezüglich seiner persönlichen Einstellung zu Röcken ect. dürfte er wohl unser aller "Zwillingsbruder" sein!

Ach gäbe es doch mehr von der Sorte. Die gibt es, Ferdi! (siehe Bild). Nur haben nicht alle einen Internetzugang oder legen Wert auf einen. Was allein zählt ist, das er es "tut".
Das sind Männer! ...will ich meinen!

Gruss,
Ferdi

Glück auf! aus dem schönen, rockigen Ruhrpott (Essen) wünscht
Peter

- und Gruß an den Autor des Artikels, hast Du auch mal unser Forum besucht? Lohnt sich das? Magst Du nun Männer-Röcke auch? Aryaman Stefan aus Mecklenburg.

Männerrock Artikel / Richtig

Helmut, Monday, 28.01.2002, 09:41 (vor 8824 Tagen) @ Batumi

Hallo in die Runde,
Ich stimme dem Artikel voll zu. Ein Erlebnis kurz in Stichworten.
Letzter Samstag, Theater, Tannhäuser, wir 5 Ehepaare, ich gehe im knöchellangen schwarzen Rock mit eingewebten Goldfäden, 1 Paar weiß es schon, daß ich Röcke trage, das 2., etwas konservativ, haben wir meine Frau und ich in kleinen Dosen darauf verbereitet, die beiden anderen wissen nichts, hat sich alles rein zufällig ergeben. Wir treffen uns im Foyer: die einhellige Anwort der 5 Damen chic, sieht gut aus, eine: es sollten mehr Männer Röcke tragen, eine andere
warum nicht, die Frauen tragen Hosen, warum sollen die Männer keine Röcke tragen.

Und wer gafft: es sind überwiegend ältere Frauen, meist vom flachen Land, ist ja nicht zu übersehen, jüngere oder Männer, keine offensichtliche Reaktion. Aber bei den betr. Frauen, es ist unübersehbat wie die grauen Zellen arbeiten: Was hat der darunter an? Bemerkung einer Frau zu ihrer Begleiterin: Du des is doch a mann?( Im Dialekt)
Ich oder wir meinen, na und.
Viele Grüße
Helmut

Der Männer-Rock
25.01.2002 - 05:51 , FAZ
Kleidungsstücke
Der Männer-Rock / Von Martin Kuhna

"Kumma, der da!" So weist man ruhrdeutsch auf einen bemerkenswerten Mann hin. In Essen gibt es vermutlich niemanden, der so viele Kumma-der-das hervorruft wie Dieter Sigl. Dabei ist er ein unauffälliger Herr: Anfang sechzig, weder groß noch klein, Brille, kurzes graues Haar am Hinterkopf und im Gesicht. Es gäbe, mit Verlaub, kaum Grund, ihn zu bemerken, wenn er durch die Stadt geht, wäre da nicht ein Umstand: Herr Sigl trägt Röcke. Damit fällt er auf in Essen, seit vierzehn Jahren und immer wieder aufs neue.
Wie spricht man so jemanden an? Ist er nicht vielleicht - ein wenig durcheinander? Sollte man ihn also besser in Frieden lassen? "Verzeihen Sie . . .!" Er dreht sich um, bleibt stehen, legt den Kopf schief und setzt ein kleines Lächeln auf, abwartend, fast spöttisch. Rasch zeigt sich, daß keine der Möglichkeiten zutrifft. Er ist nicht: verrückt, exilierter Schotte, homo- oder transsexuell, nicht mal ein flippiger Künstler. Er ist: pensionierter Krupp-Angestellter, verheiratet, Vater und Großvater, engagiert in der Kirchengemeinde. Warum macht so einer so etwas?
Im Jahr 1985 tat er zum ersten Mal, was etwa der in Zweifelsfällen so maßgebliche Duden nicht vorsah: Unter "Rock" steht dort: "Kleidungsstück für Frauen u. Mädchen". Er las damals Meldungen, wie sie immer wieder kursieren: daß Modemacher mit alten Verkrustungen aufräumen und Rock wie Kleid in die Herrenmode einführen wollen. Wolfgang Joop zum Beispiel sagte: "Ich bewundere Männer, die dazu den Mut aufbringen." Da holte Sigl seinen Rock aus dem Schrank, zog ihn an und ging bei Mondschein ums Haus herum spazieren. Sein Haus liegt weitab am Wald.
Ein Anfall aus heiterem Himmel war das nicht, der Rock war schließlich schon da. Er hatte das "schrecklich lilafarbene" Stück im Schlußverkauf erstanden: ein elastischer Strickrock, weil er sich mit Damengrößen nicht auskannte. Diese bizarre Ur-Szene will er heute nicht mehr recht vor Augen haben: "Das verschwindet im Nebel der Geschichte", wehrt er ab, "so Einfälle hat man ja mal." Und entscheidend sei nicht, warum man etwas anfängt, sondern warum man dabei bleibt.
Bald nach dem Mondscheinspaziergang präsentierte er sich seiner Familie - ohne Ankündigung. Etwas schräg sei ihr das schon vorgekommen, sagt seine Frau, aber bitte: "Wenn er gerne möchte." Sein Sohn hatte mehr Probleme: "Wenn dich jemand sieht!" Genau darauf war der Vater aus. Er begann, sich auf der Straße im Rock zu zeigen. Wer noch hoffte, es möge sich um eine kurzlebige Marotte handeln, der sah sich getäuscht. Der Mann wollte sich nicht verkleiden oder im "Fummel" auf schrille Parties stöckeln. Er hatte sich entschieden, Rock und Kleid als ernsthafte und angemessene Kleidung zu allen möglichen Gelegenheiten zu betrachten. Denn eigentlich, sagt er, sei der Rock kein genuin weibliches Kleidungsstück; auch die europäische Männermode kannte früher andere Beinkleider als immer nur Hosen, im Mittelalter sowieso, aber auch noch in der Renaissance. Daß heutzutage Röcke für Männer "unmöglich" sind, ist nichts weiter als ein zähes Diktat der Mode, und Dieter Sigl nicht der Mann, der sich Vorschriften machen läßt. Bei den ersten Ausflügen bat er seine Frau, ein Stück hinter ihm zu gehen und die Leute zu beobachten. Es zeigte sich, daß er eine Art Kielwasser hinter sich herzog: Mit wachsender Entfernung wurden die Kommentare lauter und drastischer, bis zum Hinweis darauf, was man mit solchen Leuten "bei Hitler" gemacht hätte. Daß er so etwas ertragen kann, sinniert er, liege vielleicht an diesem Erlebnis: Er saß als junger Student in der Sonne, schon mit beträchtlicher Glatze, und ein Mädchen fragte ihre Mama: "Was macht der Opa da?" Schlimmer habe es wohl nicht mehr kommen können.
Wenn man mit ihm durch Essen schlendert, soweit sein energischer Schritt sich überhaupt bremsen läßt, dann zeigt sich: Die meisten Leute haben gelernt, daß man auf solche Leute nicht mit dem Finger zeigt. "Oh, ein Schotte", ist die Standardbemerkung - harmlos, aber unpassend, denn er hat kaum etwas in seiner Garderobe, das wie ein Schottenrock aussieht. Manchmal kommt er mit Leuten ins Gespräch, dann versucht er zu erklären, daß er für mehr Offenheit werben möchte, in der nicht einer dem anderen vorschreibt, was richtig und was falsch ist. "Meine Röcke bewegen vor allem die Kleinbürger", hat er festgestellt. Als aber sein Chef ihn so sah, stellte auch er klar: Rock am Arbeitsplatz bedeutet Abmahnung. Sigl entschied: "Der sitzt am längeren Hebel." Zu Überstunden am Wochenende trat er doch im Rock an, auch bei gesellschaftlichen Anlässen, und dann kam es vor, daß der Krupp-Ingenieur so neben Berthold Beitz stand. Im übrigen macht Sigl kaum noch Kompromisse, nur bei Leuten, die sich unwohl fühlen, wenn er in ihrer Gesellschaft Röcke trägt. Seiner Mutter etwa hat er den Anblick stets erspart, ebenso seiner Kirchengemeinde. Zu Beerdigungen geht er nicht im Rock.
Vor drei Jahren wurde ein Platz im Presbyterium frei, in der Gemeindeleitung. Man fragte ihn, ob er dann auf die Röcke verzichten würde. Antwort: nein. Sie haben ihn trotzdem genommen. An Weihnachten las er im Strickkleid vor 400 Zuhörern, wurde sogar einstimmig zum Vorsitzenden des Presbyteriums gewählt, und das muß etwas heißen.
Natürlich reichte ein lilafarbener Strickrock bald nicht mehr aus. Sigl stellte sich kühn den Verkäuferinnen und kannte sich schnell auch mit den Größen aus. Die Auswahl bleibe allerdings begrenzt: "Diese ewigen Blumenmuster!"
Bei der Länge hält er sich wiederum an Joop: "Der kritische Blick - Wie ist mein Bein geformt? - sollte über die Länge des Rocksaumes entscheiden." Seine Waden seien von fachkundiger Seite für präsentabel erklärt worden. Er schließt den Schrank und deutet auf die Reihe schwingender Krawatten in der Tür. "Die trage ich nur noch zum Karneval." Er sagt: "Für mich bin ich der Normale, nicht die, die sich so begrenzen." Er wolle aber niemanden erschrecken oder ärgern, auch als missionierenden Weltverbesserer sehe er sich nicht. Wenn er gelegentlich zum Nachdenken anrege, reiche ihm das.
Auch in diesem Jahr wurde wieder gemeldet, daß die Designer den Mann der Zukunft im Rock sehen. Es wird, wie immer, bei der Ankündigung bleiben. Sigl dagegen ist das Rocktragen zur Routine geworden. Es kommt vor, daß er beim Hinsetzen den Rock zurechtziehen will - und merkt, daß er ausnahmweise eine Hose anhat. Alle Theorie, sagt Sigl mit seinem spöttischen Lächeln, könne die Praxis nicht ersetzen: "Probieren Sie es aus! Sie werden Dinge erleben, die Sie sonst nicht erleben." Ein Stück Stoff um die Beine, zu einer weiten statt zwei engen Röhren geformt. Das ist der Schlüssel zu einem der letzten echten Abenteuer. Nur für Männer.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.01.2002, Nr. 21 / Seite 10
URL: http://www.faz.net/IN/INtemplates/faznet/default.asp?tpl=faz/content.asp&rub;={98A1...

Re: Männerrock Artikel in der FAZ

JuergenH, Monday, 28.01.2002, 17:56 (vor 8824 Tagen) @ Batumi

Der Männer-Rock


Ich finde mich in diesem sehr guten Artikel auch wieder.

Soetwas müsste man öfters lesen können.

Nun denn
weiterverrockter
JürgenH