Arseron - öffentlich, nur für Fortgeschrittene

Gangolf, Wednesday, 02.05.2001, 00:07 (vor 9095 Tagen)

Hi, liebe Mitrocker!


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Prächtiges Wetter für Kilt und Co., Ferdi hat's in seinem Moselbericht bestätigt; Zeit für meine Arseron-Outdoor-Premiere.

Vergangenen Sonntag waren Ulrike und ich in Boppard am Mittelrhein. Unbeabsichtigt kamen wir in den Genuß des örtlichen Weinfrühlings mit der Wein-Wanderung durch die Lagen des Bopparder Hamm. Dieses Jahr wurde das Event gestaltet von 14 Weingütern und 4 Gastronomiebetrieben mit ihren Ständen entlang des Wirtschaftsweges durch die Weinberge. Ein kostenloser Buspendelverkehr ermöglichte die Bußgeld-freie Teilnahme von 10:00 bis 19:00 Uhr.

Wein genießen und wandern - ein doppelter Genuß und ein dreifacher im Arseron.
- Das jede neue Straße und jedes Weinlokal oder Eiscafé ein neuer Auftritt war, hatte ich im Ort Boppard bis zum Antritt der Wanderung schon verstanden.
Eine dreiviertel Stunde hin und eine halbe Stunde zurück, mehr Zeit für einen Rundgang hatten wir am Spätnachmittag nicht. Also wählten wir die kürzeste Strecke zum ersten Weinstand und liefen entgegen dem Uhrzeigersinn der bereits abziehenden Menschenmenge entgegen. Unser Anblick oder genauer mein Anblick löste in jeder zweiten weinseligen Gruppe, der wir begegneten, so was wie den letzten Kick des Tages aus. „!Ein Mann im Rock!" [gröl] war harmlos. Alle, ausnahmslos, drehten sich im Weitergehen um oder blieben gleich stehen. Das führte natürlich anfangs zu dem einen und anderen Lacher, weil ich mich auch umdrehte (gerne, wenn einer so total ernst geguckt hatte). Lästig wurde das Volk erst zwischen den beiden ersten Weinständen, die wir erreichten. Die Fortbewegung war allgemein verlangsamt und recht viele Wanderer waren in Sturz-gefährdeter Schieflage unterwegs. Besonders die Frauen waren geradezu entfesselt. Eine von drei beleibten Damen in Hosen brüllte unverkennbar ruhrpöttisch „sieh mal, ein Mann im Röcksken!" Konter: „Nää so wat, drei Frauen in Butze!" Ganz höflich war das nicht mehr. Aus der nächsten Gruppe Weiber sprang eine mit ausgestreckter Hand hervor, um mir an die Wäsche zu gehen. „Kann mer mal da drunter sehen!?" klang es bläulich aufdringlich. „Das darf nicht jeder, nimm die Pfoten weg!" reichte nicht zur Abschreckung. Erst ein leichter Klaps auf die Finger wirkte ernüchternd. Trotzdem maulte das Frauenzimmer weiter: „Da kann mer doch mal gucken, warum kann mer denn da nich mal gucken?!" Ein „total lockerer Typ" mit Wanderhütchen meinte die Forderung nur unterstützen zu können: klar, er würde doch jedem zeigen, was er unter der Hose trüge, klar, „warum denn nicht?" Gleich folgte die nächste weibliche Attacke einer 50 bis 60jährigen Frau. Die anrennende Walze stoppte ich mit einem barschen: „Hau bloß ab, Du!" Da schweigt des Sängers Höflichkeit ...
Ulrike meinte: „Warne die Neurocker, ein Weinfest mit ihren Frauen zu besuchen." Die Hektik um uns herum bewog uns zur frühzeitigen Umkehr. Zur Ehrenrettung des Publikums sei der nicht minder laute Zuruf eines älteren Herren aus einer gemischten Gruppe heraus erwähnt: „Wie die Germanen früher, mit Lederrock und so - find' ich gut, schick!" Danke, lieber Weingenießer, wenn auch die Germanen Hosen trugen.
Am nächsten Morgen bat mich Ulrike, den langen Jeansrock anzuziehen (um Reaktionen zu beobachten, der Arseron gefällt ihr besser). Ein deutlicher Unterschied war erkennbar; die Auftritte im Jeansrock waren unspektakulär, fast schon gewöhnlich. Später in Neuwied gab' s allerdings wieder eine Menge Gaffer, was vermutlich auf den hohen Prozentsatz an Aussiedlern und Ausländern im Straßenbild zurückzuführen ist.

Auf die nächsten Erlebnisse im Arseron bin ich schon gespannt (Köln und Berlin).


Peace

Gangolf


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