Freiwillige vor!

Emma, Monday, 23.04.2001, 12:06 (vor 9107 Tagen)

Hallo!
Ich arbeite gerade an einem ästhetisch-didaktischen Erfahrungsprojekt zum Thema Männer in Röcken und suche freiwillige Männer, die mir (meinetwegen auch anonym) Fotos von sich im Rock schicken und/oder mir erzählen, warum sie Röcke tragen, wie sie dazu gekommen sind und wie sie sich in Röcken fühlen! Bin durch Zufall auf dieses Forum gestoßen und würde mich freuen, wenn jemand Lust hat, mich zu unterstützen!!!

Bis dann, Emma

Re: Freiwillige vor!

Ferdi, Monday, 23.04.2001, 12:44 (vor 9107 Tagen) @ Emma

Hallo Emma,

Es ist sehr schön, dass Du Dich für rocktragende Männer interessierst. Unterstützung unsererseits wird Dir sicher nicht vorenthalten werden. Ich meine allerdings, dass Du uns vorher schon etwas mehr über Dein Projekt erzählen solltest. Handelt es sich beispielsweise um eine Examensarbeit? Wenn ja, in welchen Fachbereich? An welcher Hochschule/Uni? Oder geht es um eine journalistische Arbeit? Für welches Medium? Wozu werden zur Verfügung gestellte Bilder verwendet? Gerade in diesem Punkt ist unbedingt ein gewisses Vertrauen notwendig! Und nicht zuletzt würde ich gerne auch etwas mehr über Dich selbst wissen. Ausserdem solltest Du etwas genauer formulieren, was Du von uns wissen willst.

Wir haben schon zweimal Studentinnen, die eine Examensarbeit über das Thema Männerrock angefertigt haben, unterstützt. Allerdings hatten wir damals mehr Informationen. Nimm bitte dieses Misstrauen nicht persönlich, aber im Internet gibt es leider zu viele Faker, die mit vertrauensvoll zur Verfügung gestellten Informationen Schindluder treiben könnten. Wenn wir Dich näher und besser kennengelernt haben, könnte ich mir vorstellen, dass Du von dem einen oder anderen (auch von mir) Unterstützung und Informationen bekommen könntest.

Ich möchte die Gelegenheit benutzen, darauf hinzuweisen, dass alle Bilder, die hier im Forum oder auf Webseiten veröffentlicht worden sind, von den Abgebildeten und denjenigen, die die Bilder gemacht haben, ausschliesslich nur hierfür zur Verfügung gestellt wurden. Eine weitergehende, anderweitige Verwendung (z. B. durch Download und Weiterveröffentlichung, wo auch immer) ist ausdrücklich untersagt.

Gruss,
Ferdi

Re: Freiwillige vor!

Emma, Tuesday, 24.04.2001, 12:46 (vor 9106 Tagen) @ Ferdi

Hallo Ferdi!
Erstmal Danke für deine prompte Antwort - hat mich sehr gefreut! Dein Misstrauen kann ich gut verstehen - eben deshalb bin ich auch zunächst vorsichtig mit Informationen zu meiner Person gewesen. Denn mir geht es in dieser Hinsicht ja nicht anders als euch - woher soll ich wissen, wem ich in diesem riesen Netz trauen kann??!?!
Zu meinem Projekt:
also, zunächst einmal studiere ich an der Paderborner Universität Lehramt Primarstufe, unter anderem das Fach Textilgestaltung. Im letzte Semester habe ich ein Seminar zum Thema "Fremdkulturelles Verstehen" (das übrigens super-interessant war) besucht, und um dieses Seminar erfolgreich abzuschließen, soll jeder von uns - neben einer mind.20seitigen Hausarbeit - ein sog. "ästhetisch-didaktisches Erfahrungsprojekt" machen: d.h., wir sollen uns ein Thema suchen, und ihm uns über möglichst viele Zugänge nähern; versuchen, es zu verstehen. Ausgehend von einem textilen Bekleidungsstück einer anderen Kultur, dem SARONG, bin ich nun (dank dem Internet)zum Thema "Männer in Röcken" gekommen, und suche nun Männer, die mir über ihre Erfahrungen diesbezüglich etwas berichten möchten. Auf dieses Forum bin ich - wie gesagt - durch Zufall gestoßen, und hoffe nun, das ihr mir weiterhelfen könnt. Das Projekt muss ich - in welcher Form auch immer - in unserem Fachbereich in der Uni ausstellen - zu sehen bekommen es dann die anderen Textilstudenten (die, die sich dafür interessieren)und natürlich meine Professorin - es wird aber nicht bewertet. Da ich nicht weiss, welche und wie viele Informationen ich in der nächsten Zeit so zusammenbekommen werde, habe ich mir noch keine Gedanken über die Form der Ausstellung gemacht. Schön wäre nätürlich eine kleine Fotoausstellung mit Kommentaren der abgebildeten Menschen - wobei ich natürlich auf Wunsch eure Anonymität wahren werde.
Mich persönlich reizt dieses Thema so wahnsinnig, da mir jetzt erst bewußt geworden ist, wie sehr Frauen in der Öffentlichkeit bekleidungstechnisch doch im Vorteil sind:besonders im Sommer haben wir die Wahl zwischen diversen Kleidern, Röcken, Hosen etc. in den verschiedensten Längen und Variationen - während Männer in der Regel immer Hosen tragen, zumeist sogar lange - denn wer nimmt einen sagen wir Bankangestellten oder Politiker ernst, der nicht im Anzug sondern zB. in kurzer Hose vor einem steht?? Eigentlich schade, denn wie ihr ja selbst festgestellt habt, sind Röcke äußerst bequem. Warum sollten sie euch Männern also vorenthalten bleiben??? Schließlich tragen wir Frauen ja auch Hosen (die ich persönlich einfach superpraktisch finde), und wer weiss, vielleicht ist es in 100 Jahren -leider nach unserer Zeit - ja ganz normal, dass Männer auch Röcke tragen, und die dann lebende Generation hat gerade noch ein müdes Lachen für die jetzige Einstellung der breiten Masse zu diesem Thema übrig...??

Würde mich jedenfalls darüber freuen,
baldige Antwort zu bekommen.
Bis dann,
Emma

Re: Freiwillige vor!

Klaus K., Tuesday, 24.04.2001, 13:24 (vor 9106 Tagen) @ Emma

Hallo Ferdi!
Erstmal Danke für deine prompte Antwort - hat mich sehr gefreut! Dein Misstrauen kann ich gut verstehen - eben deshalb bin ich auch zunächst vorsichtig mit Informationen zu meiner Person gewesen. Denn mir geht es in dieser Hinsicht ja nicht anders als euch - woher soll ich wissen, wem ich in diesem riesen Netz trauen kann??!?!
Zu meinem Projekt:
also, zunächst einmal studiere ich an der Paderborner Universität Lehramt Primarstufe, unter anderem das Fach Textilgestaltung. Im letzte Semester habe ich ein Seminar zum Thema "Fremdkulturelles Verstehen" (das übrigens super-interessant war) besucht, und um dieses Seminar erfolgreich abzuschließen, soll jeder von uns - neben einer mind.20seitigen Hausarbeit - ein sog. "ästhetisch-didaktisches Erfahrungsprojekt" machen: d.h., wir sollen uns ein Thema suchen, und ihm uns über möglichst viele Zugänge nähern; versuchen, es zu verstehen. Ausgehend von einem textilen Bekleidungsstück einer anderen Kultur, dem SARONG, bin ich nun (dank dem Internet)zum Thema "Männer in Röcken" gekommen, und suche nun Männer, die mir über ihre Erfahrungen diesbezüglich etwas berichten möchten. Auf dieses Forum bin ich - wie gesagt - durch Zufall gestoßen, und hoffe nun, das ihr mir weiterhelfen könnt. Das Projekt muss ich - in welcher Form auch immer - in unserem Fachbereich in der Uni ausstellen - zu sehen bekommen es dann die anderen Textilstudenten (die, die sich dafür interessieren)und natürlich meine Professorin - es wird aber nicht bewertet. Da ich nicht weiss, welche und wie viele Informationen ich in der nächsten Zeit so zusammenbekommen werde, habe ich mir noch keine Gedanken über die Form der Ausstellung gemacht. Schön wäre nätürlich eine kleine Fotoausstellung mit Kommentaren der abgebildeten Menschen - wobei ich natürlich auf Wunsch eure Anonymität wahren werde.
Mich persönlich reizt dieses Thema so wahnsinnig, da mir jetzt erst bewußt geworden ist, wie sehr Frauen in der Öffentlichkeit bekleidungstechnisch doch im Vorteil sind:besonders im Sommer haben wir die Wahl zwischen diversen Kleidern, Röcken, Hosen etc. in den verschiedensten Längen und Variationen - während Männer in der Regel immer Hosen tragen, zumeist sogar lange - denn wer nimmt einen sagen wir Bankangestellten oder Politiker ernst, der nicht im Anzug sondern zB. in kurzer Hose vor einem steht?? Eigentlich schade, denn wie ihr ja selbst festgestellt habt, sind Röcke äußerst bequem. Warum sollten sie euch Männern also vorenthalten bleiben??? Schließlich tragen wir Frauen ja auch Hosen (die ich persönlich einfach superpraktisch finde), und wer weiss, vielleicht ist es in 100 Jahren -leider nach unserer Zeit - ja ganz normal, dass Männer auch Röcke tragen, und die dann lebende Generation hat gerade noch ein müdes Lachen für die jetzige Einstellung der breiten Masse zu diesem Thema übrig...??
Würde mich jedenfalls darüber freuen,
baldige Antwort zu bekommen.
Bis dann,
Emma

Hallo Emma,

schaue dir doch mal meine Homepage an,
dort findest du einige Rockträger, auch mit Bildern,
die meisten aus diesem Forum hier sind dort vertreten.

Wenn du noch mehr Info's brauchst, meine Mailadresse
habe ich ja mit angegeben.

" Rocking all over the World "

Gruß KlausK

Vorschlag

KtV, Tuesday, 24.04.2001, 13:30 (vor 9106 Tagen) @ Emma

Hallo Emma,

wenn du Wert auf einen Erfahrungsaustausch von uns Männern im Rock legst, wäre es unter Umständen sinnvoll, wenn du zu unserer Truppe am 12. Mai zum Treffen in Peine dazukommst. Das Treffen findet anläßlich der an diesem Tage stattfindenden Highland-Games statt, das vom hiesigen Scottish Culture Club veranstaltet wird.

Gruß

KtV

Re: Freiwillige vor!

Dieter, Tuesday, 24.04.2001, 13:47 (vor 9106 Tagen) @ Emma

...während Männer in der Regel immer Hosen tragen, zumeist sogar lange - denn > wer nimmt einen sagen wir Bankangestellten oder Politiker ernst, der nicht im > Anzug sondern zB. in kurzer Hose vor einem steht??

wie sehr das alles von der Gesellschaft abhängt, in der man lebt, zeigt, daß kurze Hosen zum Anzug in Australien vollkommen akzepiert sind, auch für Bankangestellte mit Kundenverkehr.

Nunja, ein Bekannter von mir arbeitete eine Weile bei der Frankfurter Niederlassung einer internationalen Bank. Klar, daß der neue Kollege aus Australien an einem heissen Sommertag (doch, sowas gibt es auch ab und an bei uns) in Jacket, Kravatte und kurzer Hose erschien! Allerdings nur einmal!

"Korrekte" Kleidung ist halt regional verschieden, was bei uns noch geht, ist in Italien möglicherweise vollkommen unpassend. Und haben nicht die Amis den
"casual friday", and dem man ohne anzuecken die Kravatte weglassen kann.
Und ein Politiker in Schottland wird sehr ernst genommen, wenn er Kilt trägt.

Wenn dem also so ist, bedeutet das:
1. es gibt keine wirklichen Kleidungsregeln, da die ja dann wohl weltweit gelten müssten.
2. alles kann sich ändern, da nicht ausgemacht ist, welche Region als nächstes den Trend bestimmen wird.
3. Was interessiert mich die Konvention, ich lebe nur einmal, da lasse ich mir nur sehr begrenzt vorschreiben, wie ich das zu tun habe.

Grüße

Dieter

Re: Freiwillige vor!

Ferdi, Tuesday, 24.04.2001, 14:21 (vor 9106 Tagen) @ Emma

Hallo Emma,

vielen Dank für Deine Ausführungen. Du hast Dir ja ein ähnliches Studienthema ausgesucht wie seinerzeit SIRe und Solveig, die beide auch hier gepostet haben, und denen wir die gewünschen Informationen gaben.

Ich werde jetzt einen Katalog von Bildern von mir zusammenstellen und Dir zusammen mit erklärenden Texten per e-Mail zukommen lassen. Deine Ansichten über die Benachteiligung von Männern bei der Bekleidung finde ich super und ich bin genau derselben Meinung. Allerdings werden die Männer von niemandem benachteiligt, denn das Recht, zu tragen was sie wollen, haben sie - wie die Frauen - ja auch. Sie benachteiligen sich aber selber, indem sie einfach Röcke als Kleidungsstücke für sich selbst kaum in Anspruch nehmen. Das liegt an der Selbstblockade in den Köpfen der Männer und diese ist die Folge jahrhundertelanger falscher Sozialisation und die Auswirkung des "Schubladendenkens" in der sogenannten "Gesellschaft". Dieses Schubladendenken ordnet röcketragende Männer automatisch ohne weitere Hinterfragung in die Kategorien: schwul, weibisch, Weicheier, Transvestiten, Crossdresser, Tunten, Transsexuelle und dergleichen ein. Davor haben die meisten Männer Angst. Diese Angst halte ich für unbegründet und ich habe sie auch nicht. Denn ich weiss, dass das alles nicht stimmt und ich lasse mich auch von diesem Schubladendenken nicht davon abhalten, das zu tragen, was ich will. Dabei habe ich die Feststellung gemacht, dass die Öffentlichkeit ganz anders reagiert als aufgrund besagten Schubladendenkens zu befürchten ist. Die Reaktionen sind weitaus überwiegend positiv, ganz besonders bei Frauen. Männer verhalten sich zurückhaltender, man spürt, dass sie angesichts eines rocktragenden Geschlechtsgenossen Probleme haben, damit umzugehen. Viele sehen das als einen Angriff auf den "männlichen Gesellschaftsstatus". Was mich immer richtig in Rage bringt ist die Tatsache, dass hosentragende Frauen diesen Schubladen-Denkweisen überhaupt nicht ausgesetzt sind. Darin sehe ich eine Benachteiligung auf Grund des Geschlechts, das ich mir ja nicht aussuchen konnte und die auch grundgesetzlich nicht zulässig ist (Art.3 Abs.3 GG).

Um als Mann seine legitimen Rechte auch wahrzunehmen und auch Röcke zu tragen, braucht es aus obigen Gründen eine gehörige Portion Selbstbewusstsein und eine gewisse Dickhäutigkeit gegenüber abwertenden Äusserungen der beschriebenen Art. Damit bin ich zum Glück in reichlichem Masse ausgestattet. Allerdings kann man sich das auch antrainieren, und auf diese Weise haben auch schon viele anfangs zaghafte Männer zum Rock gefunden. Belohnt wird man - so habe ich es persönlich jedenfalls empfunden - durch die Eröffnung völlig neuer, bislang noch nie erfahrener Dimensionen von Lebensqualität. Ich fühle mich, seitdem ich ausschliesslich nur noch Röcke trage (Hosen nur noch bei der Arbeit, aus praktischen Gründen), richtig frei, unabhängig, emanzipiert, und ich geniesse gerne die Aufmerksamkeit, die mir entgegengebracht wird, da diese in nahezu allen Fällen als Zustimmung geäussert wird. Seltene negative oder abwertende Äusserungen kann ich souverän und locker wegstecken, ohne dass sie meine positive Stimmung, meine Gefühle und meine gute Laune beeinträchtigen.

Auf meiner Homepage findest Du einige Texte zum Thema, die Du gerne unter Quellenangabe auswerten kannst. Vielleicht kannst Du das eine oder andere gebrauchen. Näheres zu meinem persönlichen Weg in die Röcke lasse ich Dir zusammen mit Bildern per e-Mail in den nächsten Tagen zukommen.

Ich sehe Deine Arbeit und die geplante Ausstellung als eine gute Möglichkeit, für den Mann im Rock zu werben und wünsche Dir viel Erfolg dabei.

Gruss,
Ferdi

Re: Freiwillige vor! - Ausstellung

StefanW, Wednesday, 25.04.2001, 09:49 (vor 9105 Tagen) @ Emma

"Das Projekt muss ich - in welcher Form auch immer - in unserem Fachbereich in der Uni ausstellen - zu sehen bekommen es dann die anderen Textilstudenten (die, die sich dafür interessieren)und natürlich meine Professorin - es wird aber nicht bewertet. Da ich nicht weiss, welche und wie viele Informationen ich in der nächsten Zeit so zusammenbekommen werde, habe ich mir noch keine Gedanken über die Form der Ausstellung gemacht. Schön wäre nätürlich eine kleine Fotoausstellung mit Kommentaren der abgebildeten Menschen - wobei ich natürlich auf Wunsch eure Anonymität wahren werde."

Hi Emma,

wie waere es, wenn ein paar Rocker life bei deiner Ausstellung dabei sind? :-)

Gruss
Stefan

Re: Freiwillige vor!

JürgenB, Monday, 23.04.2001, 13:30 (vor 9107 Tagen) @ Emma

Hallo!
Ich arbeite gerade an einem ästhetisch-didaktischen Erfahrungsprojekt zum Thema Männer in Röcken und suche freiwillige Männer, die mir (meinetwegen auch anonym) Fotos von sich im Rock schicken und/oder mir erzählen, warum sie Röcke tragen, wie sie dazu gekommen sind und wie sie sich in Röcken fühlen! Bin durch Zufall auf dieses Forum gestoßen und würde mich freuen, wenn jemand Lust hat, mich zu unterstützen!!!
Bis dann, Emma


Hallo Emma,

direkt vorweg: mangels geeigneten Fotomaterials und auch geeigneter Ausstattung kann ich Dir zur Zeit keine entsprechenden Bilder zur Verfügung stellen. Auch muß ich mich Ferdi's Aussage anschließen, daß dazu ein gewisses Vertrauen gehört, das ich so blind nach meinen Erfahrungen im Internet niemandem schenke! Dennoch, warum und wie ich zum Rock kam kann ich Dir gerne schreiben, und auch warum ich ihn weiterhin trage(n werde).

Zuerst einmal zur Person: ich bin 36 Jahre, 180 cm groß, und habe eine normal schlanke Figur. Seit 12 Jahren bin ich mit meiner Frau zusammen, seit 5 Jahren verheiratet, und das erste Kind kommt (hoffentlich) im September.

Da meine Eltern beide Schneider gelernt hatten und zu Hause auch eine kleine Schneiderei betrieben, hatte ich schon von dieser Seite einen engen Bezug zur Bekleidung. Modenschauen haben mich seit jeher interessiert. Gehört von Herrenröcken habe ich zwar schon durch die ersten Vorstöße Gaultier's in den 70ern, aber diese damals noch nicht ernst genommen - obwohl, gereizt hatte mich die Idee einmal einen Rock zu probieren schon!

Aber erst nachdem zu Anfang des Jahres 2000 sowohl Andreas Türck als auch Thomas Gottschalk in ihrer Sendung mit Rock auftraten, dachte ich mir "Was die können, kannst Du auch!". Also ab in die Geschäfte zur Suche nach einem entsprechenden Stück, gesehen, gefallen, gekauft. Gedacht hatte ich mir diesen Rock, einen langen schwarzen von Freeman T. Porter, als etwas flippiges Outfit für die Disco oder ähnliche Gelegenheiten. Beim Tragen ist mir dann allerdings aufgefallen, wie angenehm dieses Kleidungsstück ist, und daraus entstand dann die Frage, warum nur für die Disco?

Vom Tragekomfort hat der Rock für den Mann eindeutige Vorteile, lediglich bei praktischen Aspekten kann die Hose hier und da sich in den Vordergrund drängen. Mittlerweile trage ich daher in meiner Freizeit überwiegend Rock. Meine hier und da gemachten Äußerungen wie "Hosen für den Mann sind Fehlkostruktionen: Die haben alle nur zwei Beine, ich jedoch 3! Wohin damit in der Hose?" oder "Wem das 3. Bein fehlt (Frauen), kann Hosen tragen" klingen zwar vielleicht scherzhaft, sind aber meiner Meinung nach durchaus ernst zu nehmen. Dazu gesellt sich der Aspekt des besseren Klimaausgleichs im Rock: mit Rock komme ich im Schritt einfach nicht so (unangenehm) ins Schwitzen.

Zur Optik und damit zu meinem subjektiven Geschmack: Natürlich war auch für mich mein Spiegelbild zu Anfang sehr ungewohnt. Allerdings bin ich offen für Neues und habe mir damit einhergehend die Frage gestellt "ungewohnt und schlecht oder ungewohnt und gut?". Diese Frage konnte ich für mich eindeutig mit der zweiten Variante beantworten. Offensichtlich nicht nur ich selbst, denn Menschen (überwiegend Frauen) die offen für Mode sind äußern sich durchweg positiv. Negative Äußerungen will ich zwar nicht verschweigen, diese gehen jedoch nicht gegen das Erscheinungsbild als solches, sondern ganz eindeutig gegen die Tatsache "Mann im Rock", und gründen fast ausnahmslos darin, daß der geistige Horizont dieser Mitmenschen nicht über die sexuelle Ebene hinausgeht. (Meine Aussage: Du denkst wohl nicht weiter als Dein Schwanz lang ist; und das kann nicht viel sein, sonst würde er nicht in DIE Hose passen!)

Mein Fazit aus diesen Fakten: Ich fühle mich wohl im Rock und ich gefalle mir im Rock. Da die positiven Reaktionen eindeutig überwiegen und diese zudem noch von den Menschen kommen, die mir "wertvoller" erscheinen (schlechtes Wort, ich weiß, aber mir fällt gerade nichts passenderes ein), sehe ich mich in meiner Meinung auch bestätigt.

Ich wünsche mir für die Zukunft, daß die Männer etwas weniger verklemmt und voreingenommen sind. Bestimmt will ich niemanden in den Rock zwingen! Aber erst dann, wenn jeder Mann seine Erfahrungen mit Rock gesammelt hat, kann auch jeder für sich die Entscheidung Hose oder Rock halbwegs neutral treffen.

Gruß
JürgenB

Re: Freiwillige vor!

RockIngo, Tuesday, 24.04.2001, 17:45 (vor 9106 Tagen) @ Emma

Hallo!
Ich arbeite gerade an einem ästhetisch-didaktischen Erfahrungsprojekt zum Thema Männer in Röcken und suche freiwillige Männer, die mir (meinetwegen auch anonym) Fotos von sich im Rock schicken und/oder mir erzählen, warum sie Röcke tragen, wie sie dazu gekommen sind und wie sie sich in Röcken fühlen! Bin durch Zufall auf dieses Forum gestoßen und würde mich freuen, wenn jemand Lust hat, mich zu unterstützen!!!
Bis dann, Emma

Tag aus Göteborg, Emma!

Ich kam zu Röcketragen via ein Glauben ich wäre TV oder CD und habe anfangs nur Röcke zuhause oder im Nacht auf Spaziergänge getragen. Dann kam in ein Modezeitung hier im Hohen Nord ein Artikel über aktualitäten unter andere Levi´s Kilt in der All Duty Serie. Den musste ich haben so ich habe mein Levi´s store telefoniert um Interresse zu zeigen dafür so das es kommen sollte. Zu uns kam es zwei Stück und allebeide waren vorgebucht so die hingen überhaupt nicht im Geschäft. Dann kam das Bescheid das auch H&M; war auf dem Wege etwas zu verkaufen, nicht besonders schön aber trotzdem gekauft um auch da Interresse zu zeigen. Dann habe ich Computer beim Arbeit bekommen und dadurch habe ich erstens dieses Forum gefunden und danach auch die beiden Englischsprchenden Schwesterfora:
http://www.cgrevstad.com/cgi-bin/atrium.pl
http://forum.onecenter.com/tomscafe/
in alle drei wird da Diskussionen geführt über Männer die Röcke und Kleider tragen oder sich wünschen das sie sich trauten Röcke zu tragen (als es so sein sollte das Röcke beissen oder etwas). Die beiden Englische sind ein bisschen verschieden, in das Atrium geht es ein bisschen wilder vor und in das cafe ist es als wäre wir zusammen an der Theke in der Heimatkneipe. Meine Erfahrungen sind fast nur positiv als ich finde das unsere Körpern für Rocktragen gebaut sind und Ihre feminine Körpern für Hosentragen gedacht sind (entschuldigung wenn ich ein bisschen direkt werde). Besonders schön ist es an Liseberg unsere Vergnügungspark Riesenrad berockt zu fahren als der Luft sehr schön die Beine hoch steigt. Ich habe auch ein andere Trdition eingeführt- wir habe jede letzte Freitag der Monat freiwilligen Nachsitz für die Angestellten an der Schule wo ich arbeite und da nehme ich auch ausschliesslich in Röcke Teil, der Aktivität wird After Work genannt und es sitzt etwa zwanzig leute nach.

Hoffe das ich Dir ein bisschen geholfen habe!

RockIngo

Re: Freiwillige vor!

alfredw, Wednesday, 25.04.2001, 10:39 (vor 9105 Tagen) @ Emma

Hallo emma,
ich finde es super, dass du dich als Frau mit diesem
Thema beschäftigtst. Ich selbst trage seit ca. 1 Jahr
röcke, überwiegend waden- bis knöchellang. Nach anfäng-
licher Skepsis findet es meine frau ebenfalls, dass
ein Mann sich zumindest in der Freizeit sich nicht ständig
dem Diktat der Herrenmode beugen sollte.
Die Reaktionen in der Öffentlichkeit reichen von Ignoranz
bis zu freundlichem Interesse, vor allem von Frauen.
Sexuell gefärbte Sprüche habe ich natürlich auch schon gehört,
ausgehend allerdings ganz offensichtlich von den ganz Dummen.
Ich bin ganz einfach der Ansicht, dass sich der Mann dem
modediktat nicht mehr unterwerfen sollte. Zur Überwindung
bedarf es einfach einer steigenden anzahl von MÄnnern, die
über ihre kleidung frei entscheiden und dies auch in der
öffentlichkeit auch aktiv durch z.B. rocktragen vetreten.
Mit einem foto kann ich im moment nicht dienen, es werden aber
sicherlich demnächst im urlaub welche entstehen. ich schicke dir
diese dann gern zu, natürlich auch postlagernd.
gruß alfredw (warncke001@aol.com)