Re: wären wir doch alle Durchschnittsmenschen ...
HI Jürgen,
Du hast recht - fast! Ein gewisses Risiko ist schon dabei, da man hie und da doch zielgruppen-gerecht produzieren müsste. Der Durchschnittsmann und die Durchschnittsfrau unterscheiden sich nun mal im Körperbau. Die meisten Röcke, die mir in der Hüfte passen, sind mir im Bund zu eng (bzw. die, die im Bund passen, sind an der Hüfte viel zu weit!) Wenn ein Rock aus der Damenabteilung passt, dann ist für mich eher Zufall. Diesem Zufall muss ich durch viel zu viel Suchen und Probieren Beine machen. Bei Herrenhosen gibt es das Problem nicht, die kann ich ohne Anprobe kaufen, offensichtlich sind die besser an meinen Körperbau angepasst. Wenn wir nun hier von der flächendeckenden Einführung des Rocks für den Mann und dem fehlenden Mut der Industrie reden, dann denke ich daran, Röcke angeboten zu bekommen, die gut passen.
Einfaches Umektikettieren hilft da meist nicht. Die wünschenswerte Produktion männergerechter Röcke kommt aber nur in Gang, wenn auch ein realer Markt dafür da ist. Nicht umsonst sind die Projekte von H&M; und Strauss gescheitert, gerade der Strauss-Ansatz, den Rock als Variante im Anzugprogramm einzubinden war doch eigentlich genial und hätte, wären die Männer im Durchschnitt nicht zu feige oder modisch zu uninteressiert, einen idealen Einstieg in mehr Modefreiheit für alle bedeuten können.
Grüße
Dieter
Hallo Dieter,
es gibt Unisexmode, also gibt es auch Menschen denen die paßt. Wo liegt nun der Unterschied zu reiner Damen- oder Herrenbekleidung? Ich vermute, daß bei Unisexkleidung der Schnitt so gewählt ist, daß die von Dir angesprochenen üblichen Unterscheidungsmerkmale umgangen werden. Bei einem Rock zum Beispiel wäre dies ein Rock in A-Form, oder ein Faltenrock mit Gummizug-Bund. Sicherlich lassen sich so noch viele Schnitte finden, die dem Durchschnittsmenschen geschlechtsunabhängig passen. Es bedarf also lediglich eines geschulten Blicks der Verkäuferin, um festzustellen ob das Kleidungsstück beiden paßt und es dann entsprechend in beiden Abteilungen einzusortieren. Oder aber der Einkäufer spricht beim Einkauf gleich auf den Schnitt an, so daß schon von der Planung her diese Möglichkeit berücksichtigt werden kann.
Was ist aber nun mit den Menschen deren Figur nicht der Norm entspricht? Ich persönlich bin überzeugt daß dies die überwiegende Mehrheit ist. Also wird es auch bei theoretisch feminin geschnittenen Kleidungsstücken Modelle geben, mit den dieser Kundenkreis angesprochen wird.
Und letztendlich frag doch mal in einem durchschnittlichen Bekleidungshaus nach, wie viele Herrenhosen verkauft und wie viele schon alleine im Haus geändert werden. Dabei sind diejenigen, die kleinere Änderungen selber zu Hause durchführen oder bei Bekannten oder in anderen Schneidereien ... gar nicht berücksichtigt. Mir zum Beispiel paßte bislang nur eine Herrenhose auf Anhieb, und die war maßgeschneidert.
Aus diesen Gründen sehe ich solche Aussagen, wenn sie von Einzelhändlern getroffen werden, als Vorwand und nicht als Einwand. Dieses Forum bzw. dessen Teilnehmer beweisen tagtäglich, daß die Unterschiede gar nicht sooo groß sein können. Lies' doch mal selbst, wo die Leute hier sich ihre Röcke kaufen. Und frage mal die Frauen auf der Straße, ob sie ihre Jeans immer in der Damenabteilung finden? Meine Frau jedenfalls nicht!
Gruß
JürgenB